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Installation zeigt Wandel der Schmiede

Unter der Installation: Kenneth Anders (l.) und Axel Anklam in der Ausstellung in der alten Schmiede des Museums Altranft..
Unter der Installation: Kenneth Anders (l.) und Axel Anklam in der Ausstellung in der alten Schmiede des Museums Altranft.. © Foto: MOZ
Steffen Göttmann / 11.11.2016, 21:50 Uhr
Altranft (MOZ) Die Skulptur des Metallkünstlers Axel Anklam verkörpert den Wandel des Schmiedehandwerks. Unter der Überschrift "Der Schmied im Dorf" hat das Museums Altranft am Freitagnachmittag zur Eröffnung der Ausstellung und zu einem literarischen Salon eingeladen.

"Boreaden - Nordwinde" heißt die Installation an der Decke der alten Schmiede in Altranft. Scheinbar schwerelos wirken die Bahnen aus Stahlgeflecht wie Tücher im Wind. Axel Anklam, Jahrgang 1971, Kunstschmiedemeister, Schlossermeister und Restaurator, der in Bad Freienwalde und Berlin arbeitet, hat das phantasievoll geformte Drahtgeflecht aus Edelstahl selber mit traditioneller Technologie hergestellt. Seine Skulptur scheint einen Gegensatz zu den Werkzeugen der Schmiede zu bilden, was aber mitnichten der Fall ist. Im Gegenteil: Er betreibt ein aussterbendes Handwerk weiter und gibt ihm eine neue Perspektive.

Mit einer Geschichte von Veit Templin eröffnete Kenneth Anders, Programmdirektor des Musuems Altranft, die Ausstellung. 40 Menschen drängten sich in der Schmiede, während das Feuer in der Esse prasselte. In seinem Werk "Der Malerlehrling" beschreibt Templin die Schmiede von Willi Rollin in Hohenwutzen. Diese sei kleiner und dunkler gewesen als die in Altranft, die jetzt dem Museum gehört. Ihr Besitzer betrieb noch eine Landwirtschaft und habe es zu bürgerlichem Reichtum gebracht.

Innerhalb des Jahresthemas Handwerk sei die Frage aufgekommen, was eigentlich einen Schmied ausmacht. "Viele sind nicht mal in der Lage, einen Nagel in die Wand zu schlagen, geschweige denn, einen Nagel zu schmieden", sagte Anders bei der Ausstellungseröffnung.Der Schmied habe früher alles hergestellt, was die Menschen brauchten. Er habe nicht nur Eisenwaren hergestellt, er konnte verschiedene Materialien verbinden wie Stein mit Holz, Pferde beschlagen und zog lange Zeit sogar Zähne.

"Es steckt etwas Zauberhaftes in dem Beruf", erklärte Anders und zitierte Axel Anklam, der den Erfindungsreichtum der Schmiede mit dem der "Alchimisten" verglich. Die Lebensadern des Schmiedes reichten bis in die Landwirtschaft hinein. Er schmiedete Pflüge und alle Geräte, die die Bauern benötigten, um ihr Land zu bestellen. "Wenn die Lebensadern versiegen, kann der Schmied sein Handwerk nicht mehr ausüben", erklärte Anders. Seit es alles zu kaufen gibt, wird der Schmied nicht mehr gebraucht.

"Mein Ziel ist es, nicht in den eigenen Spuren zu bleiben, sondern mir einen Freiraum zu verschaffen", sagte Anklam, der das Kunstschmieden von der Pike auf gelernt hat. Sein Großvater betrieb bereits eine Schmiede an der Wasserstraße. Ihn fasziniere, wie Schmiede es immer wieder schafften, Material neu verwenden, so wurden aus Hufeisen Schließmechanismen für Pferdekoppeln oder alte Feilen zu einem Werkzeug zur Herstellung von Nägeln verarbeitet.

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