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Milchpreis zerstört Arbeitsplätze

Vor der langen Reise: Diese Milchkuh aus Sachsendorf wird nach Marokko verkauft. Die meisten ihrer Schwestern werden künftig aber in Osteuropa gemolken. Nur die besten Kühe aus Sachsendorf kommen in die Golzower Stallanlagen
Vor der langen Reise: Diese Milchkuh aus Sachsendorf wird nach Marokko verkauft. Die meisten ihrer Schwestern werden künftig aber in Osteuropa gemolken. Nur die besten Kühe aus Sachsendorf kommen in die Golzower Stallanlagen © Foto: Ulf Grieger
Ulf Grieger / 17.12.2015, 18:50 Uhr
Sachsendorf/Golzow (MOZ) Die Landwirtschaft Golzow GmbH schließt bis Ende März ihre Rinderanlagen in Sachsendorf und Reitwein. Die meisten Tiere werden derzeit verkauft. Die besten werden in der Golzower Anlage konzentriert. Zehn der 33 Mitarbeiter dieses Produktionszweiges wurde gekündigt.

Die Ställe leeren sich. Schon jetzt stehen die meisten Färsen aus der Reitweiner Anlage in Sachsendorf. Für das Gros der Tiere steht der Bestimmungsort schon fest, die Verkäufe laufen. Die Stimmung in den Ställen passt so recht zum neblig-feuchten Wetter: Bei den zehn Milchwirten, die bereits ihre Kündigung erhalten haben, ohnehin.

"Es tut uns auch sehr leid", versichert Geschäftsführer Detlef Brauer. "Wir haben sehr lange mit diesen Entscheidungen gewartet. Aber bei monatlich rund 34 000 Euro Verlust allein im Bereich Milchproduktion blieb uns jetzt gar keine Wahl mehr."

Der Zeitpunkt des Preisverfalls für Milch sei denkbar schlecht. Denn auch in den anderen Produktionsbereichen sei die Lage derzeit nicht so, dass die Verluste locker aufgefangen werden könnten. "Wir haben uns die Situation auf dem Milchmarkt auch von Analysten erklären lassen. Sie erwarten im kommenden Jahr keine und in den Folgejahren wenig Besserung. In einer Fachzeitschrift wird prognostiziert, dass zahlreiche Milchproduzente aufgeben werden", so Brauer. Seit dem Wegfall der Milchquote Anfang des Jahres sei viel zu viel Milch auf dem Markt. Und selbst, wenn durch die Aufgabe von Produzenten zeitweise Milch knapper werde, gebe es ausreichend Reserven, um den Milchpreis niedrig zu halten.

Detlef Brauer rechnet es konkret vor: Rund 700 Tonnen Milch hat der Betrieb, der mehrheitlich der Odega-Gruppe gehört, monatlich geliefert. Noch im vorigen Jahr gab es je Kilogramm 34 bis 40 Cent. Inzwischen liegt der Grundpreis bei 24 Cent. Auf Grund der guten Qualität - die Golzower gehören zu den zehn besten Milchproduzenten in Brandenburg - erreichen sie noch einen Preis von bis zu 29 Cent. Um aber überhaupt kostendeckend zu produzieren, müsste der Preis laut Brauer bei 35 Cent liegen.

Ganz aufgeben wollen die Golzower Landwirte ihre Milchproduktion aber noch nicht, erklärt Brauer. In den Golzower Ställen, die ebenso wie die Sachsendorfer und Reitweiner einen großen Investitionsrückstau haben, sollen zunächst die 500 besten Milchkühe konzentriert werden. Mit den etwa 500 Jungrindern schrumpft der Bestand somit auf die Hälfte. Wie lange allerdings der Standort dort noch zu halten ist, stehe noch nicht fest. Eine Investition in die Stallanlage sei derzeit noch nicht möglich.

Zum einen wegen der unsicheren Lage auf dem Milchmarkt und zum anderen wegen der deutlich schlechteren Bedingungen in der neuen Förderperiode. Der Förderanteil ist von 35 auf 20 Prozent gesunken. Für die Anlagen in Sachsendorf laufen derzeit die Planungen. Möglicherweise wird dort auf Geflügelproduktion umgerüstet. Und das, obwohl auch die Preise für Hähnchen mit 1,89 bis 1,90 Euro je Tier jenseits dessen liegen, was auskömmlich wäre.

Detlef Brauer wünscht sich vor allem ein Umdenken bei den Verbrauchern. In Bezug auf das aktuelle Volksbegehren gegen Massentierhaltung macht er deutlich, dass die Landwirte dafür die völlig falsche Adresse seien. "Den Preis, der die Landwirte zur Massentierhaltung oder zur Aufgabe zwingt, machen die Handelsketten. Den Verbrauchern müsste bewusst gemacht werden, dass Milch und Fleisch viel mehr wert sind, als es die aktuellen Supermarktpreise vorgaukeln", sagt der Geschäftsführer.

In Zeiten, da Mineralwasser teurer als Milch und der Döner teurer als ein Hähnchen sind, sei eine Landwirtschaft, wie sie sich viele Gegner der Massentierhaltung wünschen, gar nicht zu leisten.

Für den Golzower Bereich ist die Schließung der Tierproduktion Sachsendorf ein historischer Einschnitt. Am 8. November 1989 hatten sich die LPG Pflanzenproduktion Golzow und die LPG Tierproduktion Alt Tucheband, Reitwein und Sachsendorf zur Landwirtschaft Golzow zusammengeschlossen. Nach der Aufgabe der Gemüseproduktion bedeutet die Halbierung des Milchviehbestandes aber vor allem eine weitere Reduzierung der Arbeitsplätze.

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