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Ängste in der Idylle


Ländlich: Hirschfelde macht einen friedlichen Eindruck – zumindestens auf den ersten Blick. Hinter den Kulissen brodelt es. Nicht alle Einwohner wollen den Plänen von Sonja Moor und ihren Mitstreitern folgen.Foto: MOZ/Sergej Scheibe
Ländlich: Hirschfelde macht einen friedlichen Eindruck – zumindestens auf den ersten Blick. Hinter den Kulissen brodelt es. Nicht alle Einwohner wollen den Plänen von Sonja Moor und ihren Mitstreitern folgen.Foto: MOZ/Sergej Scheibe © Foto: MOZ/Sergej Scheibe
BHORN / 13.05.2011, 20:30 Uhr
Hirschfelde (In House) Von Kai-Uwe Krakau

Wie soll es mit dem „Modelldorf“ weitergehen? Diese wichtige Frage stand im Mittelpunkt der jüngsten Ortsbeiratssitzung in Hirschfelde – Befürworter und Skeptiker kamen sich dabei kaum näher.

Die einen wollen einheimische Produkte vom Feld und aus dem Stall vermarkten, Arbeitsplätze schaffen, dafür sorgen, dass Hirschfelde nicht ausstirbt und eine Zukunft hat. Die anderen fürchten um die dörfliche Idylle, sehen sich von Touristen überrannt. Die einen sind Sonja und Dieter Moor, die Rinderzüchterin und der TV-Star, einige Alteingesessene und weitere Partner. Die anderen sind „Zugezogene“, wie es im Dorf heißt.

Das Thema bewegt die Hirschfelder – und das nicht erst, seitdem kürzlich ein großer Beitrag in einem Nachrichtenmagazin über die Moors erschienen ist. Anderseits haben die Zeilen nicht gerade dazu geführt, dass sich die Gemüter beruhigen. Im Gegenteil. Von Beschimpfungen, verbalen Angriffen, Verleumdungen ist zu hören.

Rund 30 Hirschfelder haben an diesem Abend den Weg ins Gemeindezentrum gefunden, Gegner des Projektes sind da, aber auch glühende Verfechter. „Wir wollen eine ökologisch nachhaltige Landwirtschaft als Ergänzung und Alternative zur konventionellen Produktion“, umschreibt Projektleiter Andreas Strube das Ziel der „Modelldorf“-Idee. Darüber hinaus solle die typische dörfliche Infrastruktur erhalten werden. Der Aufsichtsratschef der Hirschfelder Genossenschaft nennt die weiteren Vorhaben. Im Juni soll vor dem Dorfladen ein Biergarten öffnen, im September wird der Saal ausgebaut und im Oktober geht das Kulturhof-Café an den Start. Weitere Ideen gibt es auch schon. So denkt man über einen Bauernmarkt für Kleinerzeuger nach, prüft, ob sich eine Metzgerei auf dem ehemaligen Flugplatzgelände trägt und wie die Chancen für eine Mikro-Brauerei stehen.

„Das nutzt schließlich allen“, sagt Strube. Es gebe neue Arbeitsplätze, die Abwanderung junger Familien werde gestoppt und die Preise fürs Bauland würden schließlich auch steigen. „Hirschfelde wird attraktiver“, ist der Hönower sicher.

Günter Scharf ist das alles zu viel. „Als wir das Modelldorf-Konzept befürwortet haben, ging es doch nur um ein schöneres Dorf“, sagt das Ortsbeiratsmitglied. „Wir wollen wissen, wohin die Reise geht“, fordert eine andere Hirschfelderin, die ihren Namen lieber nicht in der Zeitung lesen möchte. Immer wieder ändere sich etwas an den Plänen und außerdem sei „schon genug Porzellan zerschlagen worden“, so die Endvierzigerin. Die Ängste vieler Einwohner seien bisher nicht ernst genommen worden, findet eine weitere, ebenfalls „namenlose“, Projekt-Gegnerin. Ein Mann kritisiert das nach seiner Auffassung „mäßige Angebot“ im Genossenschaftsladen. Da platzt Dieter Moor dann doch der Kragen. „Da muss niemand reingehen“, sagt er. Und er appelliert an die Hirschfelder: „Geben Sie uns doch die Chance, dass sich etwas entwickeln kann“. Sonja Moor verzichtet, entgegen ihrer Natur, an diesem Abend lieber darauf, etwas zu sagen.

„Ich habe nichts gegen das Modelldorf, befürchte aber, dass es in eine Richtung geht, die wir nicht wollen“, bekennt Guido Böhnke. Er plädiert für ein unabhängiges Gremium, das die Entwicklung begleitet. „Das sollte man der Dorfgemeinschaft schuldig sein“.

Bürgermeister Burkhard Horn ist deprimiert. „Es ist schade, dass alles, was bisher getan wurde, keine Früchte trägt“, bedauert der Verwaltungschef. Kaum ein Konzept sei so transparent wie das des Modelldorfes. Es habe nie eine Geheimniskrämerei gegeben. „Ich habe Angst um den Dorffrieden“, so Horn.

„Wir werden uns wohl weiter mit dem Thema beschäftigen müssen“, resümiert Ortsvorsteher Lothar Ast nach fast zweistündiger Diskussion. Die „Gegner“ 
rücken geschlossen ab, TV-Mann Dieter Moor raucht vor der Tür noch eine Zigarette.

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