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Stasi unterhielt 200 geheime Treffs

Stefan Lötsch / 25.03.2011, 08:00 Uhr - Aktualisiert 25.03.2011, 15:23
Eisenhüttenstadt (In House) Das Ministerium für Staatssicherheit hat in Eisenhüttenstadt rund 200 konspirative Wohnungen (KW) und Objekte unterhalten. Dort haben sich Führungsoffiziere mit Inoffiziellen Stasi- Mitarbeitern (IM) getroffen.

Die Fritz-Heckert-Straße ist auf dem Stadtplan mit Punkten bedeckt, in der Lindenallee sieht es nicht besser aus und auch in der Cottbuser und in der Robert-Koch-Straße reiht sich Punkt an Punkt: Jeder Punkt steht für eine konspirative Wohnung (KW) bzw. für ein geheimes Objekt. Dort trafen sich die Führungsoffiziere mit Stasi-Spitzeln. Rund 200 konspirative Treffs gab es in Eisenhüttenstadt.

„Das sind schon sehr viele“, sagt Kornelia Gehring von der Frankfurter Außenstelle der Stasi-unterlagen-Behörde. Sie nennt als eine mögliche Erklärung, dass Eisenhüttenstadt durch das EKO für den DDR-Geheimdienst besondere Bedeutung hatte. Für die Bürgerberatung der Behörde, die erstmals in Eisenhüttenstadt stattfand, hatte sie die Karte mit den konspirativen Treffs zusammengestellt. Schon für andere Städte waren ähnliche Übersichten angefertigt worden. In Frankfurt (Oder) konnten 458 geheime Orte der Stasi ermittelt werden.

In den meisten Fällen handelte es sich um Privatwohnungen oder -häuser, wo die Treffs etwa im leerstehenden Kinderzimmer stattfanden, aber auch Institutionen wurden genutzt. Die Wohnungsinhaber gingen eine IM-Verpflichtung ein, erhielten eine Art Aufwandsentschädigung, rund 20 Mark. „Sie mussten die Treffen ausgestalten, zum Beispiel Kaffee bereitstellen“, so Kornelia Gehring. Die Mieter waren dazu angehalten, sich zurückziehen, wenn sich der Führungsoffizier mit seinem IM traf. Der Offizier hatte eigens einen Schlüssel für die Wohnung.

Kornelia Gehring hat die geheimen Treffs aus den Akten ermittelt, die sich in der Frankfurter Außenstelle der StasiunterlagenBehörde befinden. Sie hat Unterlagen von Anfang der 60er-Jahre bis 1998 ausgewertet. „Sogar 1989 sind noch konspirative Wohnungen eingerichtet worden.“ Teilweise wurden die Treffpunkte über Jahrzehnte genutzt.

Eine genaue Zuordnung zu Straßen, Hausnummern, Wohnungen und Personen ist möglich. Wobei Kornelia Gehring ausdrücklich betont: Die Punkte auf der Karte sind nicht adressengenau. „Die eingetragenen Markierungen im Stadtplan lassen eine genaue Zuordnung nicht zu“, sagt sie. Die Punkte zeigen nur an, dass es und wie viele Geheimtreffs es in der Straße gab.

Für einige Objekte oder Wohnungen hat sie auch beispielhaft mit Decknamen aufgelistet, welcher Offizier sich dort mit welchen IMs getroffen hat. Rege ging es etwa im konspirativen Objekt „Schwan“ in der Cottbuser Straße zu. Allein 18 Spitzel sind dem Führungsoffizier dort zugeordnet. „In jeder konspirativen Wohnung wurden im Schnitt fünf IMs betreut“, sagt Kornelia Gehring. Bei 200 solcher Wohnungen kommt sie hochgerechnet auf 1000 IMs für Eisenhüttenstadt. Genaue Zahlen gibt es allerdings nicht.

Der Stadtplan wird künftig in der Außenstelle der Stasiunterlagen-Behörde in der Fürstenwalder Straße in Frankfurt (Oder) zu sehen sein.

Derweil ist das Interesse an der Stasi ungebrochen. Die Sprechstunde in Eisenhüttenstadt nutzten fast 200 Bürger. „106 Bürger haben einen Erstantrag auf Akteneinsicht gestellt, 64 einen Wiederholungsantrag“, so Kornelia Gehring. Anträge können auch in Frankfurt gestellt werden.

