Nachdem die Sanierungsarbeiten in demselben noch vor Jahresfrist beendet wurden, steht im März die feierliche Eröffnung einer im Erdgeschoss geschaffenen Gedenkstätte bevor.
Dort soll an Carl Gottlieb Reißiger, der im Haus das Licht der Welt erblickte und später als Königlicher Kapellmeister am Dresdener Hof wirkte; an Thea Labes, die die in Vergessenheit geratenen Reißiger Werke wieder zur Aufführung brachte; und an Albert Baur erinnert werden. Letzterer war 1836 als Diakon nach Belzig gekommen und wohnte im Reißiger Haus.
"Ich bin der Reißiger Stiftung sehr dankbar, dass in einem der Räume an Albert Baur erinnert werden kann", sagt der 76-Jährige aus Lütte. Er ergänzt: "Dieser Mann hatte ein so intensives Leben. Dass auf Museumslänge einzuschmelzen, war sehr schwer für mich".
Angefertigt wurden großformatige Ausstellungstafeln, die jede unter einem anderen Thema steht. Eine widmete Pomp der Thematik "Albert Baur und die Stadt Belzig". Der Betrachter erfährt, dass Baur nicht nur Diakon war, sondern in vielen Belangen auch für die Bürger der Stadt tätig war. Von 1845 bis 1864 unter anderem als Schlichter in Ehestreitigkeiten. Außerdem richtete er eine Suppenküche ein, sodass Bedürftige gespeist werden konnten. 1866, als die Cholera in Belzig um sich griff, erbat er in der Wiesenburger Brauerei Leichtbier für die Belziger Bevölkerung. Das keimfreie Getränk sollte bei der Eindämmung der Colera helfen. Für sein Engagement zugunsten der Stadt beschenkte ihn diese aus Anlass des 50-jährigen Predigerjubiläums im Jahr 1881 mit zwei kostbaren Leuchtern, die heute Baurs Nachfahren hüten.
Weitere Tafeln stehen unter den Themen "Albert Baur und seine Gemeinde", "Albert Baur und seine Zeichnungen", "Albert Baur und das Turnen", "Albert Baur und die Musik" und "Albert Baur und seine Familie".
Jede von ihnen enthält eine Fülle von Informationen, die Baur als Prediger, Zeichner, Musiker, Turner, Vater und Freund vorstellen. Zusätzlich wird eine Vitrine gefüllt, unter anderem mit Büchern von und über Albert Baur und einigen Ausstellungsobjekten. "Ich hoffe, dass weitere dazukommen", so Klaus Pomp weiter.
Zusammen mit den Ausstellungstafeln, die Baur als politisch und kulturell interessierten Menschen vorstellen, wird ein eindrucksvolles Bild über Leben und Wirken des Pfarrers gezeichnet. Aus seiner Sehnsucht nach geistigen Genüssen, an denen es in Belzig in der Mitte des 19. Jahrhunderts mangelte, entstand das Bestreben, die Einwohnerschaft für Kultur und Sport zu begeistern. Oft zog er mit der Zeichenmappe unter dem Arm hinaus in die Natur des Hohen Flämings. Er zeichnete verschiedene Ansichten der Stadt, von denen einige in der Ausstellung gezeigt werden. Baur gab ferner Klavierunterricht und gründete eine Bibelgesellschaft. Die sorgte unter anderem dafür, dass auch mittellose Familien ein Leseexemplar für zu Hause bekamen.1844 hob er den Gustav-Adolf-Zweigverein und ein Lesekränzchen aus der Taufe, in dem auch über Literatur gesprochen wurde. In den Jahren 1845/46 verfasste er die Bücher "Kirchengeschichte in gedrängter Form" und "Schleiermachers christliche Lebensanschauungen".
1861 wiederum schritt er zur Anlage des Turnplatzes an der Brandenburger Straße und packte persönlich beim Bau von einfachen Turngeräten mit an. Im Jahr darauf gründete Baur den ersten Turnverein der Stadt und lud 1863 zu einem Turnfest ein. 1866 lies er von Schülern Friedenseichen auf dem Schützenplatz pflanzen und 1869 gründet er den Gustav-Adolph Frauenverein. 1875, bereits im hohen Alter, kam ihm die Ehre zu, den ersten Spatenstich beim Bau der Eisenbahnlinie und später die Weiherede zu halten. Diese und andere Mosaiksteine aus dem Leben Albert Baurs fügte Klaus Pomp auf den Ausstellungstafeln zusammen.