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Neue Chancen für alte Bahnhöfe?

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Doris Steinkraus / 02.08.2010, 18:05 Uhr
Küstriner Vorland (In House) Das Küstrin-Kietzer Bahngelände ist riesig, größer, als die anderen entlang der Ostbahn. In den letzten zwei Jahrzehnten hat die Bahn außer in Gleisanlagen und elektronische Stellwerkstechnik kaum investiert. Dementsprechend sieht es rund um den Bahnhof aus: Eine löchrige Zufahrt, keine geordneten Parkplätze, meterhohes Unkraut zwischen den Anlagen, dazwischen diverse Nebenanlagen und Gerätschaften. Immer wieder hat die Gemeinde bei der Bahn Veränderungen angemahnt.

Da nichts passierte, staute sich Ärger an. Den bekam IG-Geschäftsführer Karl-Heinz Boßan in der Gemeindevertretersitzung mehrmals zu spüren.

Er machte der Runde deutlich, was bisher erreicht wurde. Am 6. Juni 2006 war die Interessengemeinschaft gegründet worden. Heute gehören 42 kooperative Mitglieder, darunter zahlreiche Anliegerkommunen auf deutscher und polnischer Seite, zur Gemeinschaft. In zwölf Arbeitsgruppen werden diverse Projekte – von der baulichen Planung über Vermarktung bis hin zur Geschichtsarbeit – beackert. Über die IG gelang auch ein direkter und unkomplizierter Kontakt zu den verschiedenen Dienststellen der Bahn, die ebenfalls Mitglied ist. Die Deutsche Bahn betreibt selbst nicht mehr die Ostbahnlinie, ist aber für deren Funktionstüchtigkeit zuständig. Durch das Wirken der IG hat sie ihr Konzept für die Strecke verändert und bereits Millionen für die Reaktivierung der Strecke investiert, um einen schnellen Anschluss nach Berlin zu sichern.

Parallel laufen an verschiedenen Haltepunkten kommunale Projekte: Am Bahnhof Rehfelde vollzieht sich bereits eine Entwicklung als neuer gewerblicher und gesellschaftlicher Standort der Gemeinde. In Müncheberg wird das neu gestaltete Bahnhofsumfeld am 4. September eingeweiht, für Gusow-Seelow übergab das Land gerade einen Fördermittelbescheid, für den Bahnhof Seelow als Zubringer zur Ostbahn werden die Förderanträge auf den Weg gebracht.

Auch Golzow gehört inzwischen zur IG-Familie. Hier laufen Verhandlungen, um ebenfalls ein Paket zu schnüren, das dem Bahnhof eine neue Perspektive gibt und künftig den Stundentakt sichert. Ähnliches wünschen sich die Abgeordneten von Küstriner Vorland auch für ihre beiden Bahnhöfe. Allerdings fehle der Kommune derzeit schlicht das Geld, um selbst groß einzusteigen, machte Bürgermeister Bernd Korb deutlich. Ein Argument, das auch alle anderen Partner hatten, so Boßan. Wichtig sei der Wille des Gremiums, dann fänden sich auch Lösungen.

Man könne sich trotz aller Unterstützung dennoch schwer vorstellen, in Küstrin-Kietz das Areal, das derzeit noch der Bahn gehört, zu kaufen, gab der Bürgermeister zu bedenken. Denn nur als Eigentümer könnte die Gemeinde Fördermittel beantragen. Die Bahn selbst ist nicht verpflichtet, ihr Eigentum aufzuwerten oder bestimmte Standards zu sichern. Die gelten ausschließlich für die eigentlichen Bahnanlagen und da investiert die Bahn. Der Landkreis unterstützte bisher alle Vorhaben an der traditionsreichen Bahnlinie, die für zahlreiche Pendler immer größere Bedeutung erhält. In Gusow übernimmt der Kreis 
50 Prozent des Eigenanteiles.

Mit der Übernahme hätte man aber auch noch das Problem Altlasten, warf Korb ein. Man einigte sich, dass umgehend ein Termin mit Bahnvertretern anberaumt wird. Boßan verständigte sich bereits einen Tag später dazu mit den Bahnvertretern. Im August soll es noch einmal eine kleinere Runde geben. Hier will man klären, was die Bahn vorhat, was möglich ist, was die Gemeinde leisten müsste, so Boßan. A und O sei, dass die Denkweise stimme. Nur dann könne man gemeinsam auch etwas bewegen.

Fakt ist allerdings auch, dass die Zeit drängt. Das Gesamtkonzept der IG steht, die Mittel sind bereits in Jahresscheiben eingeplant. Küstrin-Kietz soll sich laut diesem Konzept zu einem attraktiven Personenbahnhof und Gorgast zu einem Güterbahnhof entwickeln. In der nächsten Gemeinderatssitzung sollen die Abgeordneten entscheiden, ob sie zunächst einmal kooperatives Mitglied werden.

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