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Abriss der alten Bahnpost

Ende eines geschichtsträchtigen Baus: Die einstige Empfangshalle, später Post und Polizeistation, wird unter großem Aufwand dem Erdboden gleich gemacht. Wegen der Einsturzgefahr können die Holz- und Metalleinbauten erst nach dem eigentlichen Abriss aussor
Ende eines geschichtsträchtigen Baus: Die einstige Empfangshalle, später Post und Polizeistation, wird unter großem Aufwand dem Erdboden gleich gemacht. Wegen der Einsturzgefahr können die Holz- und Metalleinbauten erst nach dem eigentlichen Abriss aussor © Foto: Christina Schmidt
Christina Schmidt / 16.11.2011, 21:00 Uhr - Aktualisiert 18.11.2011, 17:52
Angermünde (MOZ) Neugierig blicken Passanten auf den knirschenden Bagger, bleiben stehen, halten den Abriss mit Fotoapparaten im Bild fest und fragen die Bauarbeiter. Zurzeit wird das seit Jahren leer stehende Gebäude am Bahnhof dem Erdboden gleich gemacht. Einsturzgefahr besteht. Hausschwamm steckt in den Dachbalken, Wasser steht im Keller, Fenster im Erdgeschoss sind bereits seit Jahren mit Metallplatten vernagelt. Das Dach ist undicht und zeigt große Löcher.

Durch die jahrelange Vernachlässigung ist der Abriss offenbar nicht aufzuhalten. Dabei prägte das Haus fast 170 Jahre lang das Gesicht der Stadt. Es handelt sich um das erste Empfangsgebäude, das 1842 anlässlich der neuen Bahnstrecke Berlin-Stettin errichtet wurde. Darüber informiert Lutz Libert vom Ehm Welk- und Heimatmuseum. Erst viel später wurde der heute noch genutzte und weitaus größere Bahnhof gebaut. Viele Jahrzehnte nutzte die Post den stattlichen Bau. Außerdem befanden sich hier Diensträume der Transportpolizei, später vom Bundesgrenzschutz. Doch seit Anfang der 90er-Jahre standen die meisten Teile des Gebäudes leer.

Viele Angermünder fragten sich seitdem, warum das Gebäude trotz hervorragender Lage und zunächst noch guter Bausubstanz nahezu 20 Jahre leer stehen musste und damit zwangsläufig dem allmählichen Verfall preisgegeben wurde. Der Abriss kam jetzt überraschend. Selbst die Denkmalbehörde des Landkreises war zuvor nicht informiert. Allerdings steht das frühere Empfangsgebäude erstaunlicherweise nicht unter Denkmalschutz. Warum es zu keiner Nachnutzung kam, konnte die Deutsche Bahn als Eigentümer gestern bis Redaktionsschluss nicht mitteilen. Auch was zukünftig auf dem Areal passieren soll oder ob vielleicht sogar der Parkplatz für die Bahnreisenden erweitert wird, darüber hüllt sich die Bahn in Schweigen. Und auch deren Pressesprecher Burkhard Ahlert verweist auf die zuständige?DB Immobilien. Selbst die Stadt Angermünde wurde offensichtlich nicht beteiligt.

Der Abriss wird schwieriger als erwartet. Denn Einbauten wie Holzdecken, alte Dachpappe oder die Kachelöfen konnten zuvor nicht entsorgt werden. So reißt der Bagger jetzt Stück für Stück des Hauses ein. Die beauftragten Bahnmitarbeiter müssen Holz- und Metallüberreste aus den Schuttbergen aussortieren. Bis zu vier Wochen könnten die Arbeiten dauern. Bis dahin soll der bisher stark genutzte Parkplatz gesperrt bleiben.

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