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Lebuser-Länder mit neuem Selbstbewusstsein

Identitätssuche im Lebuser Land: Eugeniusz Niparko aus Bialkow, Magdalena Abraham -Diefenbach, Leokardia Szolrum aus Bialkow, Magdalena Gebala und Moderator Stephan Felsberg (v.l.) in der Alten Schmiede des Begegnungszentrums Schloss Trebnitz.
Identitätssuche im Lebuser Land: Eugeniusz Niparko aus Bialkow, Magdalena Abraham -Diefenbach, Leokardia Szolrum aus Bialkow, Magdalena Gebala und Moderator Stephan Felsberg (v.l.) in der Alten Schmiede des Begegnungszentrums Schloss Trebnitz. © Foto: Ulf Grieger
Ulf Grieger / 15.03.2015, 07:23 Uhr
Trebnitz (MOZ) Wie identifizieren sich die Bewohner der polnischen Wojewodschaft Lubuski/Lebuser Land mit ihrer Heimat? Diese Frage stand im Mittelpunkt eines weiteren Trebnitzer Schlossgespräches. Die Antworten spiegeln eine Entwicklung, die zu einem neuen Selbstbewusstsein der Lebuser-Länder führt, wider.

"Polesien" nennen die aus dem ehemaligen Osten Polens in den ehemaligen Osten Brandenburg-Preußens vertriebenen Einwohner die Gebiete ihrer Vorfahren. Polesien liegt heute in Litauen, der Ukraine und Weißrussland. Eugeniusz Niparko, der sich für das Schlossgespräch extra in die Tracht seiner Vorfahren gekleidet hatte, und Leokardia Szolrum von der Gesellschaft der Freunde Polesiens sind in Bialkow zu Hause. Der Nachbarort von Eisenhüttenstadt/Fürstenberg hieß früher Balkow. Heute gehört das Dorf, in dem die niedersorbische Tradition gepflegt wurde, zur Stadt Cybinka (Ziebingen). Das Ziebinger Schloss galt als einer der Musenhöfe der deutschen Romantik und beherbergte unter anderem von 1801 bis 1819 den Dichter Ludwig Tieck.

Solche deutschen und sorbischen Traditionen ihrer heutigen Wohnorte machen sich die Lebuser-Länder erst seit der Wende nach und nach bewusster. Im sozialistischen Polen galt das Verdikt, dass Polen 1945 die Gebiete zurückbekommen hat, die ihnen im Mittelalter genommen wurden und die eigentlich immer polnische gewesen sind. "Inzwischen wächst der Stolz auch auf die Kulturleistungen der Deutschen", erklärte Eugeniusz Niparko.

Er erzählte von der Vertreibung aus der Ukraine. Urkunden wies die Vertriebenen als rechtmäßige Hofherren im einstigen Ostbrandenburg aus. "Wir kamen aus einer sehr armen Region", erzählte er weiter. Und zeigte Schuhe aus Rinde und alten Autoreifen. Sowie einen Sensendengel aus Holz. Aber so wie die deutschen Vertriebenen aus Ostpreußen, der Neumark oder dem Sudetenland sich regelmäßig treffen um ihre Kulturtradition am Leben zu halten, so lebt auch die polesische Kultur auf verschiedene Weise in Lubuskie weiter. "An unserem Bauernhaus stand noch der deutsche Schriftzug "Erbaut' mit der Jahreszahl. Die Behörden vor der Wende wollten, dass wir diese Buchstaben entfernen, um ja auch alle Spuren zu verwischen, die an die deutsche Kultur erinnern. Ich hatte mich geweigert, es zu tun", erzählte Niparko weiter. Davon, dass das auch Auswirkung auf die Speisekarten hat, konnten sich die Gäste des Schlossgesprächs selbst überzeugen. Denn die Gäste aus Bialkow hatten Kostproben mitgebracht.

Magdalena Abraham-Diefenbach vom deutsch-polnischen Forschungsinstitut am Collegium Polonicum erzählte, dass sie vom Lebuser Land in der Schule nur erfahren hatte, dass die Region durch die Dummheit eines Piastenfürsten in deutsche Hände gekommen sei. "Ich komme aus der Kaschubei. Aber auch uns wurde in der Schule erzählt, dass die Lebuser Region immer schon polnisch war."

Magdalena Gebala stellte ihre Behörde, das Kulturreferat für Pommern und Ostbrandenburg bei der Bundesbeauftragten für Kultur, vor. Zu ihrem Bereich gehöre auch die Neumark. Am Beispiel eines Projekts in Stettin, bei dem berühmte deutsche und polnische Stettiner vorgestellt werden, erläuterte sie die Fördermöglichkeiten für das Oderland. "Wir haben weitaus mehr Förderanträge aus Pommern als aus der Neumark oder anderen Regionen Ostbrandenburgs", ermunterte die Kulturreferentin, die ihren Sitz am Pommerschen Landesmuseum Greifswald hat, Anträge zu stellen.

Das nächste Schlossgespräch am 1. Mai geht ab 19 Uhr der Frage nach "Was bedeuten uns heute Preußens Könige?". Am 12. Juni gibt die Antwort auf das Schlossgespräch zum Lebuser Land. Dann wird unter anderem Märkisch-Oderlands Landrat Gernot Schmidt seine Sicht auf "Heimat Brandenburg" darlegen.

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