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Hoffnung für Burte

Voller Dankbarkeit: Mutter Jargalmaa Badral (26) mit Tochter Burte, ihrem ersten Kind, und Dr. Jörg Seemann, Chefarzt der Klinik für Radiologie am Werner-Forßmann-Krankenhaus. Viele Helfer trugen dazu bei, dass Burte geholfen werden konnte.
Voller Dankbarkeit: Mutter Jargalmaa Badral (26) mit Tochter Burte, ihrem ersten Kind, und Dr. Jörg Seemann, Chefarzt der Klinik für Radiologie am Werner-Forßmann-Krankenhaus. Viele Helfer trugen dazu bei, dass Burte geholfen werden konnte. © Foto: MOZ
Andreas Gericke / 01.05.2011, 08:00 Uhr
Eberswalde (In House) Von Andreas Gericke*

Ein an einer seltenen Krankheit leidendes mongolisches Kind ist im Werner-Forßmann-Krankenhaus dank modernster bildgebender Verfahren erfolgreich behandelt worden.

8000 Kilometer weit gereist ist eine junge Mutter aus der Mongolei, um ihren Säugling, der an einer seltenen Krankheit leidet, in Eberswalde behandeln zu lassen. Nur wenige Spezialisten können helfen. Einer ist Dr. Jörg Seemann, Chefarzt der Klinik für Radiologie am Werner-Forßmann-Krankenhaus in Eberswalde. Seit 20 Jahren behandelt er Patienten mit arteriove­nöser Fehlbildung (Malformation), kurz AVM genannt. „Es handelt sich um eine seltene angeborene Fehlbildung“, erklärt Jörg Seemann. „Noch dazu um eine ungewöhnliche Variante. Die Malformation befindet sich im Oberschenkelknochen des Kindes – das heißt, hier besteht eine Gefäßverbindung zwischen großen Arterien und Venen. Das Blut aus den Arterien fließt direkt durch die Knochenlücken in die Venen ab und umgeht damit den normalen Körperkreislauf. Eine Folge ist die ständige Überlastung des Herzens und des Lungenkreislaufs mit Blut, eine andere die Fehlentwicklung des Oberschenkels. Die Zukunftsaussichten des Kindes sind ohne Behandlung schlecht.“

Viele glückliche Umstände haben es ermöglicht, dass Burte Badral – so der Name des Kindes – in die Hände des Spezialisten gelangte. „Wir sind dafür unglaublich dankbar“, sagt Dr. Baigal Kutzer. Sie ist die Tante des Kindes und von Beruf Ärztin. Vor mehr als 20 Jahren hat sie in Deutschland Medizin studiert und hier geheiratet. „Über das Internet bin ich mit meinen Verwandten immer in Verbindung.“ So erfuhr sie von ihrem Bruder: Mit seinem Kind war etwas nicht in Ordnung! „Da war immer ein blauer Fleck am Bein, der nicht verschwand, und das Bein schwoll an“, berichtet die Tante. Als Ärztin sprach sie mit ihren Kollegen darüber. Wenn es sich um eine AVM handelte, würde das Kind in der Mongolei nicht behandelt werden können. Gemeinsam mit ihrem Bruder wandte sie sich an die Charité Berlin. Vorn dort wurden sie zur „Embolisationstherapie“ nach Eberswalde, ins Werner-Forßmann-Krankenhaus, empfohlen.

„Ziel der Behandlung war die Ausschaltung der Gefäßfehlbildung unter Vermeidung einer Amputation des Beines“, erklärt Jörg Seemann. „Dazu wurden zunächst in die Venen des Oberschenkelknochens Platinspiralen eingesetzt und die arterielle Seite der Fehlbildung dann mit einem Embolisat gefüllt – einem Spezialkunststoff.“ Dank hochmoderner Diagnosetechnik ließ sich jedes winzige Detail bei der Behandlung genauestens bildlich darstellen. Die Radiologie im Werner-Forßmann-Krankenhaus ist dafür bestens ausgestattet und wird in diesem Jahr noch um ein spezielles Großgerät erweitert – eine Anlage zur biplanaren Angiografie. „Damit kann man kleinste Gefäßveränderungen, vor allem im Gehirn oder Rückenmark, deutlich besser betrachten und noch präziser behandeln“, sagt Jörg Seemann. Das Krankenhaus investiert 1,8 Millionen Euro für die Anschaffung dieser
 3-D-Tech­nik. „Die medizinische Versorgung in Deutschland erfolgt auf sehr hohem Niveau“, so der Chefarzt. „Das darf man bei aller Kritik an manchen Unzulänglichkeiten nicht vergessen.“

Die Kosten für das Material zur Behandlung des Mädchens aus der Mongolei hat die Stiftung „Ein Herz für Kinder“ übernommen. Sie stellte sehr schnell 10 000 Euro zur Verfügung. Sollte das nicht ganz ausreichen, hilft der Förderverein des Werner Forßmann Krankenhauses. Er hat bereits weitere 1000 Euro zugesichert. Jörg Seemann und andere Beteiligte verzichteten auf ein Honorar, das Krankenhaus auf die Verwaltungskosten. „Anders ginge es nicht“, sagt der Chefarzt. „Diese Behandlung ist keine medizinische Routine.“

Die Embolisation war erfolgreich, der extreme Blutfluss wurde gestoppt, und die Schwellung des Beines ging schon deutlich zurück. „Wie sich das Knochenwachstum des Kindes im weiteren Verlauf entwickeln wird, bleibt abzuwarten“, sagt Seemann. „Die Chancen stehen gut. Weil das Kind frühzeitig in unsere Klinik gelangt ist, konnte auf jeden Fall der irreparable Schaden an Herz und Lunge abgewendet werden.“

* Der Autor ist Pressesprecher des Krankenhausbetreibers GLG.

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