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Mutmaßlicher Drogendealer freigesprochen

Holger Rudolph / 03.12.2015, 15:13 Uhr - Aktualisiert 05.02.2016, 11:04
Neuruppin (MZV) Der 24-jährige Angeklagte Rick N. konnte das Amtsgericht am Donnerstag als freier Mann verlassen. Das Gericht hatte keine verwertbaren Beweise für den ihm vorgeworfene Handel mit Drogen gefunden. Weder Rick N. selbst noch der einzige Zeuge Nick S. erinnerten sich an das, was vor zweieinhalb Jahren passiert sein soll.

Der damalige Wittstocker Rick N. lebt inzwischen in Prenzlau. Laut Anklageschrift soll er bei fünf Treffen in seiner Wittstocker Wohnung von Mai bis September 2013 an den damals erst 16-jährigen Nick S. jeweils 0,2 bis 0,3 Gramm Cannabisblüten im Gesamtwert von 15Euro verkauft haben. Das Strafgesetzbuch wertet eine solche Tat des Drogenhandels mit noch nicht Volljährigen als Verbrechen. Darauf steht eine Freiheitsstrafe von mindestens einem Jahr, die zur Bewährung ausgesetzt werden kann.

Rick N. wurde am Donnerstag von seiner gerichtlich eingesetzten Betreuerin begleitet. Ursache der Betreuung sind eine psychosoziale Reifestörung sowie fortwährender Drogen- und Alkoholkonsum des Angeklagten. Dieser gab an, seit längerer Zeit kein Cannabis mehr zu nehmen. Allerdings habe er erst kürzlich Amphetamine genommen. Auf die Frage von Richter Gerhard Pries, ob er den Zeugen Nick S. kenne, antwortete Rick N., in die Richtung des angeblichen Drogenkäufers blickend: "Den habe ich noch nie gesehen."

Zeuge Nick S., der jetzt in Neuruppin lebt und eine Ausbildung im Gastronomiegewerbe absolviert, überraschte das Gericht: "Ich möchte keine Aussage machen." Nachdem geklärt war, dass insgesamt drei Verfahren gegen ihn im Zusammenhang mit Drogen eingestellt worden sind, wies Pries ihn darauf hin, dass er zur Aussage verpflichtet ist. Daraufhin stellte Nick S. fest: "Ich weiß davon nichts mehr. Das ist so lange her." Bei seiner Vernehmung durch die Kriminalpolizei vor gut zwei Jahren habe er doch ganz klar zu Protokoll gegeben, fünfmal in der Wohnung des Angeklagten Drogen bekommen zu haben, legte Pries nach und holte den Zeugen nach vorn: "Da steht doch Ihre Unterschrift drunter." Doch auch dies änderte nichts am Standpunkt des Zeugen: "Ich weiß gar nicht, weshalb das dort so steht." Den Angeklagten kenne er nicht. Er habe ihn nur mal in Wittstock auf der Straße gesehen, so wie man täglich sehr vielen Leuten begegnet.

Die anderen Aussagen im Vernehmungsprotokoll, mit denen er weitere potenzielle Täter belastet hatte, seien allerdings richtig. Nur die Rick N. betreffenden Angaben, auch, dass er diesen in den Sommerferien 2013 kennengelernt habe, könne er sich nicht erklären, beteuerte Nick S.

Weil die Vernehmung der Kriminalpolizei als alleiniger Beweis im Rahmen der Hauptverhandlung nicht verwertbar ist und der einzige Zeuge sowie der Angeklagte sich an nichts erinnerten, blieb dem Gericht keine Wahl. Nachdem schon die Staatsanwaltschaft darauf plädiert hatte, dass sich der Tatvorwurf nicht hinreichend nachweisen lasse und der Verteidiger Freispruch gefordert hatte, kam Rick N. frei. Richter Pries begründete das Urteil: "Uns liegen keine Beweise mit der für eine Verurteilung erforderlichen Sicherheit vor."

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