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Auch als Rentner ist der 70-jährige Hans Inderfurth voll beschäftigt / In der AG Kultur der Seniorengruppe bringt er seine Talente ein

„Die Kinder fragen, wann ich Zeit habe“

Auch in punkto Kultur sehr rührig: Für den Sängerball der Storkower Singgemeinschaft am 5. November bereitet Hans Inderfurth das Programm mit vor und hat dafür schon eigenhändig diese beiden Steckenpferde als Requisiten hergestellt.
Auch in punkto Kultur sehr rührig: Für den Sängerball der Storkower Singgemeinschaft am 5. November bereitet Hans Inderfurth das Programm mit vor und hat dafür schon eigenhändig diese beiden Steckenpferde als Requisiten hergestellt. © Foto: Elke Lang
Elke Lang / 24.10.2011, 07:43 Uhr
Storkow (MOZ) Ein Land, eine Stadt und selbst ein Dorf wären nichts ohne Menschen. Viele haben es noch nie in die Schlagzeilen geschafft und sind dennoch wichtig und interessant. Und alle haben etwas zu erzählen. Die MOZ stellt in einer Serie Gesichter aus Oder-Spree vor. Heute: Hans Inderfurth aus Storkow

Hans Inderfurth ist auch als Rentner voll beschäftigt. „Ja“, lacht der 70-Jährige, „die Kinder fragen immer an, wann ich denn mal Zeit habe.“ Die Kinder, das sind Christiane (37) und Doreen (48), beide im Landkreis wohnhaft, sowie Bianca (47), die es nach Dortmund gezogen hat. Dazu kommen noch die Enkel und drei Urenkel.

1944 ist der in Köln am Rhein geborene Hans Inderfurth nach Langhennersdorf bei Freiberg in Sachsen evakuiert worden. Hier lernte er Fachverkäufer, obwohl er gern Medizin studiert hätte.Er verkaufte in der Lehre in einem HO-Laden „Fahrzeuge vom Auto bis zum Kinderwagen“, aber das hielt ihn nicht. Er wurde hauptamtlicher Pionierleiter, veranstaltete Indianerfeste mit den Kindern und organisierte unter anderem Modellbau, Basteln und Theaterspielen, bis er sich seinen Traum von der Seeromantik erfüllte. Hans Inderfurth ging zur Marine und war sogar einmal auf großer Fahrt zu einem Flottenbesuch in Leningrad.

Mit einem Unfall nach knapp zwei Jahren beginnt sein Leben in Bad Saarow. Hierhin kam er ins Krankenhaus und wurde von Schwester Christel so liebevoll betreut, dass er zu ihr ins Schwesternwohnheim zog, wo sich bald Tochter Doreen dazugesellte. Arbeit fand er beim Rat des Kreises Fürstenwalde, wo er es bis zum Referatsleiter Wohnraumlenkung brachte. „Das war ein unbefriedigender Job. Wir wollten den Leuten helfen und konnten nicht, weil keine Wohnungen da waren.“ Statt Wohnungen zu vermitteln, habe er pro Tag mindestens eine Eingabe an den Staatsrat, den Ministerrat oder das Zentralkomitee zu beantworten gehabt, was den Leuten allerdings auch nur in den seltensten Fällen geholfen habe.

Hans Inderfurth, der Unruhegeist, orientierte sich um, indem er in Leipzig und in Berlin-Karlshorst das Studium zum Ingenieur-Ökonomen und zum Diplom-Ökonomen absolvierte. „Mich hat die Datenverarbeitung über Lochkarten mit elektronischen Rechenautomaten gereizt, die damals so groß wie ein Wohnzimmer waren.“ Er nennt den sagenhaften R 300, wobei R für Robotron steht. Mit diesen Fähigkeiten ausgerüstet, wurde er 1973 Leiter im Rechenbetrieb Binnenhandel in Fürstenwalde. „Alle Großhandelseinrichtungen des gesamten Bezirks Frankfurt (Oder) wickelten ihre Warenbewegungen über diesen Rechenbetrieb ab, der 1980 Schulungsrechenzentrum für die gesamt Volkswirtschaft der DDR wurde“, denkt er nicht ohne Stolz zurück. Politisch betätigte er sich von 1970 bis zur Wende als Gemeindevertreter und war für Bau- und Wohnungswesen verantwortlich, „mit mehr Erfolgen, denn in Bad Saarow standen Wohnungen zur Verfügung“.

Die Wende bedeutete einen tiefen Einschnitt im Leben von Hans Inderfurth, dessen Institut „über Nacht liquidiert“ wurde und ihn arbeitslos zurückließ. „Ich musste den Schreck erst einmal verdauen und habe mich nicht mehr politisch oder gesellschaftliche betätigt“, gibt er zu. „Es stand die Frage: Wofür lohnt es sich, sich zu engagieren. Keiner wusste so richtig, was er wollte, alles wurde uns vom Westen übergestülpt.“ Christel und Hans Inderfurth zogen sich ins Private zurück, machten in ihrem eigenen Haus ein „richtig gutgehendes“ Café und Restaurant auf. Sie kochte, er stand hinterm Tresen, im Sommer halfen drei bis vier Angestellte mit. 1999 aber mussten sie das aus gesundheitlichen Gründen aufgeben. Sie verkauften ihr Haus und zogen nach Storkow.

Hier in Storkow erwachte in beiden wieder die gesellschaftliche Aktivität. Das hat der Brandenburger Seniorenverband bewirkt, in den sie 2001 als Mitglieder „gleich voll einstiegen“. Seit 2004 ist Hans Inderfurth im Vorstand, und in diesem Jahr wurde er von der Stadt „für mehrjährige uneigennützige ehrenamtliche Tätigkeit ... für Kultur und Kegelsport sowie die Zusammenarbeit mit den polnischen Senioren“ zum Tag des Ehrenamtes ausgezeichnet.

In punkto Kultur ist die Seniorenortsgruppe sehr rührig. Die meisten Feste organisiert sie selbst mit eigener kultureller Umrahmung. Hans Inderfurth ist als Vorstandsmitglied stark beteiligt und bringt seine besonderen Talente als. Aus seiner Feder stammen Büttenreden und Sketche sowie Bearbeitungen. Als Regisseur und Darsteller hat er die sehr erfolgreichen verballhornten Theaterstücke „Rotkäppchen“ und „Schneewittchen“ auf die Beine gestellt. Was das Kegeln betrifft, plant er Turniere mit Seniorengruppen aus Königs Wusterhausen und Beeskow. Da er seit sechs Jahren im Seniorenbeirat der Stadt für die Zusammenarbeit mit der Seniorenorganisation der Partnerstadt Opalenica verantwortlich ist, bezieht er diese in das Leben der Ortsgruppe ein, „damit man sich gegenseitig kennen lernt, Vorbehalte abbaut und die Freundschaft zwischen beiden Ländern festigt“.

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