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Rockband EMMA: Begegnung mit dem anderen Brecht

Blättern in „Hauspostille“ und anderen Quellen: Hendrik Duryn, Matthias „Emma“ Hirschfeld und Renate Richter (v.l.) sangen und spielten sich durch den frühen Brecht.
Blättern in „Hauspostille“ und anderen Quellen: Hendrik Duryn, Matthias „Emma“ Hirschfeld und Renate Richter (v.l.) sangen und spielten sich durch den frühen Brecht. © Foto: Thomas Berger
Thomas Berger / 12.09.2011, 21:44 Uhr
Buckow (MOZ) Brecht – das war doch der mit der Dreigroschenoper? Ja. Mit Galilei und Mutter Courage? Ja. Der mit den hochpolitischen Untertönen selbst in Kurzgedichten und dem epischen Theater? Ja, auch der. Doch eben nicht um jenen Bertolt Brecht, schon in seiner späten Schaffensperiode weltberühmt, ging es am Sonntagabend in Buckow. Bei „EMMA rockt Brecht“, dem Konzert zum Finale des Gartenfestes am Brecht-Weigel-Haus, stand Eugen Berthold Friedrich Brecht im Mittelpunkt des Geschehens. Geboren 1898 zu Augsburg, ein junger Mann im Alter zwischen 15 und 22 Jahren, schon zu dieser Zeit überaus schaffensreich. Wenn die Werke sich in Inhalt und Form auch teils deutlich von den späteren unterscheiden.

Es ist eine nur wenig bekannte Seite des Meisters, mit der die Akteure das knapp 100-köpfige Publikum, auf Stühlen oder einfach direkt der Wiese vor dem Haus sitzend, bei dieser Gelegenheit konfrontieren. Ein betagter Brecht-Experte hat das Ganze konzipiert, und Manfred Wekwerth selbst ist überaus angetan von dieser zwölften Präsentation eines besonderen Brecht-Programms, das schon in Nordhausen, Magdeburg und sogar Marburg Erfolge feierte. Auch im thüringischen Bleicherode, woher die Band EMMA stammt.

Anderthalb Stunden lang singen und spielen sich Renate Richter, Hendrik Duryn, Matthias „Emma“ Hirschfeld und die übrigen Musiker durch Brechts Jugendjahre. Von „Der Jüngling und die Jungfrau, eine Keuschheitsballade in Dur“ über Auszüge aus dem 20-jährig geschriebenen „Baal“, die von Renate Richter grandios vorgetragene „Gardinenpredigt“ (1920) bis zu hochgradig ironischen Tagebuchaufzeichnungen. Zumindest im Stil der Betrachtung des eigenen Seins und der gesamten Welt in ihrer Unzulänglichkeit schimmert schon in damaligen Texten der Brecht von später durch. Es geht um Sehnen, Begehren und Sündenfälle zwischen den Geschlechtern, aber auch philosophische Fragestellungen und bereits als junger Mann anklagende Werke gegen den Krieg.

Schallenden Applaus sowie Bravo-Rufe ernten die Akteure für die „Ballade vom toten Soldaten“, auch der kurz angestimmte „Kanonensong“ und „Gegen Verführung“ dürfen zum Thema nicht fehlen. Als abschließend noch die „Ballade von den Seeräubern“ erklingt, erhellen wie als Untermalung bestellt erste Blitze den Himmel über dem Schermützelsee – Wetterleuchten für Brecht.

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