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Verborgener Ort
Nass war es hier schon lange nicht mehr

Heike Weißapfel / 12.10.2018, 10:32 Uhr - Aktualisiert 12.10.2018, 11:32
Birkenwerder (MOZ) Die Staub- und Mörtelschicht liegt zentimeterdick auf den alten Maschinen: Seit Jahrzehnten ist durchs alte Wasserwerk in Birkenwerder kein Trinkwasser mehr geflossen. Aber vielleicht ließe sich ein Ort der Kultur daraus machen, meinen einige Gemeindevertreter.

Vor Jahrzehnten war es Birkenwerders Wasserwerk - heute ist es ein "verlorener Ort". Das müsste nicht so bleiben, finden einige Gemeindevertreter und sachkundige Einwohner, die es besucht haben. Ein gewisser Charme ist da.
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Besichtigung altes Wasserwerk Birkenwerder

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„Wir haben uns überlegt, welche historischen Gebäuden wir für die Gemeinde nutzbar machen könnten“, erläutert Heiko Friese (SPD) das Ansinnen. Vorerst ist das nur eine Idee, nicht untersetzt mit Zahlen, geschweige denn mit einem Konzept. Dass es Millionen kosten würde, das Gebäude des alten Wasserwerks samt seinem historischen Interieur ansehnlich zu machen, ist am Dienstagabend bei der Besichtigung allen Anwesenden klar. Kein Grund, sich nicht einmal unverbindlich umzusehen und sich eine Vorstellung zu machen: Bürgermeister Stephan Zimniok (BiF) hat zu der kleinen Exkursion eingeladen und vor dem Betreten des baufälligen Gebäudes eigens allen Gemeindevertretern und sachkundigen Einwohnern schriftliche Erklärungen abverlangt, dass die Gemeinde bei Schäden oder Unfällen nicht haftbar zu machen sei. Auch Bauamtschef Jens Kruse und Mirko Smentek,  zuständig für Liegenschaften, sind dabei, raten hier und da zur Vorsicht.

Gemeindevertreterin Dorothea Trebs (IOB) ist mit Helm samt Lampe daran perfekt ausgerüstet. Einige Gemeindevertreter haben Taschenlampen dabei, andere nutzen ihr Handy. Denn Licht gibt es keins mehr im alten Wasserwerk.

Mirko Smentek schließt auf und räumt das Gitter beiseite. Viele der Gemeindevertreter haben die Räume noch nie betreten. Erika Schürhoff schon. In ihrer Zeit als Lehrerin haben hier Schüler Unterricht gehabt, überlegt sie, Werkunterricht wahrscheinlich. Jetzt herrscht der Charme des Morbiden vor. Wie alle S-Bahn-Gemeinden bezieht Birkenwerder sein Trinkwasser über das Wasserwerk Stolpe.

Immerhin ist das an der Birkenwerderstraße direkt hinter dem Haus der EMB liegende Werk, das auch nur wenige Hundert Meter vom ehemaligen Hohen Neuendorfer Wasserwerk entfernt ist, ein Ort von schauriger Schönheit, ein „lost place“, ein verlorener Ort, wie Katrin Gehring (CDU) findet.

Die alten Wasserpumpen strahlen unter allem Dreck und Staub noch immer Zuverlässigkeit und Kraft aus. Von einer etwas wackelig scheinenden Galerie aus konnte früher das Geschehen im unteren Bereich verfolgt werden. Auch einen winzigen Schalterraum gibt es da. Eine steile Stiege führt in einen größeren Raum ins Obergeschoss, dessen vermauerte Fenster aber keinen Blick mehr ins Herz des Wasserwerkes zulassen. Doch die Fenster scheinen sogar noch dazuliegen. Irgendwer hat hier wohl auch mal kampiert, davon zeugen Schriftzüge an der Wand und eine halb abgefackelte Zeitung aus den 1990er-Jahren.

Wieder im Freien, haben die Gemeindevertreter gleich Ideen. Zu einem künftigen Bürgerpark passe das historische Werk doch gut als Galerie zum Beispiel, meint Torsten Werner (SÖB). „Wir müssten das Haus so gestalten, dass die Pumpen sichtbar bleiben“, meint Katrin Gehring. Einer kann sich Tango-Abende dort vorstellen, ein anderer Konzerte oder Lesungen.

„Es ist aber alles eine Kostenfrage“, bremst Jens Kruse Überschwang ab. „Können wir uns das leisten?“, stellt auch Stephan Zimniok (BiF) in den Raum. Aufgaben hat die Gemeinde noch genug. Aber ein anregender Ausflug in Birkenwerders Vergangenheit war es auf jeden Fall.

Historie

Das Wasserwerk Birkenwerder wurde im Jahr 1904 errichtet, hat Ortschronist Hilmar Wehner in seinem Birkenwerder-Buch beschrieben. Anfangs waren demnach im Ort 95 Wasseranschlüsse vorhanden, und der dazugehörige Wasserturm war ein eisernes Gerüstbauwerk an der Kleiststraße.

Borgsdorf wurde seit 1911 über dieses Wasserwerk versorgt, Bergfelde seit 1927. Die erste Wasserförderanlage lieferte 20 Kubikmeter Wasser in der Stunde und wurde durch eine Leuchtgasmaschine angetrieben. Über Filter und Enteisungsanlagen wurde das Wasser an die Verbraucher weitergeleitet.

Später gab es eine Eisfabrikation als Nebenbetrieb. ⇥(hw)

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