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Kaufen, Kunst und Kaffee

Einkaufen wieder im Dorf: Renate Runge ist Kundin bei Kornelia Herzog. Schloss Trebnitz betreibt ihn seit März.
Einkaufen wieder im Dorf: Renate Runge ist Kundin bei Kornelia Herzog. Schloss Trebnitz betreibt ihn seit März. © Foto: MOZ/Doris Steinkraus
Doris Steinkraus / 23.05.2015, 05:10 Uhr
Trebnitz (MOZ) Am 28. März öffnete im Müncheberger Ortsteil ein Dorfladen. Initiator und Betreiber ist der Verein Bildungs- und Begegnungsstätte. Die ersten Wochen haben dem Laden schon etliche Stammkunden beschert. Man will und muss aber noch zulegen.

Renate Runge holt wie immer morgens ihre Brötchen im Dorfladen. Die Seniorin kommt an allen sechs Öffnungstagen. "Es ist so schön, dass wir in Trebnitz wieder einkaufen können", schwärmt sie. "Das ist eine echte Bereicherung und mal was Gutes für uns Bürger." Sie kennt Verkäuferin Kornelia Herzog bestens. Die wohnt schließlich auch im Ort. Fast immer ist auch Zeit für ein Pläuschchen. "Das ist schon ein richtiger Anlaufpunkt für die Leute geworden", erzählt Kornelia Herzog. "Sie treffen sich, tauschen aus, genießen die Abwechslung."

Genau das war die Absicht des Projektes. Während in vielen Orten die letzten Dorfläden schließen, wurde in Trebnitz ein neuer eröffnet. Möglich wurde dies durch den Verein Schloss Trebnitz, der seit Jahren Aufgaben der Daseinsvorsorge übernimmt. Unter der Maßgabe, aus der alten Remise ein Gemeinschaftszentrum fürs Dorf zu schaffen, gab es die Förderung durch Leader. Ohne hätte der Verein die aufwändige Sanierung nicht bewerkstelligen können.

Dreh- und Angelpunkt ist der Laden, der bisher gut angenommen wird, freut sich Kornelia Herzog. Das Preisniveau sei akzeptabel. Es gibt mehr als 600 Produkte. Sucht ein Kunde mal etwas, was nicht in den Regalen liegt, bringt es Kornelia Herzog notfalls auch beim privaten Einkauf mit. Vor allem die frischen Backwaren des Buckower Bäckers sprechen viele an. Zudem gibt es Ware, die man in keinem Supermarkt findet - Pesto der Privatmanufaktur in Jahnsfelde, Suppen aus Müncheberg, Öl aus Diedersdorf, Schafsjoghurt und Käse vom Pimpinelle-Hof Quappendorf und sogar Original-Wodka aus Polen.

Die Teilnehmer der Seminare und Projekte im Schloss suchen eher nach Snacks, Riegel und Getränken. Auch sie sind eine feste Größe im Projekt Dorfladen. "Wir sind für den Anfang zufrieden, müssen aber noch zulegen", sagt der Leiter der Bildungsstätte Darius Müller. Mit Beginn der Saison hofft der Verein, dass noch mehr Durchfahrende am Laden stoppen. In den nächsten Tagen soll ein großes Manko abgestellt werden. Bisher gibt es nämlich keinen Hinweis auf den Laden. Der sieht von der Straße aus wie ein normales Eigenheim. Da die Remise unter Denkmalschutz steht, durfte an der Vorderfront nichts verändert werden. Der Eingang mit der großzügigen Terrasse befindet sich auf der Hofseite. Der Laden bietet auch Kaffee und einen kleinen Imbiss. Mit der nun avisierten Tafel hofft der Verein, dass künftig auch mehr Auswärtige neugierig werden und der Umsatz steigt.

Denn auch der Verein muss letztlich so wirtschaften, dass der Laden ihn finanziell nicht ausblutet. "Ohne die ehrenamtlichen Helfer ginge es gar nicht", unterstreicht Darius Müller. Die füllen nicht nur die Regale mit auf und preisen die Ware aus. Sie fahren zum Teil sogar selbst umher, um Produkte, wie etwa Tomaten und Gurken aus Manschnow, zu holen und so das Angebot entsprechend der Wünsche der Kunden zu erweitern. Christina Krüger, Roswitha Koball, Wolfgang van Gulijk?, Karla und Joachim Graumann, Marianne und Jürgen Huhn sowie Barbara Pawlick gehören zu diesen Ehrenamtlichen, ohne die der Laden nicht denkbar wäre.

Auch das Café zum Glück, dass im gleichen Haus sein Domizil hat, lebt vom Ehrenamt. Jedes Wochenende laden deutsche und polnische Schüler zu Kaffee und Kuchen ein. Die Senioren haben ebenfalls ihren Raum im Haus bereits angenommen, nutzen die Angebote des Ladens für ihre Kaffeerunden. Und manch einer steigt die Holztreppen hinauf, um die Gustav-Seitz-Ausstellung anzusehen. Vor allem Gäste des Schlosses und des ebenfalls im Ort ansässigen Bundesarchivs der Heilpädagogen sind begeistert. Sibylle Bad-stübner-Gröger, Vorsitzende des Freundeskreises Schlösser und Gärten der Mark, zeigte sich so angetan vom Ansinnen des Vereins, in Trebnitz ein Zentrum für Seitz, einer der renommiertesten Bildhauern der Nachkriegszeit, zu etablieren. Sie will sich dafür einsetzen, dass die Akademie der Künste Berlin, in der Seitz einst Mitglied war, die Vorhaben in Trebnitz befördert. Ein Seitz-Zentrum wäre ein enormer Gewinn für die gesamte Region bedeuten, sagt sie. Kunst-Einkauf-Kaffeerunde - bunter geht es kaum, eben ein richtiges Dorfzentrum.

Dorfladen Trebnitz, an der Einfahrt zum Schloss, geöffnet Mo bis Fr 8 bis 10.30 Uhr, 13 bis 17 Uhr, Sa 8 bis 11 Uhr, Café zum Glück jeden Sa 11 bis 18 und So 10 bis 17 Uhr

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