Wenig später kann sich die Gemeinde selbst ein Bild vom Klang der alten/neuen Orgel machen und erfährt, dass die Zeit der heulenden Töne endlich der Vergangenheit angehört. Als "windstößig" bezeichnen Orgelexperten einen solchen Zustand.
Mit den Worten "Von Zeit zu Zeit ist es nötig, das Silber zu putzen", führt Pfarrer Matthias Stephan in den Festgottesdienst ein. Mit Blick auf die kleine Buchholzer Kirchengemeinde sagt er: "Sie haben in ihrer Kirche zwar kein Silber geputzt, dafür aber ihre Orgel." Das "Kirchensilber", das 1974 letztmals gereinigt wurde, war ordentlich verdreckt und hatte die Reinigung bitter nötig. Bei der Gelegenheit wurden schadhafte Stellen ausgebessert. Insbesondere die Arbeiten an der Windlade - die einer Lunge gleich das Instrument mit Luft versorgt - verhalfen der Kirchenorgel zu neuem Glanz. Zu guter Letzt wurde die vom Niemegker Orgelbaumeister Friedrich Wilhelm Lobbes geschaffene Orgel neu intoniert.
Sämtliche Arbeiten, die sich über einen Zeitraum von nahezu sechs Monaten erstreckten, erledigte die im Havelland ansässige Orgelbaufirma des Orgelbaumeisters Matthias Beckmann. Beckmann und sein Mitarbeiter Axel Bayerl, die die Arbeiten am Instrument erledigten, waren noch einmal vor Ort und teilten die Freude der Gemeinde über die gelungene Restaurierung. "Der Unterschied ist hörbar. Wenn ich mir etwas wünschen könnte, dann, dass die Orgel möglichst oft so schön wie heute erklingt", so Orgelbaumeister Beckmann vor der Gemeinde.
Die Predigt hatte Pfarrer Matthias Stephan unter das Thema Wind gestellt. Wind - der der alten Orgel über lange Zeit gefehlt hat, so dass sich ihr Klang nicht mehr entfalten konnte. Wind, der durch Orgelbauer gebändigt und kanalisiert, zur "Dienerin der Frau Musica" wird. Während Pfarrer Stephan die Orgelbauer in diesem Zusammenhang als "Luftbändiger" beschrieb, bezeichnete er den Orgelspieler als Künstler, der die "Luftgeister" zum klingen bringt.
Im Anschluss an den Festgottesdienst saß die Gemeinde mit den Orgelbauern, dem Pfarrer und dem Kantor noch bei Kaffee und Kuchen beisammen. Standen Matthias Beckmann und Axel Bayerl allen Interessierten Rede und Antwort, die mehr über die alte Orgel erfahren wollten.
"Sie ist noch vollkommen im Original erhalten", so Matthias Beckmann. Ein Glück also, dass die Gemeinde sie zu keiner Zeit für veränderungs- und besserungswürdig befunden hat. "Sie traf und trifft damit noch immer den Geschmack der Gemeinde", fasst der Orgelbaumeister zusammen.
Erst zweimal - in den Jahren 1946 und 1974 - war die 1880 gebaute Orgel zuvor restauriert worden. An ihren Schöpfer, den Niemegker Orgelbaumeister Friedrich Wilhelm Lobbes, erinnert noch heute eine von ihm hinterlassene Signatur im inneren des Orgelgehäuses. Wer wollte, konnte einen Blick dort hinein werfen und schauen, ob er Lobbes Unterschrift entdeckt.