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Leichtathletik
Der beste deutsche Speerwerfer

Sieg bei den wichtigsten Wettbewerben im Vorjahr: Nils Albrecht mit den Goldmedaillen von den Weltjugendspielen in Göteborg (links) und der Deutschen Meisterschaft der M 15 im Speerwurf
Sieg bei den wichtigsten Wettbewerben im Vorjahr: Nils Albrecht mit den Goldmedaillen von den Weltjugendspielen in Göteborg (links) und der Deutschen Meisterschaft der M 15 im Speerwurf © Foto: Hagen Bernard
Hagen Bernard / 11.01.2019, 02:15 Uhr
Fürstenwalde ([]) Noch bis zum 12. Februar läuft die Umfrage nach den populärsten Sportlern des Jahres 2018 im Kreis Oder-Spree. Drei Tage später werden die Sieger im Atrium des Landratsamtes in Beeskow geehrt. Bis dahin stellen wir in loser Folge alle 36 Kandidaten vor. Heute: Speerwerfer NilsAlbrecht von der BSG StahlEisenhüttenstadt.

Nachwuchs-Leichtathlet Nils Albrecht berechtigt im Speerwurf zu größten Hoffnungen. Deutschlandweit ist der 15-Jährige mit 68,42 Metern Führender der Jahresbestenliste seiner Altersklasse, wurde Norddeutscher und Deutscher Meister, siegte bei den Welt-Jugendspielen in Göteborg – lediglich bei den international besetzten Halleschen Werfertagen hatte er in einem hochkarätigen Wettbewerb als Zweiter eine „Niederlage“ einstecken müssen.

Albrechts Wurftalent hat sich früh herauskristallisiert. Während sein um vier Jahre älterer Bruder Niklas in mehreren Disziplinen auf Landesebene Spitze war,  – auch im Wurf –, war es Nils nur im Wurf. So wie einst Niklas, der vor kurzem seine Laufbahn als Stabhochspringer beendete, war der Potsdamer Sportschüler gleich in seinem ersten Jahr bei einer nationalen Meisterschaft in einer Einzeldisziplin erfolgreich. Der Ältere hatte als 15-Jähriger Bronze mit dem Stab geholt, beim jüngeren der beiden Leichtathletik-Brüder war es Gold mit dem Speer. Und er gewann mit sechs Metern Vorsprung, wäre mit jedem seiner fünf gültigen Versuche Deutscher Meister geworden.

Dabei hatte die Qualifikation die größte Hürde dargestellt. Neben der Spezialdisziplin ist nämlich auch eine Norm in einer anderen Disziplingruppe gefordert, damit Nachwuchsathleten seines Alters möglichst vielseitig trainieren. Als es im Sprint und Hürdenlauf nicht klappte, war es noch im Blockmehrkampf möglich. In der Ausrichtung Sprint/Sprung misslang dies, aber im Block-Mehrkampf Lauf schaffte Nils Albrecht souverän die geforderte Zahl. Selbst die abschließenden 2000 Meter waren kein Problem. „Nils hat nie gemault, wenn er mal laufen musste, obwohl ihm das nicht besonders liegt“, hat Vater Steffen seit jeher kämpferische Qualitäten bei seinem zweiten Sohn ausgemacht.

Dabei hat dieser besonders im vergangenen Jahr gelernt, lockerer an Wettkämpfe zu gehen. „Für mich ist wichtig, über eine ganze Saison konstant zu werfen. Auf Rekorde bin ich nicht aus, das hemmt nur. Den Fehler habe ich im Jahr zuvor gemacht.“ In der M 14 hatte er den Landesrekord nur um wenige Zentimeter verfehlt.

Grundlage seiner Erfolge ist ohnehin das zielstrebige Training. „Nils ist extrem fokussiert. Mir sagt er häufiger, wenn es nicht weh tut, macht es keinen Spaß“, erzählt der Vater. Dabei hofft er, dass der Jüngere im Gegensatz zu Niklas auch im Erwachsenenbereich auf internationaler Ebene erfolgreich sein kann. „Letztlich ist es das, was wirklich zählt. Aber um dort anzukommen, ist neben dem Training auch Glück erforderlich“, weiß Steffen Albrecht. Dass es auch aus gesundheitlicher Sicht stimmen muss, hatte Nils schließlich erst zu Jahresbeginn erfahren: Bei den Norddeutschen Hallenmeisterschaften hatte er noch mit den Nachwirkungen des Pfeifferschen Drüsenfiebers zu kämpfen und den ungewohnten zweiten Platz belegt. „Speerwerfen ist körperlich anstrengend. Um den Speer richtig zum Fliegen zu bekommen, muss man fit sein“, erklärt der bei 1,85 Metern Größe etwa 85 Kilogramm wiegende Modellathlet. Fürs Training motivieren auch die Medaillen. „Die habe ich in Sichtweite in einer Schrankwand. Sie sind die Bestätigung meiner Arbeit.“

Dabei steht Nils Albrecht, der zum 1. Januar von der BSG Stahl zum SC Potsdam gewechselt und sogenannter NK2-Kaderathletist, vor einer wegweisenden Saison. „Den 600-Gramm-Speer kann ich aus dem Oberkörper mit viel Armkraft werfen. Mit dem 700-g-Gerät und später den 800 Gramm ist das nicht mehr so möglich. Speerwurf ist dann zu 80 Prozent Beinarbeit“, erklärt der Vogelsänger. Bereits in der vergangenen Saison hatte er sich mit dem 700-Gramm-Gerät ausprobiert. Mit 62,85 Metern nimmt er in der nationalen Jahresbestenliste der U 18 Rang 15 ein, vor ihm liegen hauptsächlich um zwei Jahre ältere Athleten. „Auf knapp 70 Meter will ich in diesem Jahr schon kommen“, erklärt Nils, der sich zu Hause gern handwerklich mit Metall betätigt. 69 Meter ist die Norm für das European Youth Olympic Festival in Baku. Für dieses Ziel heißt es viel Grundlagentraining, aber auch viel Technik wie den Anlauf üben und das Stemmen vor dem Abwurf unter seinem neuen Trainer Burkhard Looks.

Aus der Familie Albrecht könnte mit der achtjährigen Nele übrigens bald ein dritter erfolgreicher Leichtathlet kommen. Bereits seit zwei Jahren trainiert das Mädchen bei der BSG Stahl, eine besondere sportliche Neigung ist dabei noch nicht auszumachen.

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