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Neue Regelung soll bei Vereinen zusätzlichen Anreiz schaffen, mehr Unparteiische auszubilden

Belohnung für Schiedsrichter-Überschuss

© Foto: Ingo Muhme
Christian Heinig / 10.02.2015, 18:00 Uhr - Aktualisiert 11.02.2015, 08:29
Eberswalde (MOZ) Vereine, die einen Schiedsrichter-Überschuss haben, werden im Fußballkreis Oberhavel/Barnim künftig belohnt. Der Beschluss dazu ist bereits vor Monaten gefasst worden. Doch er wurde erst jetzt im Zuge der Debatte um fehlende Unparteiische bekannt.

Wenn man mit Michael Reichert, dem Vorsitzenden des Schiedsrichterausschusses im FK Oberhavel/Barnim, über das Schiedsrichterwesen spricht, kommt man sich manchmal vor wie bei einem Mathematikseminar. Es geht fast immer um Zahlen. Vor Kurzem erst, Mitte Januar war das, da ging es um die Zahl 50. Genau so viele Referees fehlen im FK, der insgesamt über 204 Unparteiische verfügt, derzeit, um den Spielbetrieb ohne Engpässe zu organisieren. 50 zu wenig - das hatte für einige Aufregung gesorgt. Und das könnte diesmal wieder passieren.

Die Zahl, um die es diesmal geht, lautet 64. Es gibt im FK Oberhavel/Barnim nämlich laut Zählung des Schiedsrichterausschuss-Vorsitzenden Reichert derzeit genau 64 Vereine, die ihr "Soll erfüllen", was die Anzahl an Referees betrifft, die sie laut Spielordnung zur Verfügung stellen müssen. Demgegenüber steht die Zahl 35, sie beziffert die Anzahl an Klubs, die "unter Soll" liegen, die also zu wenige Referees zum Einsatz bringen.

Wichtig sind diese Zahlen deshalb, weil es im Zuge der Debatte um fehlende Schiedsrichter, die seit einigen Tagen die Fußball-Szene in Oberhavel/Barnim beherrscht, zuletzt auch um die Frage ging: Wie kann man Anreize schaffen, um wieder mehr Referees zu gewinnen?

Die Antwort des Fußballkreises: mit einer Belohnung für Vereine, die mehr Schiedsrichter abstellen als nötig. Also für die erstgenannten 64.

Beschlossen wurde diese neue Regelung bereits im vergangenen Oktober, bekannt ist sie allerdings erst jetzt geworden, in der Folge der Debatte um fehlendes Personal.

Schiedsrichterausschuss-Chef Reichert hatte ein solches Belohnungssystem schon im Fußballkreis Steinfurth (Westfalen), wo er in den vergangenen Jahren aktiv war, installiert. "Ich finde das sehr gut", sagt er. Funktionieren soll es wie folgt: Die 35 Vereine im FK Oberhavel/Barnim, die bei der Anzahl der Schiedsrichter "unter Soll" liegen, müssen dafür Strafzahlungen leisten. Das Geld, das auf diese Weise zusammenkommt, soll in einem extra Topf gesammelt werden. Am Saisonende, also im Juni dieses Jahres, wird zusammengerechnet. Die Summe, die herauskommt, wird dann geteilt, und zwar durch die 64 Klubs, die "über Soll" liegen.

"Noch ist aber nicht klar, wie wir die Summe an diese Vereine ausschütten", sagt Reichert. Geld, Bälle, Materialien - alles sind mögliche Varianten.

Dieses Belohnungssystem, von dem hier die Rede ist, dürfte einigen aufmerksamen Zeitungslesern bekannt vorkommen. Ingo Muhme, der Fußball-Abteilungsleiter von Grün-Weiss Ahrensfelde, hatte es kürzlich in einem Leserbrief bereits zur Sprache gebracht. Muhme schrieb: In Berlin "werden Vereine genauso wie in Brandenburg bestraft, wenn man zu wenig Referees zum Einsatz bringt. Aber, ist die Liste der Aktiven über dem Soll, dann belohnt man die Vereine finanziell."

