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Lkw-Verbot zwischen Spandau und Hennigsdorf

Hybrid-Lkw
Hybrid-Lkw © Foto: MZV/TIlman Trebs
Tilman Trebs / 05.10.2012, 19:54 Uhr - Aktualisiert 08.10.2012, 14:02
Hennigsdorf (MZV) Das Spandauer Bezirksamt will die Niederneuendorfer Allee für Lkw ab 3,5 Tonnen sperren. Davon betroffen wären vor allem die Betriebe im Hennigsdorfer Gewerbegebiet Süd. Die Deutsche Post fürchtet erhebliche Probleme und meldet Protest an.

 

Die Arbeit des Hennigsdorfer Briefzentrums im Gewerbegebiet Süd ist eine komplexe Angelegenheit. Ein ausgeklügeltes System sorgt dafür, dass die Briefe möglichst schnell - und ohne verloren zu gehen - von A nach B kommen. "Das System ist sehr verzahnt", sagt der Sprecher der Deutschen Post, Rolf Schulz. Die Hennigsdorfer Briefverteiler sind für die Postleitzahlenbezirke, die mit den Ziffern 13 und 16 beginnen, zuständig. Das umfasst neben dem Nordwesten Brandenburgs auch den Berliner Norden.

In die Hauptstadt wird die Post von Hennigsdorf künftig aber Umwege fahren müssen. Das Spandauer Bezirksamt wird ab 19. November die marode Niederneuendorfer Allee südlich der Hennigsdorfer Stadtgrenze für Fahrzeuge ab 3,5 Tonnen Gewicht sperren. "Das hat für uns gravierende Auswirkungen", sagt Postsprecher Schulz. Denn die Briefe für die Spandauer und Charlottenburger Adressaten werden von Hennigsdorf mit 12 und 7,5 Tonnen schweren Lkw zu Zustellstützpunkten nach Spandau und Charlottenburg gefahren. Erst dort werden sie in kleinere Fahrzeuge umgeladen. Die Lkw bringen auch die Post mit, die in Berliner Briefkästen geworfen wurde. "Unser Problem ist, dass es zur Niederneuendorfer Allee keine sinnvolle Alternative gibt. Wir werden wohl oder übel über den Hennigsdorfer Stadtkern zur Autobahn und von dort über Tegel nach Spandau fahren müssen", schätzt Schulz ein.

Wie hoch der zusätzliche Zeitaufwand sein wird, vermag die Post noch nicht einzuschätzen. Das Unternehmen erfuhr erst am Freitag durch unsere Zeitung von der Sperrung. Schulz: "Wir werden mit dem Bezirksamt reden müssen. Die Nachricht kommt für uns zur Unzeit. Bald beginnt die Weihnachtszeit, da herrscht bei uns Hochbetrieb." Fünf Wochen bleiben nur, um die Logistik entsprechend umzuorganisieren.

Weniger problematisch sieht der benachbarte Bahnhersteller Bombardier die Spandauer Absichten. "Uns tangiert das eher weniger. Der Lieferverkehr zu unserem Werk wird vor allem über den Norden und die Autobahnen abgewickelt", sagt Konzernsprecher Sebastian Heindrichs auf Nachfrage.

Der Marktleiter des Trend-Möbelhauses, Holger Zschunke, meint: "Für uns ist in erster Linie wichtig, dass uns unsere Spandauer Kunden weiterhin erreichen. Das bleibt gegeben. Unsere Spediteure werden aber teilweise in den sauren Apfel beißen und Umwege in Kauf nehmen müssen."

Mit größerer Sorge sieht dagegen die Hennigsdorfer Stadtverwaltung der Zeit nach dem 19. November entgegen. Sie fürchtet, dass Lkw in Nieder Neuendorf stranden und wieder zurück nach Hennigsdorf müssen. "Das würde für die Nieder Neuendorfer eine Doppelbelastung bedeuten", sagte der Fachdienstleiter Öffentliche Anlagen, Dirk Asmus, am Donnerstagabend im Bauausschuss. Deshalb fordert das Rathaus einen Umleitungsplan von den Spandauer Kollegen. Bereits jenseits der Hennigsdorfer Stadtgrenzen und auch auf den Autobahnen sollen Brummifahrer von Schildern auf die Sperrung hingewiesen werden.

Der Spandauer Tiefbauamtsleiter Michael Spiza hält den Wunsch allerdings nicht für erfüllbar. "Wir können keine Verkehrsschilder in Brandenburg anordnen. Dies können nur die dortigen Verkehrsbehörden." Auf Wunsch der Hennigsdorfer hat Spandau die Sperrung schon um einige Wochen nach hinten verlegt. Ursprünglich sollte das Lkw-Verbot bereits am 1. Oktober in Kraft treten.

Gelten wird es, bis die Niederneuendorfer Allee einmal grundhaft erneuert wird. Davon wird bislang für das Jahr 2015 ausgegangen. Zwar hat der Berliner Senat dafür grünes Licht signalisiert. Im Investitionsplan sind die gut sieben Millionen nötigen Euro bislang aber nicht festgeschrieben. Auch läuft das Planfeststellungsverfahren noch nicht. Der Zeitplan wird deshalb noch als vage eingestuft.

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Tom 10.07.2013 - 09:46:18

Nur keinen Interessiert es...

... denn zuweilen fahren da genau so viele LKW wie eh und je. Kontrolle ? Fehlanzeige...

Bernd P 06.10.2012 - 17:36:41

Längst überfällig

Es ist schon längst überfällig, das hier ein gewisser LKW-Verbot eingeführt wird. Allerdings ist eine Begrenzung bis 3,5 Tonnen völlig überzogen. Zumal der Zustand der Straße schon Jahre lang mieserabel ist, aber von der Politik fahrlässig vernachlässigt wurde, Die extrem schlechten Ausbesserungsversuche machen den Zustand eher noch schlechter als besser. Als einer der wichtigsten Verbindungsstraße nach Berlin hätte hier eine viel höhere Priorität gesetzt werden müssen. Aber statt dessen stellt man nur Tempo 30 Schilder auf und die generften Autofahrer werden noch durch die Polizei zur Kasse gebeten. Und wenn man bedenkt, dass das ganze noch mindestens bis nach 2018 so gehen soll, dann fühlt man sich doch stark an ein Possenspiel erinnert.

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