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Heidi 09.04.2011 - 19:19:59

Und nun?

200 geheime Treffs in Eisenhüttenstadt. Erst vor Kurzem sind hohe öffentliche "Staatsdiener" in Cottbus, Frankfurt (O) und Potsdam enttarnt worden. Wie viele von Ihnen sitzen in Eisenhüttenstadt an den "Schalthebeln der Macht"? Ist es nicht an der Zeit die leitenden Mitarbeiter der Stadtverwaltung und städtischen Unternehmen auf eine mögliche Stasi-Vergangenheit zu durchleuchten?

Bernd 27.03.2011 - 12:03:59

eine interessante Idee

wenn jetzt der Bürger selbst die Sache in die Hand nehmen soll, wenn er mit der Jahn-Behörde unzufrieden ist - die logische Fortführung wäre dann die Praktizierung von Selbstjustiz, wenn man mit der Justiz unzufrieden ist. Interessanter Denkansatz. Man nimmt dann noch am besten die Kinder von der Schule, weil die da sowieso nichts lernen. Übrigens: In der Berliner Zentrale der "Jahn"-Behörde arbeitet eine große Anzahl ehemaliger hauptamtlicher MFS- Mitarbeiter. Im unkündbaren Beamtenstatus. Seit Ende 1995 stehen die 120000 Namen der Hauptamtlichen im Internet.

Frank 26.03.2011 - 16:00:15

wieder nur worthülsen

was hat der brandenburger ex-cdu-chef peter wagner gekämpft, einen der genannten aus den politischen ämtern zu bekommen. alles nutzlos verpufft, die seilschaften hielten zusammen wie einst. aufklärungsinteresse null. niemand bekommt die großen zu fassen und die hatz auf die kleinen mitläufer soll das volk belustigen und den eindruck erwecken, dass sich gekümmert wird. es wird sich aber nicht gekümmert und 200 anträge an 250 arbeitstagen im jahr sprechen eine deutliche sprache, wie groß das interesse ist. die aufklärer haben nach 1990 dabei versagt, die hochkaräter zu stoppen, die es wieder an die fleischtöpfe geschafft haben. es ist daher zynisch, den kleinen mann vorzuschicken, um zu bewerkstelligen, was die aufgeblähte gauck/birthler/jahn-behörde nicht zu tun willens war. Lieber das Geld für Sportlehrer und gegen Schlaglöcher einsetzen, als für untätige Sesselpupser.

Matthias Frondorf 26.03.2011 - 15:40:59

@Frank

Allein die Tatsache, dass Sie durch offenen Akten wissen, wer "Erika" , "Notar" und "Sekretär" mit Klarnamen sind und was Sie getan haben, gibt Ihnen persönlich jeden Tag die Möglichkeit, diese Personen tagtäglich zu "behelligen", jeden Tag politisch öffentlich zu ächten und Ihnen hinterherzulaufen und Ihnen Ihre Meinung offen ins Gesicht zu schleudern. Unter DDR-Verhältnissen wäre all das nur einmal möglich gewesen. Anschließend wären Sie in Bautzen abhanden gekommen oder abgeschoben worden nach Westdeutschland. Schon die Tatsache, dass Sie hier in einem offenen Forum Ihre Meinung schreiben können, zeigt den Unterschied, der durch offene Akten und offene Grenzen mitgeschaffen wurde. Was Sie persönlich aus Ihrem Wissen über "Erika" , "Notar" und "Sekretär" machen, entscheidet, ob Ihr Forumbeitrag ein zynischer Kommentar bleibt oder ob Sie in der Lage sind, mit Ihrem Wissen etwas zu verändern. Stellen Sie Ihr wissen der Öffentlichkeit zur Verfügung bzw. formulieren Sie bei der Staatsanwaltschaft konkrete Anzeigen. Zynismus hilft Ihnen hier und dort nicht weiter!

Frank 26.03.2011 - 15:25:36

Herr Frondorf

solange "Erika" , "Notar" und "Sekretär" unbehelligt herumlaufen und politisch ungeächtet bleiben, sind das alles nur leere Worthülsen. Ganze 200 Anträge an 50 Arbeitstagen sind ein Witz.

