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Mitreißende Tanzshow zur Frauentagsfeier im Spreepark / Mahnung, Gleichberechtigung fortzusetzen

Frauentag
Weiblich und ganz selbstbewusst

Putze, Opfer, Freiwild: Die Frauen-Tanzgruppe rechnet mit bestimmten weiblichen Rollenbildern ab.
Putze, Opfer, Freiwild: Die Frauen-Tanzgruppe rechnet mit bestimmten weiblichen Rollenbildern ab. © Foto: MOZ/Jörg Kühl
Jörg Kühl / 11.03.2018, 20:39 Uhr - Aktualisiert 12.03.2018, 13:35
Beeskow (MOZ) Bei der zentralen Frauentagsfeier im Spreepark Beeskow haben Rednerinnen appelliert, weiterhin für die Gleichberechtigung zu kämpfen. Immer noch gebe es Ungleichbehandlung bis hin zu Unterdrückung und Gewalt gegen Frauen. Unterstrichen wurde diese Mahnung durch eine mitreißende Tanzshow.

Schon beim Einmarsch machen die Frauen der Tanzgruppe des Frauenladens deutlich, dass sie mit verniedlichenden Frauenbildern nichts am Hut haben: Zur Filmmusik von „Rocky“ schreiten die Frauen, eingehüllt in Boxer-Kutten, in den Saal. Mit geballten Fäusten geht es am Publikum vorbei bis zum Bühnenrand. Dort zeigen sie den Gästen der Frauentagsfeier beschriftete Schilder, die auf ihren Rücken befestigt sind. Tussy, Putze, Opfer, Freiwild: Rollenbilder, mit denen Frauen immer noch viel zu häufig konfrontiert sind. Auf ein Signal hin reißen sich die Tänzerinnen die Kutten und damit die lästigen Klischees vom Leib und pfeffern sie trotzig auf den Boden.

Auf der Bühne zeigen die Frauen dann eine ganze Stunde lang ein starkes Bild von Weiblichkeit: Selbstbewusst, kämpferisch, (selbst-) ironisch,  und dabei unschlagbar weiblich treten sie auf. Einstudiert wurden die Showeinlagen unter Leitung von Tanzlehrerin Kerstin Schön, die die Frauentanzgruppe des Frauenladens in den 90er Jahren mithalf aufzubauen und die seit 2016 wieder mit ihrer Familie in der Region lebt.

Die Tanzgruppen haben seitdem ein komplett neues Programm einstudiert. „Dschingis Khan“ und die anderen häufig dargebotenen Tanzeinlagen, mit denen die Tanzgruppe noch vor wenigen Jahren auf jedem Stadtfest auftraten, sind passé. Stattdessen geht es „Très Très chic“ zu Sache: HD 93, die Erwachsenentruppe, glänzt in Hochform. Bei „Ein bisschen Haushalt“, dem Schlager von Johanna von Koczian (pantomimisch dargeboten von Benedicta Schön) präsentieren die Frauen einen Emanzipations-Klassiker aus den 70er Jahren. Gewalt an Frauen wird als Thema tänzerisch umgesetzt: Der bedrückende Falco-Hit „Jeanny“, der von einem Sexualdelikt handelt, ist die wohl ernsteste Stelle im Programm. Bei „Fraun regiern die Welt“ von Roger Cicero spielt  Jan Michaelis, ein junger Tänzer mit Down-Syndrom, seinen ganzen Charme aus und wird am Ende von allen bejubelt.

Die Auftritte der Tanzgruppen, an denen auch die erst im September gegründete Nachwuchstruppe „Center Stage“ teilnahm, waren die unterhaltsame Facette einer Botschaft, die politisch immer noch brisant ist: Die Vorsitzende des Landesverbands des Demokratischen Frauenbunds, Helga Burgahn, machte in ihrer Ansprache deutlich, dass die Geschlechter immer noch ungleich behandelt werden. Dies zeigten unter anderem die geringeren Verdienstmöglichkeiten der Frauen. „Dass Gleichstellung immer  noch nicht erreicht ist, das liegt nicht an den Frauen selbst, sondern an den bestehenden Machtverhältnissen, an bestehenden Strukturen, die Frauen selbst dann benachteiligen, wenn sie formal die gleichen Rechte haben.“ Die Landes-Gleichstellungsbeauftragte Monika von der Lippe ergänzte, die aktuellen Nachrichten aus der Filmindustrie zeigten, dass es auf dem Weg zu einem respektvollen Miteinander immer noch viel zu tun gebe.

Sven Wiebicke, der als Vorsitzender der Stadtverordnetenversammlung von Beeskow auf der Frauentagsfeier sprach, warb für eine stärkere weibliche Beteiligung an der Kommunalpolitik. Im Beeskower Stadtparlament seien nur drei von 19 Abgeordnete weiblich. „Aber die haben so viel Frauenpower, das sind die Aktivsten!“

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