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Angeln als Volkssport

Voll bei der Sache: Kinder gehen gerne angeln. Das dürfen sie allerdings erst ab acht Jahren und benötigen wie die Großen eine Fischreiabgabemarke.
Voll bei der Sache: Kinder gehen gerne angeln. Das dürfen sie allerdings erst ab acht Jahren und benötigen wie die Großen eine Fischreiabgabemarke. © Foto: Michael Manthey
Michael Manthey / 03.08.2016, 06:30 Uhr
Angermünde (MOZ) Angelvereine gehören zu den zahlenmäßig stärksten Vereinen der Uckermark. Die Mitglieder betreiben auch Umweltpflege und oft ein reges Vereinsleben. Der Uckermark-Anzeiger stellt die Arbeit des Kreisanglerverbandes Angermünde/Schwedt und seiner Vereine vor.

Angeln als Volkssport? Ja aber mit einigen bürokratischen Hürden. Anders als in den meisten europäischen Ländern, wo Angeln wirklich als Volkssport, und wie in den skandinavischen Ländern als "Jedermannsrecht", eingestuft ist, bedarf der Einstieg in diese naturnahe Freizeitbeschäftigung in Deutschland doch einiger Voraussetzungen und Regelungen, die zu beachten sind.

Die Ferien- und damit auch Haupturlaubszeit ist in vollem Gange. Damit steht auch für einige Erwachsene und vor allem für Kinder die Frage: Wo, wie und wann darf ich Angeln.

In Deutschland wird das Fischereirecht von den Bundesländern geregelt, das heißt, was in Brandenburg erlaubt ist, kann in Bayern schon wieder verboten sein. Wenn man daher außerhalb von Brandenburg im Urlaub angeln möchte, sollte man sich vorher dort informieren. Brandenburg selbst ist in Deutschland das anglerfreundlichste Bundesland, aber trotzdem gelten auch hier einige Vorschriften, auf die näher eingegangen werden soll.

Kinder dürfen grundsätzlich erst ab dem achten Lebensjahr angeln, egal ob mit oder ohne Aufsicht. Kinder wie auch Erwachsene benötigen eine Fischereiabgabemarke. Diese ist für jährlich 2,50 Euro bzw. 12 Euro bei den Ausgabestellen der Angelberechtigungen oder in den meisten Angelfachgeschäften zu bekommen. Weiterhin braucht man noch eine Angelgenehmigung (Angelschein) für das Gewässer, in dem man angeln möchte, meist gibt es Tages-, Wochen- und Monatskarten oder Jahreskarten. Dann kann es auch schon losgehen, vorausgesetzt, man möchte nur mit sogenannten Friedfischangeln fischen. Eine Friedfischangel gilt dann als solche, wenn nur ein einschenkliger Einzelhaken mit natürlichen Ködern verwendet wird. Erlaubt sind also Würmer, Maden, Mais und anderes, aber auch künstliche Nachbildungen davon. Einzige Ausnahme: Wird ein Haken nicht größer als Gr. 8 verwendet, dürfen auch Fleisch von Fischen und Krebsen verwendet werden. Ob eine Angelrolle (Wurfrute) benutzt wird oder nicht, ist völlig egal.

Wer aber auch mit der Raubfischangel angeln möchte, muss zusätzlich im Besitz eines "Fischereischeines" sein. Diesen gibt es nur nach erfolgreicher Prüfung durch die Kreisverbände des Anglerverbandes bei der Fischereibehörde des Landkreises. Er gilt lebenslang und kostet, ebenso wie die Prüfung, 25 Euro. Als Raubfischangel sind fast alle anderen Angelgeräte, außer der Friedfischangel, definiert, die entweder mehr als einen einschenkligen Haken oder auch andere Köder verwenden, vor allem auch die Vielzahl der künstlichen Raubfischköder, wie Blinker, Wobbler, Spinner, Gummifische und Twister, aber auch tote Wirbeltiere oder Krebse. Vielfach wird auch angenommen, man dürfe mit der Friedfischangel nur Friedfische angeln und mit der Raubfischangel nur Raubfische. Eine solche Unterteilung gibt es rechtlich nicht, auch wenn auf die vorwiegende Ernährungsweise der Fische orientiert wird. Ausschlaggebend sind allein die Zusammenstellung des Angelgerätes und der verwendete Köder. Wer also mit der Friedfischangel einen Hecht fängt, weil der Appetit auf einen Wurm hatte, hat nichts falsch gemacht.

Sowohl bei der Köderwahl (Fische, Krebse) als auch bei der Aneignung des Fanges sind Mindestmaße und Schonzeiten der einzelnen Arten zu beachten. Diese sind vom Gesetzgeber in der Fischereiordnung des Landes Brandenburg festgelegt. Aber Achtung, der Fischereiberechtigte (derjenige, der die Angelerlaubnis erteilt) kann zusätzlich erhöhte Mindestmaße und Schonzeiten festlegen, sowie auch Tagesfangbegrenzungen bestimmter Fischarten. Diese haben dann Vorrang vor den gesetzlichen Mindeststandards. Außerdem unterscheidet man noch zwischen Tages- und Nachtangelzeit. Die Nachtangelzeit beginnt in der Regel eine Stunde nach kalendarischem Sonnenuntergang und endet eine Stunde vor Sonnenaufgang. Bei vielen Angelgenehmigungen wird diese Nachtangelerlaubnis mit einem Preisaufschlag belegt oder auch ganz ausgeschlossen. Also immer genau auch das Kleingedruckte auf dem Angelschein lesen!

Nachdem dies nun alles geklärt ist und man den ersten Fisch gefangen hat, gibt es aber noch weitere Dinge zu beachten. Will ich den gefangenen Fisch behalten, sofern er nicht durch Schonzeit, Artenschutz oder Mindestmaß geschützt ist, kann ich ihn entweder sofort "waidgerecht", das heißt, mit Betäubungsschlag und anschließendem Herz-, Kiemen- oder Wirbelschnitt, töten oder ich setze ihn bis zum Ende des Angeltages in einen sogenannten "Setzkescher", der aber nach Größe und Material eine schonende Aufbewahrung gewährleisten muss. Will ich den Fisch nicht behalten, weil er beispielsweise zu klein oder zu groß ist oder einer Art angehört, die ich eigentlich nicht fangen wollte, muss ich den Fisch sofort vom Haken befreien, ihn dabei mit feuchten Händen halten und ihn anschließend schonend ins Wasser zurück gleiten lassen.

Keinesfalls ist es erlaubt, Fische erst einmal im Setzkescher zu sammeln und am Ende des Angeltages auszusortieren, welche Fische ich mitnehme und welche ich zurücksetze.

Ausgenommen von dieser Regelung sind nur die Raubfischangler, die ihre vorgehaltenen Köderfische wieder zurücksetzen dürfen. Auch ist es nicht erlaubt, wie leider vielfach zu beobachten, die Fische lebend in viel zu kleinen Eimern oder mit Wasser zu hältern. Dies stellt Tierquälerei dar und kann teuer geahndet werden. Ebenso teuer kann es werden, wenn diese ganzen Regelungen außer Acht gelassen werden. Dann kostest es Ordnungsgeld oder, wenn man gar ohne Fischereischein die Raubfischangel benutzt, sogar Geld- und Haftstrafen wegen Wilddieberei, sofern man von der Fischereiaufsicht, der Polizei oder dem Gewässernutzer ertappt wird. Das will sich in einem entspannten Urlaub wohl niemand antun.

Ausführliche Informationen und Kontakt, auch zu Vereinen online unter www.kreisanglerver band-schwedt.de

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