Zur Bad Belziger Stadtgeschichte sind in den vergangenen Jahren bereits viele Druckschriften entstanden. Mit dem „Streifzug durch die Belziger Schulgeschichte“ ist eine weitere dazugekommen. Druckfrisch ist das, durch die Geschichtswerkstatt Belzig e.V. herausgegebene Buch aus der Feder von Bärbel Kraemer und Ralf Grohs ab sofort im Handel erhältlich.

Schule in Belzig - von den Anfängen bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts

Auf 140 Seiten erwartet den Leser allerlei Interessantes zum Thema Schule in hiesiger Stadt - von den Anfängen bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts. In aufwendiger Arbeit wurde im Vorfeld der Veröffentlichung erfolgreich im Kreis- und Landesarchiv gestöbert; für das sprichwörtliche „Salz in der Suppe“ sorgten jedoch Zeitzeugengespräche mit ehemaligen Schülern und Lehrern.
Einige der Zeitzeugen, wie Bad Belzigs früherer Bürgermeister Peter Kiep und Lehrer Joachim Reso, sind bereits vor einigen Jahren verstorben. Um so kostbarer sind die Aufzeichnungen über die Gespräche mit ihnen, die Inge Richter führte.

Schulzeit des ehemaligen Bürgermeisters Peter Kiep

Peter Kiep, von 1990 bis 2008 Bürgermeister von Belzig, wollte sich mit dem Wechsel in den Ruhestand der Heimatgeschichte zuwenden. Doch eine schwere Krankheit machte es ihm nicht mehr möglich, diesen Wunsch zu verwirklichen. Fast elf Jahre ist es her, dass er - den früheren Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker zitierend - sagte: „Eigentlich ist doch jeder Mensch von Beruf ein Zeitzeuge“ und „Es wäre schade, wenn die vielen Erinnerungen, die jeder hat, verloren gehen würden“.
Unter diesem Leitgedanken hat er uns aus seiner Schulzeit erzählt: „Ich bin 1950 mit sechs Jahren in die Schule gekommen, die zu dem Zeitpunkt schon wieder ausschließlich Schule war. Vorher war die Russische Besatzungsmacht im Schulhaus. Ich kann mich erinnern, es muss 1948 oder 1949 gewesen sein, dass russische Soldaten oben im offenen Fenster mit der Ziehharmonika saßen. Mit einem Bein zum Fenster raus haben sie dort Musik gemacht.“ Jener Raum im heutigen Fläming-Gymnasium wurde später sein Klassenzimmer.

Schuldirektor Lochau trug vormittags Krawatte und nachmittags fuhr er Mist

Schuldirektor war damals ein Herr Lochau. Ein Belziger, dessen Vater in der Stadtverwaltung angestellt war. „Tagsüber war er Schuldirektor und nachmittags sahen wir ihn mit einem rot-bunt-weiß-gefleckten Ochsen mit einer Fuhre Mist durch die Stadt fahren. Das war ein tolles Bild für uns: Der Direktor auf der Mistfuhre! Wir Kinder waren beeindruckt: Vormittags trug er eine Krawatte und nachmittags oder abends fuhr er Mist.“
Was für Peter Kiep noch erwähnenswert war: Die Arbeitsgemeinschaft „Schulfunk“. Auf dem Dachboden der Schule war dafür eine Verstärkeranlage installiert worden, mit einer großen Lautsprechertüte, die auf den Schulhof und zur Straße an der Spiegelkreuzung gerichtet war. „Wir konnten die Straße dadurch mit Schallplattenmusik beschallen und entsprechende Durchsagen machen. Ich durfte als Sprecher arbeiten und habe meine erste nachgemachte Friedensfahrt-Reportage abgeliefert, im Stil von Florian Oertel einen Zieleinlauf kommentiert. Alle waren schwer beeindruckt. Damals hat keiner, leider auch meine Eltern nicht, dieses Talent erkannt. Ich wäre leidenschaftlich gerne Journalist in der sprechenden Zunft geworden.“
Das Buch „Streifzug durch die Belziger Schulgeschichte“ ist über die Geschichtswerkstatt Belzig e.V. (033841/31316, geschichtswerkstatt-kraemer@web.de), in der Tourist-Info Bad Belzig und im Buchhandel erhältlich.