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Neue Preisexplosion bei Ackerflächen

Seit Jahren klettern die Ackerwerte in der Uckermark. Ein Ende ist nicht in Sicht.
Seit Jahren klettern die Ackerwerte in der Uckermark. Ein Ende ist nicht in Sicht. © Foto: Wilfried Bergholz
Oliver Schwers / 20.05.2015, 08:00 Uhr - Aktualisiert 20.05.2015, 17:08
Angermünde/Schwedt (MOZ) Die Preisspirale nimmt kein Ende. Große Ackerflächen in der Uckermark erreichen erneut Höchstwerte. Innerhalb eines Jahres sprang der Bodenrichtwert um rund 20 Prozent nach oben. Teilweise werden bis zu drei Euro pro Quadratmeter gezahlt.

Anleger, Bauern, Industriebetriebe und Banken wollen Geld retten. Was liegt da näher, als in den sicheren Grund und Boden zu investieren? Je größer die Flächen, desto mehr überbieten sich die Bewerber. Seit mehr als 15 Jahren steigen die Ackerpreise in der Uckermark. Allein im vergangenen Jahr machten sie einen weiteren Sprung um 20 Prozent. Wer vor langer Zeit seinen Acker ins Trockene gebracht hat, der sitzt jetzt unter Umständen auf Millionenwerten. Landwirte aber, die jetzt noch für ihren Betrieb Pachtflächen aufkaufen müssen, schauen in die Röhre.

Rund 5000 Hektar Felder, Wiesen und Wälder wechselten 2014 den Eigentümer. Das ergaben die aktuellen Berechnungen des Gutachterausschusses für Grundstückswerte nach Auswertung aller Verträge. Über den Tisch gingen dabei fast 70 Millionen Euro. Neuer Rekord: Eine 53 Hektar große Fläche mit einer Ackerzahl von 47 Bodenpunkten erzielte einen Kaufpreis von über drei Euro pro Quadratmeter. Zum Vergleich: Auf dem Lande bekommt man unbebautes Bauland für Eigenheime schon ab fünf Euro pro Quadratmeter.

Durchschnittlich müssen Käufer zwischen 13 000 Euro und 17 000 Euro für einen Hektar Ackerfläche bezahlen. Überraschend ist die Geschwindigkeit der Preisspirale. Allein im Raum Angermünde schnellte der Mittelwert in den vergangenen zwölf Monaten um 2700 Euro in die Höhe. Die höchsten Preise werden im Raum Prenzlau erzielt, weil hier zum großen Teil die besten Böden der Uckermark liegen. Fast alle Kaufverträge für zusammenhängende Felder mit einer Größe über zehn Hektar kamen hier auf Erlöse zwischen 20 000 und 26 000 Euro pro Hektar.

Seit langem beklagen die Landwirte diese Entwicklung. Sie befürchten eine Ausbeutung des Bodens durch finanzielle Interessen fremder Eigentümer. Andererseits gibt es auch einheimische Landwirte, die aufgrund der derzeit günstig zu beschaffenden Kredite an der Preisschraube mitdrehen. Kritiker behaupten, dass diese Entwicklung sich auch ins Gegenteil verkehren kann. Denn noch sind gute und große Äcker in der Uckermark zu haben, während andernorts die Verteilkämpfe längst stattgefunden haben. Wenn nichts mehr zu haben ist und nur noch Splitterflächen von privat an privat verkauft werden, könnten die Durchschnittswerte wieder sinken.

Doch davon ist zurzeit nichts zu merken. Das bestätigt auch der schnell wachsende Grünlandwert. Zwar sind saftige Wiesen im Vergleich zum Acker immer noch recht günstig, doch mussten Käufer im vergangenen Jahr deutlich tiefer in die Tasche greifen. Größter Anstieg auch hier wieder im Raum Angermünde, einschließlich der Region Gartz und Schwedt. Der Durchschnittspreis pro Quadratmeter kletterte von 65 auf 79 Cent.

Die Folge: Mit den Preisen klettern auch die Pachtforderungen. Damit müssen Bauern auch bei Betriebsflächen, die ihnen nicht selbst gehören, tiefer in die Tasche greifen. Allerdings sind hier die Erträge abhängig von der Lage und logischerweise von der Bodengüte. Bei neu abgeschlossenen längerfristigen Verträgen gehen die Forderungen bis auf 340 Euro pro Hektar - und das selbst bei mäßiger Bodenqualität. Der aktuelle Spitzenwert bei gepachteten Grünlandflächen liegt mittlerweile auch schon bei 222 Euro. Ein Ende der Spirale ist nicht in Sicht.

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