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Bad Freienwalder Gymnasiasten studieren Theaterstück ein / "Traumschüff"-Akteure leiten Schüler an

Fontane-Ballade neu interpretiert

Gespielte Szene: Schüler der siebten Klasse des Bertolt-Brecht-Gymnasiums verweben die Ballade "John Maynard" mit einem brandaktuellen Thema - die Ehe gleichgeschlechtlicher Paare. Zwei Frauen, dargestellt von Leonie Seyfarth (r.) und Salome Nenke (2. v.
Gespielte Szene: Schüler der siebten Klasse des Bertolt-Brecht-Gymnasiums verweben die Ballade "John Maynard" mit einem brandaktuellen Thema - die Ehe gleichgeschlechtlicher Paare. Zwei Frauen, dargestellt von Leonie Seyfarth (r.) und Salome Nenke (2. v. © Foto: MOZ/Heike Jänicke
Heike Jänicke / 06.07.2017, 20:18 Uhr
Bad Freienwalde (MOZ) Theater spielen, tanzen, musizieren - seit Mittwoch probieren sich Siebtklässler des Bertolt-Brecht-Gymnasiums in den Darstellungsformen aus. Und zwar im Rahmen des jährlichen Balladen-Projekts. Anleitung bekommen sie dabei vom "Traumschüff" aus Berlin.

Die Aula als Bühne, blaue Sportmatten, die das Meer andeuten, mehrere Stühle, die ein Schiff verkörpern, Zylinder, Frack, und Handschuhe, ein selbst gebastelter Selfie-Stick sowie zehn Schüler, die Lust am Theaterspiel haben. Mehr braucht es offenbar nicht, um die wohl bekannteste Ballade von Theodor Fontane, "John Maynard", szenisch auf die Bühne zu bringen.

Oder vielleicht doch? Vor allem braucht es aber eine gute Idee, um die vor 131 Jahren erstmals veröffentlichte Geschichte des auf dem Eriesee fahrenden Steuermanns eines Passagierschiffes so zu erzählen, dass sie zum einen in die heutige Zeit und zum anderen zum Thema des diesjährigen Balladen-Projekts des Brecht-Gymnasiums "Wasser" passt.

Lara Bihn, Anna Rücker und ihre Mitschüler zeigen sich kreativ und verweben die alte Geschichte mit einem aktuellen Thema - der Ehe gleichgeschlechtlicher Paare. Denn auf der Fahrt von Detroit nach Buffalo hebt der Pfarrer, dargestellt von Laetitia de Jeu, zwei Frauen, gespielt von Leonie Seyfarth und Salome Nenke, in den Stand der Ehe. Und wie bei Fontane bricht auch in der Szene der Siebtklässler am Ende ein Feuer aus, dem alle Passagiere zum Opfer fallen.

Fünf Minuten dauert die Szene. Sie ist Teil eines Theaterstücks. Neben der von Hanna Legleitner unterstützten Gruppe gibt es weitere fünf - insgesamt vier Theater-Gruppen, eine Musik- und eine Tanzgruppe, die im Balladen-Projekt arbeiten und das Thema "Wasser" umsetzen. Die 60 Schüler müssen eigenverantwortlich arbeiten, sich selbst organisieren, niemanden ausschließen.

"Lara ist der Inspizient. Sie sagt, was gemacht werden muss. Und Laetitia ist der Regisseur. Die beiden sind sehr wichtig", greift Hanna Legleitner, studierte Kulturwissenschaftlerin und Mitwirkende vom "Traumschüff", in die Arbeit der "John Maynard"-Gruppe ein und versucht aufkommende Missverständnisse um die Frage, wer macht was, auszuräumen. Dann proben die Schüler die Szene erneut. Sie sind zufrieden.

Auch Hanna Legleitner findet lobende Worte. Die Arbeit mit den Schülern macht ihr Spaß. "Wir sind ein Wandertheater", erzählt die 31-Jährige, das im Januar als erste gemeinnützige Theatergenossenschaft in Deutschland gegründet worden und viel im ländlichen Raum unterwegs sei. Es zählt zirka 20 Mitwirkende - Schauspieler, Theaterpädagogen, Autoren.

"Wir führen aber kein fertiges Theaterstück auf, sondern wollen die Geschichten auf die Bühne bringen, die die Menschen vor Ort bewegen", erklärt sie. Zur Bühne wird ein Floß, das zurzeit in der Werft in Havelberg gebaut wird. Es soll am 29. Juli vom Stapel gehen und dann in acht Orten des Landes ankern. Unter anderem in Altranft.

Dort wird die "Traumschüff"-Crew am 16. Juli das Stück "Bibergeil" geben. Es rückt den im Oderbruch umstrittenen Biber in den Fokus. "Es ist ein sehr humorvolles Stück", meint Hanna Legleitner. (Die Ankündigung dazu folgt.) Am 10. September wird das von den Gymnasiasten einstudierte Stück in Altranft zu sehen sein. Am 8. September soll die Generalprobe vor Ort stattfinden. So könnten die Schüler die Lokalität kennenlernen, sagt Margitta Heidemann, Deutsch- und Englisch-Lehrerin am Gymnasium.

Noch besteht das Stück allerdings aus sechs Einzelelementen, die am Ende wie zu einem Puzzle zusammengefügt werden müssen. Darauf weist Rebekka Hock, Theaterpädagogin und Mitglied vom "Traumschüff", in der Feedback-Runde am Donnerstag hin. Alle Gruppen sind in der Aula versammelt und lassen die Arbeit Revue passieren. "Ich finde es spitze, dass wir uns die Gruppe selbst aussuchen konnten, in der wir mitwirken wollen", findet eine Schülerin. Eine andere meint, dass es spitze sei, dass alle mitmachen müssten. Allerdings wünschten sich andere mehr Zeit zum Proben. Die bekommen sie heute.

Dass das Wandertheater "Traumschüff" am Kurstadt-Gymnasium Station machen kann, ist dem Umstand zu verdanken, dass das Bad Freienwalder Gymnasium neben den zwei Oberschulen Kyritz und Neuruppin zu den "3Kulturschulen" gehört, die vom Bildungsministerium gemeinsam mit der Mercato-Stiftung finanziert werden. Unter dem Motto "Erproben-Vernetzen-Verankern - Kulturelle Bildung an Schulen in die Fläche!" werden verschiedene Projekte gefördert.

Am Brecht-Gymnasium kommt das Geld unter anderem dem Balladen-Projekt zugute oder der Bläserklasse um Florian Salewski. Das teilt Christian Wallmann, stellvertretender Schulleiter, auf Nachfrage dieser Zeitung mit. Dank der Förderung seien solche Projekte möglich, in denen auch jene Schüler glänzen könnten, die in den Stammfächern wie Mathematik oder Deutsch nicht so gut seien. Allerdings läuft die Förderung in diesem Jahr aus. Mit der "Plattform Kulturelle Bildung" soll es aber weitergehen, nur unter anderen Bedingungen, so Wallmann.

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