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Blitz-Richter schlagen hohe Wellen

Eine Seefahrt, die ist lustig: Dagmar Theil (v. l.), Burkhard Pöthke, Uschi Drose und Lutz Thiele liefen wie auch der Rest der Blitz-Richter vor allem im zweiten Teil des Abends zur Hochform auf.
Eine Seefahrt, die ist lustig: Dagmar Theil (v. l.), Burkhard Pöthke, Uschi Drose und Lutz Thiele liefen wie auch der Rest der Blitz-Richter vor allem im zweiten Teil des Abends zur Hochform auf. © Foto: MOZ/Gerrit Freitag
Janet Neiser / 29.11.2010, 08:33 Uhr
Eisenhüttenstadt (In House) „Top“, „toll“, Daumen hoch – das waren die Reaktionen nach der Premiere des neuen Programms der Kabarettgruppe Blitz-Richter. 180 Besucher im ausverkauften Gesellschaftshaus Schleicher klatschten und lachten ausgelassen über Darsteller, Politik und die eigene Stadt.

„Ich bin wirklich stolz auf dich“, sagt eine Zuschauerin und klopft Blitz-Richter Horst Reukauf auf die Schulter, nachdem der Schlussapplaus verklungen ist und die Darsteller sich im Saal feiern lassen. Mit gutem Recht. Die Eisenhüttenstädter Kabarettgruppe hat einmal mehr Spürsinn, Zeitgeist, Wortwitz und Mut unter Beweis gestellt. Mit ihrem Kreuzfahrtschiff namens Deutschland und ihrem Programm „Eine Seefahrt, die ist lustig, eine Seefahrt, die ist schön“ liefen sie niemals Gefahr unterzugehen. Hohe Wellen haben sie sehr wohl geschlagen.

Auch Eisenhüttenstadts Bürgermeisterin Dagmar Püschel, die persönlich zur Premiere erschienen war und am Käpitänstisch in der Oberschicht platziert wurde, bekam den Wellengang zu spüren – mehrmals. Konnte sie anfangs noch über uns aller Kanzlerin „Angie“ und deren ständige Kursschwankungen schmunzeln oder über Westerwelle, das „Glühwürmchen, das ein Flutlicht sein wollte“, so ging die „Deutschland“ bald schon am Bollwerk in Fürstenberg vor Anker. Eigentlich ein Grund zur Freude, denn große Schiffe kommen nur hierher, wenn kein Hochwasser ist. Dann aber ist schon Niedrigwasser, wie die Blitz-Richter feststellten. Halb so wild, die Stahlstadt hat bekanntlich viele Gesichter: Wasserstadt, Waldmeister und Planstadt … Ja, dieser „Werbekracher“ an der A 12 führte zu heißen Diskussionen am Sonnendeck der „Deutschland“. War es vielleicht dieses Werbeschild, dass Eisenhüttenstadt die Neubürger aus Ratzdorf, Neuzelle und Frankfurt bescherte?

Oder sind die kulturellen Schätze der Stadt – die Freilichtbühne und das Friedrich-Wolf-Theater – so anziehend? Da werde momentan experimentiert, wie man Nebel macht, erfahren die Passagiere. Da könne beispielsweise Karel Gott Geld verdienen, obwohl er gar nicht bei Stimme ist. Zudem sei der Ex-Liegenschaftsleiter der Stadt nun Kulturchef. „Mal sehen, ob er die Kultur zum Liegen schafft.“
Aber der Rundumschlag der Blitz-Richter geht weiter, ganz direkt, ganz schonungslos: von Beerdigungen – „Aber nicht in Schönfließ, da muss man warten, bis ein Schließfach frei wird“ – bis Betriebskosten: „Oder finden sie es nicht witzig, wenn der ehemalige Stadtmanager in einer Bürgersprechstunde feststellt, er fühle sich bei den Nachzahlungen der Betriebskosten an die Gebäudewirtschaft verschaukelt? Das Gefühl kennen die Mieter schon seit Jahren, Herr Perske!“

Natürlich gibt es an Bord auch zwei echte Bordsteinschwalben. Sagt die eine: „So viele Männer an Bord, und man läuft sich ’n Wolf“. Darauf die andere: „Sag das nicht so laut, sonst musst du noch Hundesteuer zahlen.“ Zum Glück hat das der Papst nicht gehört – auch er ist nämlich an Bord und träumt von „Ihr Kinderlein kommet“! Während die Pharmaindustrie gerade an einer Krankheit forscht, die sie zum Überleben braucht. All das schert die Silber-Surfer auf dem Schiff wenig. Sie rufen auf zur Rentner-Revolution, wollen Gleichberechtigung und fordern: Seniorenstrafrecht und pistolenschwingende Greise im „Tatort“. Aber sie wollen dem Staat nicht auf der Tasche liegen, nein, ehe man Wohngeld beantrage, ziehe man lieber wieder zu den Eltern.

„Wir haben herzhaft gelacht“, sagt Zuschauerin Renate Kater. Vor allem die Parodien auf Katja Ebstein und Nana Mouskouri brachten ihre Gesichtsmuskulatur in Schwung. So schnell vergessen werden sie und die anderen diese turbulent-satirische Seefahrt wohl kaum. Witzige Kostüme, super Texte und tolle Darsteller. Mehr davon, bitte!

Blitz-Richter: 14./15.1.; 18./19.3., 20 Uhr, bei „Schleicher“, Tel. 03364 750470; 22.1., 19.30 Uhr, Müllrose, Tel. 033606 77372

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