Matthias Frondorf 26.03.2011 - 11:49:39

Offene Akten bedeuten Freiheit

Meine Vermutung: Das Ende der Stasi-Behörde wird hier vor allem von jenen gefordert, die selbst Mitverantwortung für die Unfreiheit in der SED-Diktatur tragen. Die Geschichte läßt sich nicht abschalten, ist nie zu Ende. Die Geschichtsaufarbeitung dient der Volksgesundheit. Es ist sowohl für die ältere als auch für die jüngere Generation sehr nützlich, sich über das zu informieren und zu unterhalten, was in der jüngeren Geschichte hier geschah. Nur wer über unsere deutsche Geschichte Bescheid weiß, Einzelheiten (Tatsachen) kennt, kann heute gegen Diktatur und für Freiheit auftreten und sich engagieren. Auch die Stasi-Behörde erfüllt einen Bildungs- und Kulturauftrag: Sie zeigt anschaulich, wohin Bildungsferne, Duckmäusertum und Unterwürfigkeit führen: in die Diktatur. In Nordafrika zeigen uns die Menschen gerade, was sie von den alten diktatorischen Herrschaftssystemen und deren Staatssicherheitsapparate halten und was sie fordern: Freiheit für sich und ihre Stasi-Akten! In Kairo sichern inzwischen einfache Menschen die Akten der Staatssicherheitsbehörde, um sie vor der Vernichtung zu bewahren. Die Menschen dort wollen wissen, wer für die Unfreiheit der letzten 30 Jahre mitverantwortlich ist. Dafür bekommen sie Informationen und Unterstützung aus Deutschland von der Jahn-Behörde - richtig so! Freiheit heißt Aufklärung! Ohne Informationen über die geschichtlichen Hintergründe und über die verantwortlichen Menschen gibt es keine Freiheit. Wer gegen das Veröffentlichen einer Stadtkarte mit IM-Treff-Wohnungen polemisiert, solidarisiert sich mit denjenigen Tätern, die bis 1989 hier das SED-System gestützt haben. Heute haben wir demokratische Verhältnisse und damit offene Akten. Diese Offenheit mag für viele Betroffene schmerzhaft sein und unangenehme Erinnerungen wach halten - das müssen wir aushalten, sonst fallen wir zurück in die Zeiten der alten Betonköpfe, eines SED-Politbüros im scharf bewachten Wandlitz.

BKA Ost 26.03.2011 - 08:16:36

stasi ost und west sollen in rente gehen. golodkowski läßt grüßen

die ostdeutschen machen sich es selbst schwer mit ihrer stasi geschichte. das war nach dem 2. weltkrieg im westen anders. nazis wirden für 3 mark entnazifiziert, basta. waren lehrer und bundeskanzler. nur die ossis lassen es zu das man nach 21 jahren noch tote jagt. die steuern für die jahn behörde sollten für den schulsport in brandenburg ausgegeben werden. weg mit der jahn - behörde. leute geht doch in die fürstenwalder strasse und fordert das ende dieser jagt nur auf ostdeutsche stasi spitzel. jagt doch mal die noch fehlenden west stasi hansel!

Pastscho 26.03.2011 - 07:43:45

schon wieder die Stasi

nach mehr als 20 Jahren und nach Ablauf aller Fristen für Entschädigunsansprüche sollte die Gaugbehörde geschlossen werden . Die die zu erwartenden freiwerdenden Gelder könnten für was besseres genutzt werden . zB für komunale Belange ( keine Blitzautos ) es will keiner mehr wissen ???

Igel 26.03.2011 - 01:36:11

Wayne interessierts?

