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Jürgen Litfin las am Wochenende in der Dorfkirche Hirschfelde aus seinem Buch

Grenzsoldaten töteten seinen Bruder

Blick zurück: Jürgen Litfin las in der Dorfkirche Hirschfelde aus seinem Buch.
Blick zurück: Jürgen Litfin las in der Dorfkirche Hirschfelde aus seinem Buch. © Foto: MOZ/Gallrein
Britta Gallrein / 06.12.2011, 07:45 Uhr - Aktualisiert 06.12.2011, 10:50
Hirschfelde (MOZ) Eine Reise in die Vergangenheit konnten Interessierte aus Hirschfelde am Wochenende unternehmen. Auf Einladung des Vereins Dorfkirche Hirschfelde war Jürgen Litfin zu Gast. Litfin verlor am 24. August 1961 seinen Bruder, der bei seinem Versuch, die Spree nach Westberlin zu überqueren, erschossen wurde. Günter Litfin war das erste Maueropfer der DDR.

Es war bereits der zweite Bruder, den Günter Litfin durch staatliche Willkür verlor. Sein Zwillingsbruder hatte in der Zeit des Nazi-Terrors einen Unfall mit seinem Roller. "Als er zum Arzt gebracht wurde, dachte dieser, ein jüdisches Kind vor sich zu haben und hat ihn mit Narkosemitteln ermordet."

Bruder Günter wollte mit 24 Jahren in den Westen fliehen. Er arbeitete als Schneider, sah im Westen die besseren Berufschancen. Am 13. August machte die DDR-Führung die Sektorengrenze dicht. Was Günter nicht wusste: zwei Tage vor seinem Fluchtversuch war erstmalig ein Schießbefehl ergangen. Am 24. August glaubte er, hinter der Charite am Humboldhafen eine Stelle gefunden zu haben, von wo aus er gut die Spree durchqueren konnte. Er wusste nicht, dass die Staatssicherheit ihn schon länger beobachtete. "Als er springen wollte, gaben die Grenzsoldaten einen Warnschuss ab. Günter sprang trotzdem, schwamm los. Da traf ihn ein Schuss von hinten in den Kopf", berichtet Jürgen Litfin.

Die Familie wird zunächst nicht informiert, erst zwei Tage später erfährt Jürgen Litfin von einem Bekannten mit Westfernsehen, dass sein Bruder getötet wurde.

Die Familie wird seitdem lückenlos von der Stasi überwacht. Jürgen Litfin und seine Frau werden später ebenfalls inhaftiert, sitzen wegen Beihilfe zur Republikflucht im Stasi-Gefängnis Pankow, bevor sie vom Westen freigekauft werden.

Heute betreibt Litfin einen Grenzturm als Museum am Kieler Eck. Es soll an die Mauertoten erinnern. Im vergangenen Jahr kamen 27 000 Besucher, berichtet er. Außerdem hat er ein Buch geschrieben. "Tod durch fremde Hand" erzählt vom Tod seines Bruders.

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Ossi 07.12.2011 - 08:32:43

naiv?

Bei Herrn Litfin möchte ich mich für meine Äußerungen entschuldigen und diese zurücknehmen.

Thomas S. 06.12.2011 - 14:47:30

Schiessen musste niemand!

Ich sollte als Grenzsoldat gemustert werden! Das lag wahrscheinlich am sozialistischen Elternhaus aus dem ich kam. Auf die Frage, ob ich denn auch auf Grenzverletzer schiessen würde, sagte ich , dass ich nicht auf unbewaffnete Menschen schiesse. Ausserdem ausserte ich mich nicht negativ genug über Menschen die unser sozialistisches Paradies verlassen wollen. Danach war das Thema Grenzsoldat erledigt. Zur Fahne musste ich dann mit 25, also in einem Alter, wo dies andere schon hinter sich hatten und eventuell schon mit dem Studium fertig waren. Aber ich habe so auf niemanden schiessen müssen!

der Holgo 06.12.2011 - 13:33:43

Nunja

Im Allgemeinen sehe ich das zwar auch so, dass man als Republikflüchtiger in etwa das Risiko hätte kennen müssen aber das ist ja hier eher ein Ausnahmefall. 11 Tage nach Schließung einer Grenze, die vorher passierbar war, konnte das erste Maueropfer dieses Risiko sicherlich nicht einschätzen.

e. reuter 06.12.2011 - 12:06:44

@Herbert D.("Ossi" mit Rechtsempfinden

Na, da haben wir ihn ja den frustrierten und noch anonymen Mauerschützen. Aber eine IP-Adresse wird er wohl haben. Krude Ansichten und ein geschmackloser, abartiger Kommentar von ihm.

Wossi 06.12.2011 - 11:36:10

der freie wille!

naja, da kann man halt geteilter meinung sein. ich kann mich nicht erinnern, dass republikflüchtlinge durch die sperrgebiete durchgeprügelt wurden. so ziemlich jeder wusste was ihn, "auf dem weg in die freiheit" dort erwarten kann, ähnlich der herdplatte. wer fragt eigentlich die armen grenzer, man kann sich als aussenstehender wohl kaum vorstellen unter welchem druck die jungs standen und wie sie überhaupt damit fertig wurden...

Herbert D.("Ossi" mit Rechtsempfinden) 06.12.2011 - 10:59:47

? ? ?

Welch krudes Rechtsverständnis muss man haben wenn man Opfer von Verbrechen gleichzeitig zu Tätern machen will?! Welche Achtung vor dem Leben anderer muss man haben wenn man mit solchen Aussagen die Taten verharmlost?!

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