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Ablehnungsbescheide sorgen für Empörung

Patrik Rachner / 08.07.2016, 22:20 Uhr
Nauen (MOZ) In Nauen regt sich massiver Widerstand gegen die Vergabepraxis des für das Havelland zuständigen Staatlichen Schulamtes in Neuruppin im Hinblick auf die Einschulung von künftigen Erstklässlern. Eltern schulpflichtiger Kinder haben nun per offenem Brief ihrem Unmut Luft verschafft und Widerspruch eingereicht. Die Betroffenen können die Entscheidungen weder nachvollziehen noch akzeptieren. Sprecherin Stephanie Ostendorf spricht gar von "Willkür".

Bereits im Januar war das Anmeldeverfahren an den Nauener Schulen beendet. Im April wurden die Kinder von den Bildungsstätten zu Begegnungstagen eingeladen. Mitte Mai trudelten die ersten Beurteilungen mit Blick auf die bisherigen Fähigkeiten der Kinder, die die Lehrer an den Probetagen beobachten konnten, ein. Darin hieß es etwa in drei bekannten Fällen: "Wir freuen uns auf Dich als Schulkind der Europaschule Ketzin." Doch kam Anfang Juni jeweils der Ablehnungsbescheid vom Schulamt, kurz darauf ebenfalls die Abweisung für die Käthe-Kollwitz-Schule in Nauen wegen Auslastung. Beides waren Wunschschulen.

Doch mit der nun erfolgten Zuweisung an die Graf-Arco-Grundschule in Nauen, die weiter von den Wohnorten, zum Beispiel Niebede, entfernt ist, als etwa die Ketziner Europaschule, will sich im konkreten Fall Stephanie Ostendorf trotz des geltenden Wohnortprinzips nicht abfinden. "Da schon die Ablehnungen sehr spät kamen, ist nun leider auch die Widerspruchsbearbeitung langsam, so dass sich der Eindruck aufdrängt, es soll schlicht vor der Einschulung keine Zeit mehr für Klagen sein. Für besorgte Nachfragen ist das Schulamt schwer oder gar nicht erreichbar, erteilte Auskünfte bleiben vage", betont Ostendorf, die stellvertretend aus dem Herzen vieler Eltern spricht, schließlich habe es insgesamt 50 Ablehnungen, darunter 48 Wiedersprüche, gegeben.

"Für uns Eltern und unsere Kinder bedeutet dies eine komplette Verunsicherung. Wir fühlen uns behördlicher Willkür ausgesetzt. Wir sind Nummern, die bürokratischen Prinzipien ausgeliefert sind. Denn sachliche Argumente werden nicht wahrgenommen: der Weg zur Ketziner Schule ist aus den umliegenden Dörfern meist deutlich näher als zur zuständigen Schule nach Nauen. Die Ketziner Schule hätte ausreichend Kapazitäten für die abgelehnten Kinder! Stattdessen werden in Nauen Klassen vergrößert, um alle zwangszugewiesenen Kinder aufzunehmen", kritisiert Ostendorf mit Verweis auf fehlende Planungssicherheiten.

Das Staatliche Schulamt indes war trotz Anfrage zu keiner Stellungnahme bereit. Eine Sprecherin sagte lediglich, die Behörde werde die Widersprüche und den offenen Brief zunächst intern bewerten. Landeselternsprecher Wolfgang Seelbach kennt die Problematik, die generell im östlichen Havelland vorherrsche. Schon seit 2006, als auf Seiten der Landespolitik gesagt wurde, dass der Gipfel des Wachstums im Speckgürtel erreicht sei, habe er Jahr für Jahr angemahnt, dass die Kapazitäten an den Schulen ausgebaut werden müssten. "Die Politik ist gefragt. Es besteht die Pflicht, die Engpässe, die es zweifelsohne gibt, abzubauen." Dann würde sich das Konfliktpotenzial auch deutlich verringern, meint er.

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