Die Stadt Bad Belzig ist um einen weiteren Chronikband reicher. Darüber informierte Chronistin Helga Kästner, die das Buch - druckfrisch - dieser Tage in den Handel gegeben hat. Die "Chronik der Stadt Belzig", umfassend die Jahre von 1945 bis 1960, ist für Geschichtsinteressierte eine Pflichtlektüre.

6. Buchband eigentlich nicht geplant

Über die Entstehung dieses sechsten Buchbandes sagt Helga Kästner: "Zunächst war unser Plan, die Materialsuche für Belziger Chroniken mit 1945 abzuschließen. Es sind ab 1894 fünf Bücher, ein Ergänzungsband und mehrere Broschüren zur Belziger Geschichte entstanden. Dann gab es aber die Mutmacher, die meinten, das könne doch nicht alles gewesen sein, die Ereignisse der Nachkriegszeit seien doch auch wichtig und interessant." Und so ging die Arbeit weiter. Mit Unterstützung von Brigitte Otte, Monika Schwarz, Elisabeth Skrabe und Evelyn Schulz gelang Helga und Günter Kästner knapp zehn Jahre nach Vorstellung des ersten Buches dieser Reihe in 2011, die Fertigstellung der neuen Schrift.

240 Seiten Nachkriegsgeschichte

Sie umfasst 240 Seiten und gibt Antwort auf viele Fragen, die mit der Nachkriegsgeschichte verbunden sind.
Wer verwaltete damals die Stadt, die Rote Armee oder schon Deutsche, die ihnen zuverlässig erschienen? Wer wurde eigentlich enteignet, wer waren Opfer und wer die Täter? Die Teilung Deutschlands, das DDR-Wirtschaftssystem, die "führende Rolle der SED" - wie spiegelte sich das in Belzig wieder? "Alle Fragen konnten wir nicht beantworten. Es konnte nur das aufgeschrieben werden, was uns Zeitzeugen berichteten bzw. was wir in Archiven im Rathaus, im Landratsamt, in Potsdam oder Brandenburg fanden", erklärt die Chronistin und sagt, dass die Erstellung dieses Buchbandes bislang am schwierigsten war. Unter anderem weil der Druck des Zauch-Belziger Kreisblatts, auf das sich die Buchreihe bislang stützte, bereits vor Ende des Zweiten Weltkrieges eingestellt worden war.

Helfende Bad Belziger halfen mit privaten Aufzeichnungen

Die entstandene Lücke konnte durch intensive Forschungsarbeit in den Archiven, helfende Bad Belziger die private Aufzeichnungen und Fotografien beisteuerten und geduldig Fragen beantworteten, geschlossen werden.
Erst ab Anfang August 1947 gab es mit dem "Amtlichen Kreisblatt des Kreises Zauch-Belzig" wieder eine Zeitung. Sie erschien wöchentlich, kostete 10 Pfennige und diente unter anderem dazu, die Beschlüsse der Landesregierung, die Befehle der SMAD und Aufrufe des Kreistages der Bevölkerung bekannt zu machen. Aus dem Amtlichen Kreisblatt wurde ab 1950 wiederum die Märkische Volksstimme. Helga Kästner ergänzt: "Viele dieser Zeitzeugnisse muss man kritisch lesen und hinterfragen. Nicht nur in den Zeitungen hatte sich eine manipulierende, doppelbödige Sprache entwickelt. Da werden Menschen beschuldigt, die nichts verbrochen hatten - als Abschreckung. Es werden Erfolge vermerkt, die keine waren. Deshalb wurden an manchen Stellen für die Leser Erklärungen oder Hintergrundinformationen in Klammern ergänzt. Die Zeitzeugen von damals werden die wirklichen Absichten leicht erkennen und die Jüngeren müssen einfach den Älteren sagen, was sie nicht verstehen. Was wir nicht getan haben, ist eine Bewertung dieser Zeit. Das muss jeder Leser allein schaffen oder in historischen Schriften nachlesen."

Mit Ereignissen aus 1960 endet das Buch

Das Buch endet mit dem Jahr 1960. Belzig hatte damals 6.882 Einwohner. Gerhard Dorbritz wurde Bürgermeister der Stadt, das Wohngebiet Klinkengrund war im wachsen begriffen, das alte Bachbett des Belziger Bachs wurde verrohrt und die erste kreisweite Russich-Olympiade ausgerichtet. Der Leser erfährt aber auch, dass aufgrund des Geburtenanstieg die Klassenräume in der Polytechnischen Oberschule nicht mehr ausreichten und dass in der Stadt die erste Burgfestwoche gefeiert wurde.
Info: Chronik Bad Belzig von 1945 bis 1960, ISBN 978-3-947674-26-8 Preis 20,00 Euro