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Im Februar gibt es auf dem Hof von Familie Muderack in Harnekop ein Stück Zirkuswelt zu erleben

Ein Leben aus dem Wohnwagen

Mit Tiger Tonga: Yvonne Muderack und ihr Mann Knut arbeiten seit nunmehr 25 Jahren als Dompteure mit Raubkatzen.
Mit Tiger Tonga: Yvonne Muderack und ihr Mann Knut arbeiten seit nunmehr 25 Jahren als Dompteure mit Raubkatzen. © Foto: Thomas Berger
Thomas Berger / 29.01.2015, 07:29 Uhr
Harnekop (MOZ) 2013 hatten Yvonne und Knut Muderack das Grundstück am Ortseingang von Harnekop übernommen. Dort will das Paar nächsten Monat sein 25-jähriges Jubiläum als Raubtierdompteure feiern. Weitere Mitstreiter der geplanten Show wohnen schon jetzt gastweise auf dem Gelände.

Draußen ist es ungemütlich, doch im Wohnwagen, dem mobilen Zuhause der Muderacks, wohlig warm. Im November waren sie schon mal kurz in Harnekop, doch so richtig läuft die Winterpause, da sie auf ihrem neuen Stück Heimaterde Station machen, erst seit kurz nach dem Jahreswechsel. Vergangene Saison ging es einmal mehr nach Bayern, wo sie mit ihren vierbeinigen Partnern in Gestalt von Löwen und Tigern schon die vergangenen Jahre immer wieder unterwegs waren. 2015 nun steht Neues bevor: "Anfang März starten wir nach Rumänien", verrät Yvonne Muderack, ein Engagement beim dortigen Nationalzirkus.

Die erste öffentliche Aktion in Harnekop im Sommer 2013 kam beim regionalen Publikum gut an. Viele erinnern sich gern an die Vorführungen oder die Streichelangebote, melden sich, wenn Muderacks mal wieder im Land sind.

Bei den Überlegungen für Neues stolperte das Paar über die Erkenntnis, dass ja sozusagen auch das Silberjubiläum ansteht. Seit nunmehr 25 Jahren sind sie mit ihren Raubkatzen unterwegs, im In- und Ausland. "Zirkus ist ja sowieso Multikulti. Aber international dann immer Land und Leute kennenzulernen, das ist einfach toll." Die Zeit bei Hermann Renz in Holland war im Rückblick wohl die schönste.

Dass sie Glück hatten, ist ihnen durchaus bewusst. Die beiden ersten Tiere erhielt Yvonne Muderack, ein Spross der bekannten Zirkusfamilie Samel, vom Kinderzirkus ihrer Mutter. Als diese dann den Aeros übernahm, kamen die nächsten fünf dazu. Aeros, einer der Restbestände des einstigen DDR-Zirkus, ging aber schließlich in die Insolvenz, und auch für Muderacks stellte sich kurzzeitig die Frage, wie es weitergehen sollte. "Raubtiernummern waren damals aber gerade gefragt", somit war es nicht schwierig, nun auch als Freischaffende Engagements zu finden, die weiteres Einkommen sicherten. "Dennoch sind wir eine aussterbende Spezies", das lasse sich nicht leugnen. Freischaffende Artisten mit Raubkatzen gebe es in Deutschland sonst noch vier oder fünf.

Durch die lange Abwesenheit geht es in Harnekop nur schrittchenweise voran. Aber sichtbar: Das Raubtierhaus ist nach EU-Standards ausgebaut. Gleiches schwebt den beiden für das Freigehege vor, was 300 bis 400 Quadratmeter Minimum bedeuten würde. Dazu sei man noch auf Suche nach Partnern, Sponsoren.

Das Showprogramm im Februar will das Paar aber nicht allein bestreiten. Die Familie ist mit von der Partie, Yvonne Muderacks Bruder und Schwägerin mit ihrer Rollenden Arche als Streichelzoo beispielsweise. Ihre Schwester hat sich noch nicht genau geäußert, ein wenig Überraschungspotenzial wird es also bis kurz vorher geben. Und dann sind noch neue Freunde dabei: Familie Saabel. Bernhard Saabel, aus dem Raum München stammender Altstar der Manege mit Pferdedressuren, ist zurzeit sogar gastweise mit auf dem Areal in dem Prötzeler Ortsteil ansässig. "Meine Mutter hat hohe Schule mit Pferden gemacht", führt er die familiäre Tradition fort - mit Friesen, Arabern, Andalusen und Lusitanern. Sechs Tiere stehen im Harnekoper Übergangsquartier. Aktiv bei den Auftritten ist längst schon die nächste Generation - Tochter Kelly, die in wenigen Tagen 18 wird. Sie ist mit den Pferden ebenso wie mit den Schlittenhunden zu erleben.

Kelly, einer Italienerin mit landestypischem Temperament, gefällt es im märkischen Zuhause auf Zeit. Die junge Frau ist ein echtes Zirkuskind, mag das Herumgereise. Das sei grundsätzlich spannend - "manchmal aber auch hart, wenn es einem irgendwo gefällt", räumt sie ein. Sie tritt mit Hunden auf, seit sie 13 ist und mit Pferden seit ihrem 15. Lebensjahr. Im Brandenburgischen hat sich die junge Frau jetzt vor allem vorgenommen, ihr Deutsch zu verbessern, denn sie spricht die Sprache ihres Vaters bisher nur wenig.

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