Genau so soll es jetzt auch im Fußballkreis Oberhavel/Barnim kommen. Schiedsrichterausschuss-Chef Reichert betont: "Darauf sind wir auch schon allein gekommen."

Ob dieses Belohnungssystem den gewünschten Effekt erzielt, muss sich freilich erst zeigen. Vereine wie GW Ahrensfelde, die sehr engagiert bei der Gewinnung neuer Schiedsrichter sind, dürften profitieren und sich damit in ihrem Weg bestärkt sehen. "Wir haben sieben Schiris auf der Liste", sagt Ahrensfeldes Fußball-Chef Muhme, "damit sind wir nach meiner Kenntnis zwei Referees über dem Soll." Doch was ist mit den anderen, mit den Vereinen, die zu der Gruppe "Unter Soll" zählen? Werden die das Belohnungssystem jetzt als Anreiz betrachten, mehr zu tun?

Beim FSV Lok Eberswalde, der aktuell vier Schiedsrichter aufbieten kann, laut Spielordnung allerdings fünf stellen müsste und deshalb mit Strafzahlungen rechnen muss, geben sich die Verantwortlichen zurückhaltend. "Wir sind immer auf der Suche nach neuen Schiedsrichtern, dies erweist sich jedoch gerade im Herrenbereich des Vereins als schwierig", sagt Sportwart Felix Rödl, "da dort viele Spieler schon ehrenamtliche Aufgaben im Verein übernehmen."

Doch das ist nicht alles. Beim Thema Nachwuchsgewinnung gab es zuletzt Probleme, die man beim FSV Lok auch dem Fußballkreis anlastet. Sportwart Rödl: "Wir wollten im Herbst des Vorjahres zwei Nachwuchsschiedsrichter für den neuen Lehrgang anmelden. Dies wurde durch den Fußballkreis jedoch abgelehnt." Laut Statuten des FK Oberhavel/Barnim ist die Ausbildung erst ab 14 Jahren möglich. "Unsere Anwärter waren zwölf und 13", sagt Rödl. In anderen Kreisen, etwa in der Uckermark, sei die Ausbildung ab zwölf möglich, betont Rödl. "Aus unserer Sicht ist dies sehr schade, da es ja heut zu Tage sehr schwer ist, Nachwuchs für den Schiedsrichterposten zu begeistern. Und ein Jahr Praxiserfahrung bei Trainingsspielen oder im unteren Nachwuchsbereich hätten den Jungs sicherlich nicht geschadet", so der Lok-Sportwart. Jetzt müssen sie bei den Eberswaldern hoffen, dass das Interesse ihrer zwei Anwärter auch noch vorhanden ist, wenn sie offiziell mit der Ausbildung beginnen dürfen.

Ein weiteres Problem, das man bei Lok sieht, und das auch Ingo Muhme von GW Ahrensfelde in seinem Leserbrief angesprochen hatte, sind die hohen Kosten für die Schiedsrichterausbildung. "Die Kosten insgesamt, auch die für Strafen, steigen ja seit Jahren, das drückt den Verein", sagt der Vereinsvorsitzende Götz Herrmann. Bis zu 100 Euro kann ein Schiedsrichter-Lehrgang kosten. Zum Vergleich: In Berlin sind es 15 Euro, allerdings ist dort auch keine Unterbringung nötig. Bei Lok sieht man sich in jedem Fall in einem Dilemma: "Wir können als Verein bei der Nachwuchsgewinnung von Schiedsrichtern selbst keine Anreize geben, weil die Ausbildungskosten schon so hoch sind", sagt Herrmann.

Das Problem der Nachwuchsgewinnung wird auch am kommenden Montag Thema sein. Dann findet die Halbzeittagung der Schiedsrichter des FK Oberhavel/Barnim in Bernau statt. Reichert, der Chef des Refereeausschusses, hat bereits angekündigt, sich dort auch zu den Engpässen beim Personal äußern zu wollen. Es wird dann sicher wieder viel um Zahlen gehen.

Um die prekäre Personallage zu lösen, verfolgt Reichert neben dem Belohnungssystem ohnehin kurzfristig auch eine andere Idee: die Reaktivierung jener Unparteiischen, die in den vergangenen fünf Jahren aufgehört haben. Von 60 Leuten ist die Rede.

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