Wie schon von anderen angemerkt, ist die Arbeit der Stasi keineswegs gutzuheißen. Aber wäre es nicht nach über 20 Jahren mal Zeit die ganze Sache mit der Hexenjagd ruhen zu lassen? Es war einfach eine andere Zeit mit all ihren Vor- und Nachteilen. Das Veröffentlichen dieser Karte sorgt nur für neue Gerüchte zwischen Nachbarn, bringt jedoch keine Aufarbeitung. Die Behörde hätte genausogut eine Statistik rausbringen können, welche Kuchensorten die Offiziere am liebsten aßen. Toll, das für sowas meine Steuergelder draufgehen. "Die schärfsten Kritiker der Elche waren früher einmal selber welche."

der Holgo 25.03.2011 - 22:14:54

Schon ulkig

Ich verteidige keinesfalls die Stasi als solches, sondern möchte lediglich diese "Sensationsstory" relativieren. Was die Stasi gemacht hat, war nicht in Ordnung. Es wird sicherlich auch nicht dadurch besser, dass heutige Geheimdienste nicht besser sind aber es ist doch völlig unerheblich, ob die sich für ihre konspierativen Treffen in 50, 200 oder 500 Wohnungen getroffen haben. Das ändert an der Sache doch nichts. Was denkt denn wohl ein Stasiopfer, wenn man ihm erzählt "Ja also wir sind schon einen tollen Schritt in unseren Ermittlungen weiter. Wir wissen nicht, wer ihnen das angetan hat. Wir wissen nicht wer noch darüber bescheid wußte. Aber wir wissen, dass diejenigen, die bescheid wußten sich in 4 verschiedenen Wohnungen getroffen haben. Eine davon war sogar mit Balkon. Super oder?"

MOZ-Leser 25.03.2011 - 20:26:09

Ab zur VHS !

Du kannst einem auch leid tun mit deinen vielen Deutschfehlern in diesem kurzen Text.

MOZ-Leser 25.03.2011 - 20:23:33

Ab zur VHS !

Du kannst einem auch leid tun mit deinen vielen Deutschfehlern in diesem kurzen Text.

jüngerer Leser 25.03.2011 - 19:41:44

Kindergarten

Ihr IM s und Stasi s wahrt doch ein einziger dummer Kindergarten. Zu nichts vernünftiges zu gebrauchen, also ab zum spitzeln ! Das Gute an dieser Sache ist , das ihr in 10 Jahren alle tot seid und dann das Räuber und Jandarmen -Spiel wirklich zu Ende ist. Ihr könnt uns nur leid tun, mehr nicht.

xxx 25.03.2011 - 18:44:09

Selbstdarstellung einer Behörde

Irgendwie muss die Behörde ja ihre Anwesenheit rechtfertigen .

der Holgo 25.03.2011 - 17:46:29

Puh das ist schon ein starkes Stück.

Gar nicht auszudenken, wenn das nicht herausgekommen wäre. Da haben sich die Führungsoffiziere mit den IMs getroffen. Ich kann es kaum glauben. Ich möchte den Gedanken gar nicht weiterdenken. Womöglich haben die sich sogar unterhalten. Das muß alles unbedingt aufgedeckt werden. Auch bitte den Fußgängerüberweg, wo der Schwager vom Neffen des IMs (der mit der Kordhose aus dem Westen) immer die Straße überquert hat. Das muß alles in eine Karte eingetragen werden.

Akteneinsichtler 25.03.2011 - 17:12:03

Was soll´s denn eigentlich?

Über 21 Jahre nach dem Aus für diese Behörde will man auch in EH keine Ruhe geben, denn offenbar sollen Tante Frieda und Onkel Otto zittern, dass sie ein Zimmer ihrer Wohnung damals für Treffs bereithielten. Der Redakteur meint sicher, dass der BND, der Verfassungsschutz und der MAD Treffen mit ihren Informanten in Tagescafes, in der Straßenbahn oder an einer Bushaltestelle abhalten. Es fehlte nur noch, die Hausnummern und die Namen wären hinzugesetzt worden. Dem Redakteur hätte es sicherlich gefallen, auch wenn die Grafik unvollständig ist, denn in dem farbigen Machwerk fehlt Schönfließ und ein Teil der Altstadt. Im übrigen muss ich sehr anzweifeln, dass, wie immerfort verkündet wird, die Antragsflut ungebrochen ist. Denn als ich in der Frankfurter Außenstelle Einsicht in meine Akte nahm, war ich im Leseraum stundenlang allein, zwei (!) Personen führten durchgängig die Aufsicht und als ich danach die dortige Ausstellung besuchte, war auch kein weiterer Besucher anwesend. Also: nicht übertreiben! Und sich nicht zu wichtig nehmen.

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