Egal ob Jutta Felgenträger und ihre Mitarbeiterin VBB-Tickets verkaufen, Lottoscheine entgegennehmen, die Kundschaft mit Reiseproviant versorgen oder mit Informationen über das Planestädtchen ausstatten - die schmucke Bahnhofsuhr im neu sanierten Geschäftsraum begleitet jeden einzelnen Augenblick.

Brücker Bahnhof wird belebt

Vor einem halben Jahr hat sich die Geschäftsfrau mit ihren Angeboten im Brücker Bahnhof eingemietet. „Ein Glücksfall“, so Bürgermeister Matthias Schimanowski. Im kommenden Jahr hofft die Kommune, mit Fördermitteln die Gebäudehülle sanieren zu können.

Ein Geschenk der Stadt Brück

Doch zurück zur Bahnhofsuhr, die es weit und breit kein zweites Mal gibt. Sie war ein Geschenk der Stadt Brück, welches der Bürgermeister zur Geschäftseröffnung überbracht hatte - und ist ein Geschenk, das die Brücker Eckhart Lehmann und Ingo Fichtner entstehen ließen.

Eckhart Lehmann und Ingo Fichtner fertigen die Uhr an

„Eckhart Lehmann ist der Uhrenbeauftragte in unserer Stadt“, erklärt Schimanowski. Als dieser von ihm erfuhr, dass Jutta Felgenträger im Bahnhof ihr Geschäft eröffnet, sagte er zum Bürgermeister, dass „für Jutta“ ein „besonderes Geschenk“ gebraucht werde. Der Grafiker Ingo Fichtner steuerte wiederum das Ziffernblatt mit einer Darstellung des Bahnhofsgebäudes bei. Die stammt aus der Gegenwart, wirkt durch perfektes Bilddesign jedoch wie aus der Vergangenheit und passt so, auf besondere Weise, in das alte Bahnhofsgebäude.

Die Uhr geht niemals falsch

„Ich habe mich sehr über diese Uhr gefreut“, so Jutta Felgenträger und verrät, dass der Blick  zum Zeitmesser jeden Tag aufs neue Freude schenkt. Das sie weder vor- noch nachgehen oder im schlimmsten Fall stehen bleibt, verhindert ein Funksignal aus Mainwipfling bei Frankfurt/Main. Dasselbe wird im Minutentakt gesendet und von der Mutteruhr im Empfangsgebäude empfangen. Auch diese Mutteruhr, die alle Uhren im Bahnhofsgebäude antreibt, hat Eckart Lehmann gebaut. Drei Jahre ist dies mittlerweile her.

Uhrenstillstand im Bahnhof hat ein Ende

Damals hatte die Stadt den alten Schalterraum samt Wartesaal des früheren Empfangsgebäudes der Deutschen Bahn als Servicepunkt eröffnet. Die große Bahnhofsuhr an der Vorderfront des Gebäudes stand damals jedoch noch still, weil die Mutteruhr im Bahnhofsgebäude - der Schrittmacher aller Zeitmesser am und im Bahnhof - demontiert worden war. Mit Lehmanns neu gebautem Zeitmesser endete dieser Uhrenstillstand.

Eine weitere Uhr für die Rückseite des Gebäudes

Nach der schicken neuen Uhr in Jutta Felgenträges Geschäft, will der Brücker für die Rückseite des Empfangsgebäudes noch eine weitere Uhr bauen. An ihren Vorgänger, der 1932 dort installiert worden war, erinnern noch die Befestigungslöcher im Mauerwerk. In jenem Jahr waren am Brücker Bahnhof mit einem Stellwerksanbau, einer Erweiterung des Schalterraumes, einer Verbreiterung des Zwischenbahnsteiges und dem Anbau von fünf Uhren eine Reihe von Modernisierungen zu Ende gegangen.

Geschichtliches zur Brücker Bahnhofsuhr

Im „Zauch-Belziger Kreisblatt“ war damals zu lesen: „Er braucht sich nun nicht mehr als ‚Bahnhof ohne Uhr‘ zu schämen, denn dem Übelstand von einst ist nun mit echt deutscher Gründlichkeit abgeholfen worden. Gleich am Aufgang zur Sperre präsentiert sich mahnend die erste, und auf dem Bahnsteig grüßen vom Dach des neuen Stellwerks herab die beiden anderen, die eine nach Belzig, die andere nach Berlin zu schauend. Abends leuchten ihre glänzenden Scheiben weithin sichtbar. Im Warteraum hängt eine kleinere Schwester der drei größeren von draußen für diejenigen, die sich schnell noch bei ‚Mutter Lüdke‘ erlaben wollen. Sie könnten sonst das ‚Nachsehen‘ bekommen. Im Dienstraum endlich, den Dienstbetrieb streng und unerbittlich beherrschend, schaltet die ‚Mutteruhr‘, zugleich ihre Töchter fest am Gängelband haltend.“ Ihrer Würde entsprechend führte die „Mutteruhr“ den dienstlichen Titel „Regulationshauptuhr“.