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Schlossherr befürchtet großen Schaden

EWEYER / 31.07.2010, 08:14 Uhr
Blumberg (In House) Von Eva-Martina Weyer

Die Linden am Eingang breiten ihre Kronen aus. Sie laden ein, näher zu treten und das Rondell mit Buchsbaum und Rosen zu betrachten. Doch die Idylle trügt. Aufruhr herrscht bei den Schlossherren, den drei Brüdern von der Osten. Die Polizei will ihnen einen Funkturm vor die Nase setzen.


Gegen den Standort für den geplanten Funkturm haben die Brüder Widerspruch beim Amt Gartz eingelegt. Blumberg ist ein Ortsteil von Casekow. Seit fast einem Jahr sucht der Zentraldienst der Polizei dort nach einem Grundstück für einen Funkmast.

Der Grund: In Deutschland wird derzeit ein bundesweit einheitliches Funknetz für alle Rettungs- und Sicherheitskräfte aufgebaut. Es löst die bestehenden, voneinander unabhängigen Analogfunknetze ab. Polizei, Notarzt, Feuerwehr könnten dann miteinander kommunizieren. Das ist zurzeit noch nicht möglich.

„Wir wehren uns nicht grundsätzlich gegen einen Funkmast“, räumt Henning von der Osten ein. „Wir fordern aber die planenden Stellen auf, den Standort zu suchen, der den geringsten Schaden anrichtet.“

Zurzeit sieht von der Osten auf die denkmalgeschützte Gutshofanlage von Blumberg großen Schaden zukommen. Hof und Schloss sind seit 600 Jahren Familienbesitz. „Durch den Einmarsch der Russen hat mein Großvater alles verloren“, erzählt Henning von der Osten. „Der Besitz wurde Volkseigenes Gut. Nach der Wende konnten wir die Guts-
anlage zurück kaufen.“

Die Brüder, zum Teil noch in Berlin zuhause, gründeten eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR). Seit 1996 stecken sie Geld und Leidenschaft in das Gutshofensemble. Sie haben die obere Etage des Schlosses wieder bewohnbar gemacht.

„Unser Ziel ist es, dieses kulturelle Erbe für nachfolgende Generationen zu erhalten“, erläutert Henning von der Osten, der Geschäftsführer der GbR ist. Die Gesellschaft hat auch den Wald zurückgekauft. Mit den Erträgen aus der Forstwirtschaft finanzieren die Brüder die Sanierung des Schlosses. „Das reicht aber nicht aus. Wir schießen kräftig dazu“, sagt von der Osten.

Schließlich wolle man hier Wohnungen ausbauen. „Wir sprechen speziell Berliner Publikum an, das die Abgeschiedenheit und das Gefühl einer intakten Landschaft und Dorfökonomie sucht. Deshalb ist der Funkturm für uns so schädlich“, erläutert der Geschäftsführer.

Der Turm soll etwa 300 Meter vom Schloss entfernt auf einem Gewerbehof errichtet werden. Mit rund 55 Metern würde er nicht nur alle Bäume überragen, sondern auch den Kirchturm des Ortes.

Roland Schneider vom Landesamt für Denkmalpflege äußert die Sorge, dass ein Funkturm die Wirkung und das Erscheinungsbild der gesamten Gutsanlage maßgeblich beeinträchtigt. Und Henning von der Osten befürchtet gar: „Ein alles überragender Funkturm macht die Chancen auf eine wirtschaftliche Nutzung des Gutshauses zunichte. Das führt zum vollständigen Einnahmeverlust für unsere Gesellschaft.“

Ortsvorsteher Peter Preuß kennt diese Argumente. Aber er weiß auch, dass der Turm ansonsten am Sportplatz errichtet werden würde. „Wir sind dagegen, dass der Turm an den Sportplatz kommt. Er ist ein Ort der Erholung und dort wohnen Leute. Wir sind für den Gewerkehof.“ Der Gewerkehof befindet sich am Ortsrand. Auf ihm sind mehrere Firmen angesiedelt, umgeben von altem Baumbestand.

Henning von der Osten hat vorgeschlagen, die Polizei solle den 200 Meter hohen Mast der Telekom nahe Luckow-Petershagen nutzen. Der Standort sei nicht weit entfernt und gehöre ebenfalls zur Gemeinde Casekow. Auf diesem Mast solle sich die Polizei einmieten und statt eines Neubaus Steuergeld sparen.

Wie Detlef Prussak vom Zentraldienst der Polizei erläutert, hat es mit kommerziellen Anbietern Gespräche zur Nutzung ihrer Sendemasten gegeben. „Dabei haben neben wirtschaftlichen Aspekten funktechnische und bauliche Fragen eine Rolle gespielt. Bei der Prüfung in der Region Gartz stellte die Mitnutzung eines kommerziellen Funkmastes keine Alternative dar.“

Im Suchkreis Blumberg/
Casekow hat die Polizei mehrere Standorte abgesteckt und die Fläche am Sportplatz favorisiert. Doch im Gespräch mit Gemeindevertretern stellte sich heraus, dass die dort wohnenden Blumberger einen direkten unverschatteten Blick auf den Mast hätten. Deshalb ist der Standort Gewerbehof im Gespräch. Der hätte nach Polizeiangaben den Vorteil einer vierseitigen Verschattung durch Bäume.

Henning von der Osten kann sich damit nicht anfreunden. Er sagt: „Der Steuerzahler wird die Gutsanlage Blumberg nicht erhalten. Wenn wir das nicht schaffen, weil potenzielle Mieter verscheucht werden, dann kann es niemand.“

Deshalb hat sich von der Osten weiter umgesehen. Aus seiner Sicht gäbe es noch eine Alternative – die Jungrinderanlage außerhalb des Ortes.

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