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Philip Zeschmann kandidiert für die Freien Wähler / Er findet, dass Bürgerbewegungen von vielen Seiten unterschätzt werden

Bundestagswahl
"Bürgeranliegen in Parlamente bringen"

Plakat im Frankfurter Stadtzentrum: Philip Zeschmann hat jahrelange kommunalpolitische Erfahrung.
Plakat im Frankfurter Stadtzentrum: Philip Zeschmann hat jahrelange kommunalpolitische Erfahrung. © Foto: MOZ/Thomas Gutke
Thomas Gutke / 19.09.2017, 11:45 Uhr
Frankfurt (Oder), Schöneiche (MOZ) Eine echte Chance haben sie nicht. Aber die wollen sie nutzen, um für ihre Positionen zu werben: die Direktkandidaten der kleinen Parteien und parteilose Bewerber. Einige von ihnen für den Wahlkreis 63 stellen wir vor. Darunter Philip Zeschmann von den Freien Wählern.

Patzelt, Nord, Berger, Gauland, Rostock und Dietrich: Sechs Direktkandidaten hat die MOZ in den Lokalausgaben der Oder-Spree-Region vor der Wahl in größeren Beiträgen zu Wort kommen lassen. Die Auswahl orientierte sich an den in Umfragen über der Fünf-Prozent-Hürde liegenden Parteien. Eine Gruppe hat sich darüber bei der Redaktion besonders beklagt: Die der Freien Wähler.

"Natürlich ist die Wahrscheinlichkeit, dass ich gewählt werde, sehr gering", räumt Philip Zeschmann, Direktkandidat für die Freien Wähler ein. Trotzdem sei es enttäuschend, dass er im Wahlkampf nicht zu Podiumsdiskussionen eingeladen werde. "Ich hätte mich beispielsweise gerne mit Alexander Gauland auseinandergesetzt. Wir brauchen eine vernünftige Alternative für die Bürger, aber das ist nicht die AfD." Er sieht die Freien Wähler als die von den Medien am meisten unterschätzte politische Bewegung. Schließlich seien die Freien Wähler seit 2014 auch im Landtag vertreten und dort "der Stachel im Fleisch bei Themen wie Altanschließern oder dem BER".

Philip Zeschmann wohnt am westlichen Rand des Wahlkreises, in Schöneiche. Seit 1998 berät der Diplom-Volkswirt und Politikwissenschaftler Verwaltungen, organisiert Bürgerbeteiligungsverfahren, schreibt mit an Regionalentwicklungs-konzepten. 24 Jahre lang war er Mitglied der SPD, seit 2008 Gemeindevertreter sowie Kreistagsmitglied. 2011 trat er aus der Partei aus, gründete den Verein Unabhängige Bürger Schöneiche und schloss sich den Brandenburger Vereinigten Bürgerbewegungen/Freien Wählern an. Ein - nach eigenen Angaben - landesweites Netzwerk von mehr als 130 parteiunabhängigen Wählergruppen. Im Kreistag Oder-Spree ist Zeschmann Vorsitzender der Fraktion Freie Wähler. 2016 kandidierte er außerdem für das Bürgermeisteramt in Schöneiche. Damals verpasste er mit 21 Prozent der Stimmen knapp die Stichwahl.

"Ich beobachte seit Jahren, dass Anliegen aus der Bürgerschaft nicht aufgegriffen werden. Die Freien Wähler versuchen die Probleme der Bürger wieder in die Parlamente zu bringen", erklärt Zeschmann. Seine Direktkandidatur für die Bundestagswahl - und die anderer Bürgerbewegter Kandidaten in Brandenburg - soll vor allem eines bezwecken: die Freien Wähler als Wahlalternative bekannter machen. Bei seiner Kampagne wird Zeschmann vor allem von seinen Kollegen aus der Kreistagsfraktion unterstützt. Auf drei Themen für den Wahlkreis will der 50-Jährige besonders aufmerksam machen: Wirtschaft, Klima und Daseinsvorsorge.

"Für regionale Wachstumskerne wie Frankfurt-Eisenhüttenstadt müsste viel mehr getan werden. Aber da fehlt es an Entwicklungskonzepten und an Zusammenarbeit mit IHK und Handwerkskammer", findet Philip Zeschmann. Viel ungenutztes Potenzial für die Region schlummere zudem in modernen Energietechnologien wie Solarthermie. Er verweist hier auf ein extern für die Regionale Planungsgemeinschaft erarbeitetes Konzept. "Doch das liegt in der Schublade". Stattdessen werde so getan, ärgert er sich, als sei der Ausbau der Windenergie alternativlos, und bringe die Bürger so gegen sich auf. "Hier muss endlich ein Umdenken stattfinden."

Neue Strategien fordert Zeschmann auch bei der Weiterentwicklung der öffentlichen Infrastruktur in der Oder-Spree-Region. Im ländlichen Raum sei der Mangel an Ärzten groß. "Aber wir werden die Ärzte kaum zwingen können, aufs Land zu ziehen. Es braucht andere Anreize, um eine Basisversorgung in der Fläche sicherzustellen. Eine Lösung könnten höhere Vergütungssätze in der Peripherie sein." Am Berliner Stadtrand sei die Versorgungslage zwar besser. "Dafür spüren wir hier seit einigen Jahren einen massiven Zuzugsdruck. Viele Menschen suchen eine Mietwohnung oder ein Grundstück. Mehr Wohnraum zu schaffen, ist eine riesige Herausforderung." Zugleich müsse der Bund die Kommunen am Rand der Großstädte stärker beim Ausbau der Bildungsinfrastruktur unterstützen, neben Straßen also auch mehr in Kitas und Schulen investieren.

Zeschmann findet, die Arbeit der Bundesregierung sei zu weit weg von den Problemen der Bürger vor Ort. "Es dreht sich zu viel um die Differenzen zwischen den Parteien." Angela Merkel gesteht er zwar zu, dass sie die Krisen der vergangenen Jahre durchaus gut gehändelt habe. Deswegen werde sie wohl auch wiedergewählt. "Die Deutschen lieben Sicherheit", sagt er. Doch wirkliche Fortschritte habe es bei vielen Themenfeldern wie Bildung, Sicherheit und Infrastruktur nicht gegeben. Allen im Bundestag vertretenen Parteien, sagt Zeschmann, fehle es "an einer Vision für das Jahr 2030".

Mehr Informationen: www. philip-zeschmann.de

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