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Vom Ostkreuz bis zur ICE-Strecke

Baustellen bundesweit: Die BUG Verkehrsbau AG war und ist nicht nur im Berliner Raum am Schienennetz tätig, sondern auch im Südwesten Deutschlands oder an der Strecke nach Rostock.
Baustellen bundesweit: Die BUG Verkehrsbau AG war und ist nicht nur im Berliner Raum am Schienennetz tätig, sondern auch im Südwesten Deutschlands oder an der Strecke nach Rostock. © Foto: privat
Thomas Berger / 22.05.2015, 07:15 Uhr
Hoppegarten/Berlin (MOZ) In diesem Jahr feiern wir 25 Jahre deutsche Einheit. Die MOZ erzählt Geschichten. Heute: Die BUG Verkehrsbau AG in Hoppegarten, die auf 25 Jahre zurückblicken kann. Aus eher bescheidenen Anfängen wuchs ein Firmenverbund, der bundesweit und teils auf internationalem Parkett agiert.

Im kommenden Monat wird sich die Firma mit ihrem Teilstandort im Hoppegartener Gewerbegebiet - die Zentrale ist inzwischen ein kleines Stück weiter nach Berlin gezogen - erneut beim Tag des offenen Gewerbes in der Gemeinde beteiligen. "Nunmehr zum dritten Mal", wie Annette Köhler sagt. Und sie muss es wissen, schließlich ist sie im Unternehmen für Personal und damit ebenso für den ganzen Bereich Ausbildung zuständig. Nachwuchsgewinnung war und ist ein wichtiger Bereich, und da spielen auch die Schnupperangebote im Rahmen solcher Aktionen eine Rolle.

Zum Beispiel die Möglichkeit, auf dem Gelände in Hoppegarten mal mit Vertretern jener Technik Bekanntschaft zu schließen, mit der die Mitarbeiter normalerweise so agieren. Ein Schienenschweißer werde da vorgeführt, Flechtarbeiten mit Stahl präsentiert, zudem dürfen Neugierige mit dem Minibagger etwas Sand schaufeln oder den weitaus imposanteren Zwei-Wege-Bagger bei einer kleinen Übungsaufgabe austesten.

Anders als manch andere Firmen, denen es wegen des demografischen Wandels inzwischen nicht ganz leicht fällt, ihre Lehrstellen zu besetzen, kennt man bei der BUG solche Sorgen nicht. Eher im Gegenteil, betont Annette Köhler - die Nachfrage habe wieder zugenommen. "Zuletzt hatten wir auf maximal zwölf zu vergebende Ausbildungsplätze um die 80 Bewerbungen", erzählt sie. "Viele der Interessenten haben sich auch schon etwas eingehender mit dem Berufsfeld Gleisbau beschäftigt, das ist ein echter Qualitätssprung."

Mit Bau und körperlich schwerer Arbeit haben alle drei Berufe zu tun, in denen ausgebildet wird. Das sind Gleisbauer, Kanalbauer und Baugeräteführer, alle mit einer regulären Ausbildungszeit von drei Jahren. Die Entlohnung bei BUG und ähnlichen Firmen sei da zwar sehr solide, ein Zuckerschlecken ist die Arbeit dennoch nicht, gibt die Personal- und Ausbildungsverantwortliche zu bedenken: "Es bedeutet auch, bei Wind und Wetter draußen im Einsatz zu sein. Und manchmal gibt es einen Adrenalinschub extra, wenn bei einer Gleisbaustelle unmittelbar nebenan ein ICE vorbeirauscht."

Eben dass dies überhaupt möglich ist, immer mehr wichtige Knotenpunkte bundesweit über hochgeschwindigkeitstaugliche Trassen miteinander verbunden sind, kommen auch die Teams des Randberliner Unternehmens im Auftrag der Bahn immer wieder zum Einsatz. Ganz klein mit etwa zehn Leuten ging es vor einem Vierteljahrhundert los, mittlerweile ist die Firmengruppe auf stolze 430 Mitarbeiter angewachsen, Tendenz weiter steigend. "Allein in den vergangenen fünf Jahren sind etwa 150 davon neu eingestellt worden", verweist Annette Köhler auf die jüngsten Entwicklungen, den nochmaligen Schub.

Dass alles eine deutlich größere Dimension erreicht hat, war denn auch der Grund, warum die Firmenzentrale zuletzt von Hoppegarten - seit 1997/98 Heimstatt - ein Stück weiter über die Berliner Stadtgrenze hinweg umgezogen ist. Auf der Brandenburger Seite sind aber eine Teilfirma und der gesamte Werkstattbereich verblieben.

Etwa 50 Prozent der Aufträge liegen in der Region Berlin-Brandenburg, die andere Hälfte verteilt sich bundesweit. Im Kreis Güstrow hat die BUG bereits 2005 einen Teilabschnitt der Strecke von Rostock in die Hauptstadt für Tempo 160 fit gemacht, derzeit sind Teams zum Beispiel in Mannheim zugange. Überhaupt hat es im Südwesten, also Bayern und Baden-Württemberg, zuletzt so manchen Einsatz gegeben. Darüber hinaus wirkt die Firma bei einem Großprojekt im Raum Roßlau-Dessau mit.

"Für die BVG hier in Berlin mit U-Bahn und Straßenbahn sind es mittlerweile eher kleinere Projekte", erklärt Sandra Driesener, und Kollegin Annette Köhler verweist auf Nordkreuz oder die Strecke der S 3 nach Erkner, wo die BUG Verkehrsbau AG im S-Bahn-Netz der Metropole durch ihr Wirken Spuren für gesicherten und teils noch schnelleren Betrieb hinterlassen hat. An der Großbaustelle Ostkreuz wird zudem immer noch gearbeitet. Schon etwas zurück liegt die Erneuerung des S-Bahnhofes Olympiastadion, die 1998/99 zwölf Monate in Anspruch nahm.

Viele der größeren Projekte sind nicht auf die Schnelle umzusetzen, aber auf Qualität und die Einhaltung festgelegter Zeitpläne komme es in dieser Branche eben ganz besonders an. Schließlich sind bei der Bahn Umleitungen oder Ersatzfahrpläne mit den Baustellen verknüpft: "Jede Bauverzögerung muss da extrem gut begründet sein, die Bahn lässt sich Verspätungen durch den Auftragnehmer teuer bezahlen", wie Annette Köhler berichtet.

Die Firma verfügt über eine eigene Logistikabteilung, zu der zwei Loks gehören. Per Zug können also Material und Ausrüstung direkt zur Baustelle gefahren werden. "Alles aus einer Hand" will das Unternehmen bieten, dazu gehören neben dem neueren Bereich Ingenieurbau (Bahnsteige, Aufzüge, Fußgängerbrücken) auch Kommunikation/Elektrotechnik - also Video, Bahnsteigsanzeiger und dergleichen.

Die Firma wächst auch 25 Jahre nach Gründung stetig weiter. Eine polnische Niederlassung ist im Aufbau, und auf internationaler Bühne gibt es schon Einzelprojekte in Lettland oder der Türkei.

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