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"Museum Altranft - Werkstatt für ländliche Kultur" sucht Bezug zwischen Geschichte und Gegenwart

Leben in künstlicher Landschaft

Neues Depot: Kenneth Anders zeigt eine Besamungstasche, die der ehemalige Tierarzt Dr. Gerhard Porath aus Bleyen Anfang der neunziger dem Museum übergab.
Neues Depot: Kenneth Anders zeigt eine Besamungstasche, die der ehemalige Tierarzt Dr. Gerhard Porath aus Bleyen Anfang der neunziger dem Museum übergab. © Foto: MOZ/Steffen Göttmann
Steffen Göttmann / 05.01.2017, 07:30 Uhr
Altranft (MOZ) Die Umwandlung des ehemaligen Freilichtmuseums in das "Museum Altranft - Werkstatt für ländliche Kultur" nimmt immer mehr Formen an. Deutlich wird sie bei der Umsetzung des neuen Jahresthemas "Wasser".

Kenneth Anders, Leiter des Programmbüros des Museums Altranft, blickt auf ein spannendes und anstrengendes Jahr zurück, in dem er von Null auf 100 eine neue Museumskonzeption umsetzen musste. Sich ausruhen, kann er auch in diesem Jahr nicht, denn er und seine Mitstreiter haben sich ehrgeizige Ziele gesetzt.

Wem immer noch schleierhaft ist, was "Werkstatt für ländliche Kultur" bedeutet, dem erklärt Kenneth Anders: "Landleben ist Kunst". Und erläutert: "Wenn ich auf dem Land leben will, brauche ich eine gewisse Einstellung dazu und Fertigkeiten." Die Menschen müssten sich selbst organisieren, gewisse Dinge können und lernen. "Landleben ist kein schlechteres Stadtleben", sagt Anders, der selbst in Croustiller wohnt. Das "Museum Altranft - Werkstatt für ländliche Kultur" fragt nicht nur, wie hat man früher auf dem Land gelebt, sondern wie lebt man heute auf dem Land und unterstützt die Menschen.Beim Jahresthema "Handwerk" 2016 seien 60 Handwerker fotografiert und 30 befragt worden. Daraus entstand ein Buch, das in Kürze veröffentlich wird. Charakteristisch für einen auf dem Land lebenden Handwerker sei Veit Templin, der nicht nur sein Handwerk versteht, sondern auch schlachten kann und seine Kartoffeln selbst anbaut, also mehrere Fertigkeiten beherrscht, die für das Landleben wichtig sind.

Dabei konzentriert sich das Museum am Landleben im Oderbruch, einer künstlichen Landschaft - von Menschenhand geschaffen. Ein Landstrich, der neben dem Handwerk vor allem von Ingenieurskunst geprägt ist. "Das wollen wir auch in der Museumspädagogik vermitteln", sagt Anders. Ihm geht es darum, nicht nur die selbstgebaute Rattenfalle, das Butterfass oder das gusseiserne Bügeleisen auszustellen, sondern zu zeigen, wie man damit gearbeitet hat und welche Geschichten die Gegenstände erzählen in einer Zeit, die von Armut geprägt war. Deshalb sucht das Museum Menschen aus dem Oderbruch, die etwas zu den Exponaten erzählen können und sammelt ihre Geschichten. "Wir sagen dabei nicht, dass früher alles gut war", so der Leiter des Programmbüros.

Wichtiger Spender für Anders ist Dr. Gerhard Porath, ehemaliger Tierarzt aus Bleyen. Er sammelte auf den Höfen Gegenstände aus der Landwirtschaft, die die Leute ausmustern wollten und übereignete vor 25 Jahren dem Freilichtmuseum 400 Objekte. Sie waren zwar inventarisiert und benannt. Anders und seine Mitstreiter führten sie im neuen Depot zusammen und ließen sich von Porath die Geschichten dazu erzählen.

Zentrale Ausstellung zum Jahresthema "Wasser" wird im Juli in der Galerie eröffnet, wo vorher wechselnde Kunstausstellungen präsentiert wurden. Ulrich Seifert-Stühr, Ortsvorsteher von Neubarnim, zeigt dort Fotos vom technischen Inventar der Melioration im Oderbruch wie Schöpfwerke, Restseen und Parallelgräben. Die zweite Fotoserie porträtiert Menschen, die etwas mit Wasser im Oderbruch zu tun haben. Historische Bilder dokumentieren Hochwasserkatastrophen. Ein von der Decke herabhängendes Gespinst über einer Karte verkörpert dreidimensional das Wassersystem des Oderbruchs. Weiteres Element der Ausstellung seien Zitate von Menschen, die im Oderbruch leben. Ferner seien technische Instrumente der Wasserwirtschaft zu sehen, die dadurch lebendig werden, das Martin Porath vom Gewässer- und Deichverband Oderbruch (Gedo) und Günter Wartenberg vom Deichhaus in Bad Freienwalde, erklären, wie das System funktioniert. Die "Werkstatt für ländliche Kultur" schafft so die Verbindung zwischen Museum und Gegenwart.

Als Leiter des siebenköpfigen Programmbüros zeichnet Anders für die inhaltliche Gestaltung, den Veranstaltungsplan verantwortlich. Das operative Geschäft obliege der Geschäftsführung. Ihnen stehe "der sehr gute Vorstand" mit Altranfts Ortsvorsteher Bernd Hoffmann als Vorsitzender, Bernd Neumann, Ulrich Seifert-Stühr und Ines Zochert-Köhne, Ortsvorsteherin von Sietzing, zur Seite, "die uns stets den Rücken freihalten", so Anders. Derzeit beschäftige das Museum stundenweise und befristet 14 Menschen. Dennoch seien die Personalkosten niedriger als zuvor.

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