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Proteste gegen Linienkürzungen

Michael Dietrich, Oliver Schwer / 09.11.2016, 08:00 Uhr
Angermünde (MOZ) Die geplanten Kürzungen von 500 000 Kilometern im Busverkehr der Uckermark haben Proteste in verschiedenen Städten ausgelöst. Nach Lychen und Schwedt reagierte jetzt auch Angermünde mit einem Brandbrief an den Landkreis.

Nur eine Verbindung pro Tag und Richtung für Orte mit 100 bis 500 Einwohnern ist bei Weitem nicht ausreichend, meint der Angermünder Bürgermeister Frederik Bewer. Dies habe die Stadt bereits bei der Erarbeitung der aktuellen Nahverkehrsplanung dem Landkreis mitgeteilt. Die "Bedienhäufigkeiten" außerhalb des Schülerbusverkehrs seien nicht hinnehmbar. Bewer weist auf die zunehmend ältere Bevölkerung in den Dörfern hin, die auf das öffentliche Mobilitätsangebot angewiesen seien. Ziel müsse es daher sein, den Nahverkehr zu entwickeln statt zu sparen.

Ähnliche Kritik kommt auch aus den Städten Schwedt und Lychen, von wo gleichermaßen Briefe an die Kreisverwaltung geschickt wurden. Sie alle haben eine Forderung gemeinsam: Das schon jetzt ausgedünnte Liniennetz auf dem Lande dürfe nicht weiter leiden.

Doch Lars Boehme, Geschäftsführer der Uckermärkischen Verkehrsgesellschaft (UVG), hält den Rotstift in der Hand. Er muss ab sofort 500 000 Kilometer einsparen. Nach Berechnung von Vize-Landrat Bernd Brandenburg macht das 700000 Euro pro Jahr aus. Trotzdem muss der Kreis künftig seinen Zuschuss für die eigene Busgesellschaft erhöhen. Derzeit zahlt er 3,4 Millionen Euro.

Weil dieser Betrag schon in den vergangenen Jahren nicht reichte und die UVG drohte, auf Verschleiß zu fahren, wurden alle Kosten neu berechnet. Ergebnis: Ein gefahrener Kilometer schlägt im Durchschnitt mit 2,35 Euro zu Buche. Bei der gegenwärtigen Kilometerleistung müsste der Kreis dann 4,6 Millionen Euro überweisen, also 1,2 Millionen Euro mehr. Zu viel, entschied Bernd Brandenburg. Er will den Betrag bei 3,9 Millionen Euro deckeln - das wären immerhin noch 500 000 Euro zusätzlich aus der Kreiskasse. Die restlichen 700 000 Euro entfallen nun auf die Kilometer-Reduzierung.

Jede einzelne Linie kommt nach Angaben der Kreisverwaltung auf den Prüfstand. Bernd Brandenburg, Aufsichtsratschef der UVG, will am 14. November im Regionalentwicklungsausschuss des Kreistages seinen Sparplan mit allen Details vorlegen. Mit dem Fahrplanwechsel im Dezember treten dann die neuen Linien-Takte in Kraft.

In Lychen befürchtet man, gänzlich vom Rest der Uckermark abgekoppelt zu werden. In Schwedt bangen die Fraktionen um den abendlichen Linienverkehr. Angermünde sieht höchste Gefahr für die Ortsteile und den Tourismus. Die Erreichbarkeit der Großschutzgebiete und des Weltnaturerbes Buchenwald Grumsin müssten gesichert sein, verlangt Frederik Bewer.

Eine Kürzung der Fahrkilometer würde positive Entwicklungen im Zusammenhang mit der Konzeption als anerkannter Erholungsort zunichte machen. "Als Partner bei der Erstellung des letzten Nahverkehrsplanes hätte ich erwartet, dass solch grundlegend geplante Änderungen vorab mit den Beteiligten erörtert und diskutiert werden", meint der Bürgermeister.

Dieser Ansicht ist auch die Stadt Schwedt. Änderungen im Stadtliniennetz betreffen besonders viele Fahrgäste, unter anderem im Berufsverkehr, aber auch zu überregional wichtigen Kultur- und Freizeiteinrichtungen. Da hätte die Oderstadt schon erwartet, dass Kürzungspläne zunächst mit den betroffenen Kommunen besprochen werden. Darüber hinaus ist Schwedt Mitgesellschafter der UVG. Dennoch erfuhr die Stadt erst "auf nachdrückliches Nachfassen" bei ihrem Partner Kreis, was dieser plane. Schwedt hält 25 Prozent der Anteile und hat Vetorecht bei allen Entscheidungen.

Angesichts der Diskussion um Kürzungen kursieren auch erste Gerüchte über Personaleinsparungen bei der UVG. Angeblich sollen befristete Verträge von zehn Mitarbeitern nicht verlängert werden. Geschäftsführer Lars Boehme dementierte dies jedoch: "Solche Auswirkungen kann es noch gar nicht geben, da wir uns momentan noch in der Abstimmung zum Fahrplan befinden. Erst wenn der Fahrplan steht, können wir den Wagenumlauf, die Dienste und das Personal planen. Ich gehe davon aus, dass das Anfang Dezember soweit ist", so Lars Boehme.

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