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Vorsicht, Krebsgefahr im Wasser

Michael Dietrich / 01.09.2016, 08:00 Uhr
Schwedt (MOZ) Das Institut VSR Gewässerschutz hat nach Messungen in Schwedt erneut vor Nitrat im Grundwasser gewarnt. Jede vierte Probe überschritt den Grenzwert. Auch der Wasserversorger Zowa bestätigt einen Anstieg. Nitrat im Trinkwasser steht im Verdacht, das Krebsrisiko zu erhöhen.

Gemessen wurde die Nitratbelastung von Wasserproben, die Eigenheim- und Gartenbesitzer aus ihren eigenen Brunnen zur Probe abgaben. Als Höchstwert fanden die Mitglieder vom VSG-Gewässerschutz 186 Milligramm Nitrat in einem Liter Wasser. Der Grenzwert für Trinkwasser liegt bei 50 mg/l. Stark mit Nitrat belastete Proben stellten die Umweltschützer auch in Radekow, Gartz und Vierraden fest. Der Physiker Harald Gülzow vom Verein VSR, der die Untersuchungen bei jährlichen Terminen vor Ort oder nach Zusendung vornimmt, warnt vor der hohen Nitratbelastung. "Das Wasser ist nicht zum Trinken geeignet. Wenn es zum Gießen verwendet wird, raten wir, entsprechend weniger zu düngen, da schon das Gießwasser Nitrat zuführt. Wasser mit hohem Nitratgehalt sollte auch nicht zum Befüllen von Fischteichen verwendet werden, weil dies zu massenhafter Vermehrung von Algen und zum Fischsterben führen kann. Eine hohe Nitratbelastung im Trinkwasser führt nach wissenschaftlichen Untersuchungen zu erhöhtem Krebsrisiko. Für Säuglinge können schon weit geringere Konzentrationen akut toxisch sein", so Harald Gülzow.

Den Grund für die hohe Nitratbelastung des Brunnenwassers sieht der Physiker vor allem im Eintrag aus landwirtschaftlichen Quellen. Dazu gehören die Ausbringung von Gülle aus Massentierhaltungen, von Gärresten aus Biogasanlagen und von zu viel Mineraldünger, der von den Pflanzen nicht aufgenommen werden kann und ins Grundwasser gelangt.

Der VSR-Gewässerschutz hofft auf eine strengere Düngeverordnung. Die will der Bund gerade novellieren, nach Ansicht der EU jedoch nicht ausreichend, weshalb die EU-Kommission jetzt gegen Deutschland eine Klage vor dem europäischen Gerichtshof eingereicht hat.

Bei den untersuchten Proben aus privaten Brunnen handelt es sich in der Regel um die oberen Wasserschichten in vier bis acht Metern. Aber auch beim örtlichen Trinkwasserversorger, der aus deutlich tieferen Regionen fördert, ist der Anstieg der Nitratbelastung zu spüren.

"Wir halten den Nitrat-Grenzwert von 50 mg/l sicher ein, aber auch wir merken, dass die Werte leicht ansteigen, vor allem in den Brunnen, die nicht ganz so tief sind", bestätigt Zowa-Vorsteher Jens Arnold. Der Zweckverband hat bereits für eine Reihe seiner Wasserwerke die Vergrößerung der Trinkwasserschutzzone beantragt. "Wir haben in einzelnen Brunnen schon mal Spitzenwerte von 23 Milligramm gemessen. Das ist zum Glück noch nicht problematisch, weil wir das Wasser immer noch mit weniger nitratbelastetem Wasser mischen können. Aber bei einem weiteren Anstieg müssten auch wir viel Geld investieren, um das Wasser zu reinigen oder um tiefer zu bohren", erläutert Jens Arnold. Die Folge wäre ein Preisanstieg beim Trinkwasser. Deshalb hält Arnold die Forderung der Umweltschützer von VSR-Gewässerschutz zur Reduzierung des Stickstoffeintrages durch die Landwirtschaft für durchaus berechtigt.

Gewässerproben kann man dem Verein VSR auch zusenden und auf Nitrat untersuchen lassen. Mehr Informationen im Internet: www.vsr-gewaesserschutz.de

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