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Die langjährige Tänzerin bei Fire & Flame Aline Brüllke startet Turbokarriere als Boxerin / Deutscher Vizemeister zweimal in Folge

Boxen
Lieber im Seilquadrat als auf der Bühne

So lieb schaut Alina Brüllke nur für das Foto. Wenn sie so richtig gegen den Sandsack schlägt, dann wirkt alles an ihrem Körper voller Dynamik. Ihre harte Rechte hat schon so manche Konkurrentin im Ring schmerzhaft zu spüren bekommen.
So lieb schaut Alina Brüllke nur für das Foto. Wenn sie so richtig gegen den Sandsack schlägt, dann wirkt alles an ihrem Körper voller Dynamik. Ihre harte Rechte hat schon so manche Konkurrentin im Ring schmerzhaft zu spüren bekommen. © Foto: Hagen Bernard
Hagen Bernard / 10.01.2018, 05:48 Uhr
Eisenhüttenstadt (MOZ) Die 16-jährige Boxerin Aline Brüllke ist im Oktober zum zweiten Mal in Folge Deutscher Vizemeister bei den Juniorinnen in der Gewichtsklasse bis 52Kilo geworden. "Im Vorjahr war sie im Finalkampf noch deutlich unterlegen, doch dieses Mal war sie für mich in Cottbus die deutlich Bessere im Finale. Das war für mich ein Fehlentscheid", erklärt ihr Vater René, der einst selbst im Weltergewicht für die SG Aufbau die Boxhandschuhe angezogen hatte und nun in der Halle am Trockendock als Übungsleiter sein Wissen weitergibt. "Dafür bin ich eben die Meisterin der Herzen", erklärt Aline Brüllke. "Natürlich habe ich mich über dieses Urteil geärgert, doch das kommt im Boxen vor", hat die Schernsdorferin den verpassten Titel zumindest emotional abgehakt.

Dass einmal Vater René, einst zweimal Bezirksmeister und Bezirksspartakiade-Sieger, nun seine Tochter im Boxen trainiert, hatte sich lange nicht angedeutet. Dafür hatte die aufgeweckte Aline Brüllke zu viele andere Interessen. Bereits als Dreijährige hatte sie sich dem Eisenhüttenstädter Tanzensemble Fire & Flame angeschlossen, lernte später für drei Jahre an der Musikschule Keyboard, besuchte die Kunstschule, spielte Tennis bei der BSG Stahl. Also genügend Hobbys, um alles andere zu machen, als in den Boxring zu treten. Zumal ihr Bruder Jens beim FC Eisenhüttenstadt Fußball in der Brandenburgliga spielt. "Na ja, Keyboard kann ich nicht mehr so richtig", gibt sie jetzt zu.

Während mittlerweile deutsche Jungs dauerhaft nur sehr schwer ins Seilquadrat zu bekommen sind, sieht es bei den Mädchen damit etwas anders aus. So wie auch bei Aline Brüllke, die einmal nach ihrem Training bei Fire & Flame beim Boxtraining auf ihren Vater gewartet hatte, um mit ihm gemeinsam nach Hause zu fahren. "Ich fand es cool, wie hier trainiert wird. Viel abwechslungsvoller als beim Tanzen. Hinter dem Rücken von Mama (Natalie - d. Red.), die sollte davon erst mal nichts wissen, hatte ich mich zum Probetraining angemeldet. Dienstags und mittwochs hatte ich bei Fire & Flame geübt, am Dienstag war ich dann statt zum Tanzen bei den Boxern. Bis irgendwann die Tanztrainerin bei meiner Mutti anrief. Dann musste ich mich entscheiden, für mich war Boxen der interessantere Sport, man kann sich mit anderen messen", erzählt Aline.

Aus dem eloquenten Mädchen sprudeln die Informationen nur so heraus. Zwar steht auch ihr Vater René daneben, doch eingreifen in das Gespräch muss er nicht. Nur bei der Kampfstatistik hat er die Zahlen etwas besser parat. Was er gleich weiß, sind ihre vier K.-o.-Siege. 15Kämpfe hat bislang die 1,70 Meter große Schernsdorferin bestritten und davon elf gewonnen.

Ihre Stärken? "Ein gutes Auge, die Schnelligkeit. Ich weiß recht gut, wann ich zuschlagen kann und wann ich eher in Deckung gehen sollte", charakterisiert Aline sich. "Sie hat eine harte Rechte, die meisten Kämpfe gewinnt sie wegen Überlegenheit", fügt ihr Vater hinzu.

Von ihrem boxerischen Talent hatte Aline Brüllke schnell die Trainer überzeugt. So wurde sie an der Frankfurter Sportschule aufgenommen, ohne einen einzigen offiziellen Kampf bestritten zu haben. Die Erfolge stellten sich umgehend ein. Sie gewann im Jahr 2016 in Moskau ein internationales Turnier und bei den brandenburgischen Jugendspielen, wurde Landesmeisterin und auf Anhieb DM-Zweite. Ein Jahr später, also 2017, knüpfte sie nahtlos daran an. Erneut Landesmeisterin und Gewinnerin der Jugendspiele sowie Zweite bei den Baltic-See Youth Games im weißrussischen Brest. Und im Herbst erneut DM-Silber, wo sie der Frankfurter Alttrainer Dietrich Bleck betreute - das mehr golden schimmert. Dazu gelangen Siege bei kleineren Turnieren. Dennoch lernt die Zehntklässlerin seit dem Sommer nicht mehr in Frankfurt, sondern in Eisenhüttenstadt an der 3.Gesamtschule. "Das Training in Frankfurt war nicht optimal. Ich war dort das einzige Mädchen, zweimal täglich konnte ich nur mit den Jungs abhängen. Außerdem hatte ich das Zuhause vermisst." "Teilweise musste sie im Sparring gegen 20 Kilo schwerere Jungs ran", stellt ihr Vater fest. So hatte Aline Brüllke kurzentschlossen die Schule gewechselt. "Mein Trainer in Frankfurt hatte mich verstanden. Die anderen bekamen die Probleme erst mit, als ich bereits weg war", scheint die Schernsdorferin dennoch ohne Groll auf ihre Zeit in Frankfurt zurückzublicken. Nach einer kleinen Auszeit nach der DM trainiert sie viermal wöchentlich im Trockendock. "Das Training ist zwar jetzt weniger, dafür aber effektiver. Außerdem habe ich hier noch Laura, Sandra und Melanie, mit denen ich mich austauschen kann." Außerdem riskiert sie gegen diese im Sparring kein Veilchen mehr, was gegen die schweren Jungs in der Sportschule hin und wieder vorgekommen war.

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