„Seit Jahren, seit Jahrzehnten erforschen sie die Geschichte unserer Stadt. Sie haben unzählige Stunden, viele Jahre ihres Lebens investiert, um diese Geschichte und die der Menschen, die in der Stadt gelebt haben und leben, aufzuschreiben. Was für ein Geschenk für uns.“

Bürgermeister Roland Leisegang zollt Respekt

Mit diesen Worten zollte Bad Belzigs Bürgermeister Roland Leisegang (parteilos) den Eheleuten Helga und Günter Kästner Anerkennung und größten Respekt. Während der letzten Stadtverordnetenversammlung des Jahres verlieh er dem Ehepaar Kästner die Ehrenbürgerwürde der Stadt. Bedingt durch die Einschränkungen der Corona-Pandemie musste auf den „großen Bahnhof“ für das feierliche Zeremoniell verzichtet und der Sitzung der Stadtverordnetenversammlung in der Albert-Baur-Halle als Rahmen der Vorzug gegeben werden.

Emotionaler Moment für die Eheleute Kästner

Neben den Kindern der Eheleute hatten sich einige Weggefährten von Helga und Günter Kästner auf den Weg gemacht, um bei der Verleihung der Ehrenbürgerwürde unter Einhaltung aller Abstandsbeschränkungen dabei zu sein.
Für die 85-Jährige Helga Kästner und ihren drei Jahre älteren Ehemann Günter war es ein emotionaler Moment, als der Bürgermeister Roland Leisegang und Ingo Kampf als Stadtverordnetenvorsteher die Ehrenurkunde samt Blütengruß in den Stadtfarben weiß und grün überreichten; verbunden mit dem Wunsch nach Gesundheit.

„Sie sind das Gedächtnis der Stadt“

In seiner Laudatio ging der Bürgermeister mit sehr persönlichen Worten auf das Schaffen der Eheleute ein. Er lobte, dass sie die Ergebnisse ihrer aufwendigen Forschungsarbeit immer als Allgemeingut betrachtet haben. Wohl auch deshalb erfährt ihre Arbeit weit über die Stadt hinaus große Wertschätzung. „Sie sind das Gedächtnis der Stadt“, so der Bürgermeister weiter. Mit großer Rührung und voller Dankbarkeit nahmen die Eheleute die höchste Ehrung, die eine Stadt vergeben kann, entgegen. Helga Kästner versicherte, sich auch weiterhin in den Dienst der Chronikarbeit zu stellen. „Es gibt noch so viel zu tun. Wir sind erst bei 1960“, so die 85-Jährige. Druckfrisch liegt seit gut einer Woche ihre neueste Publikation im Handel vor - sie umfasst die Belziger Stadtgeschichte von 1945 bis 1960.

Mehr als 130 Druckschriften aus der Hand von Helga und Günter Kästner

Das neue Buch reiht sich in die bereits entstandenen mehr als 130 Druckschriften aus der Hand von Helga und Günter Kästner ein. Während sie für das geschriebene Wort sorgte, steuerte er jeweils die Fotos bei. Neben der intensiven Forschungsarbeiten hatten beide über lange Zeit diverse Veranstaltungen und Höhepunkte in der Stadt und der Umgebung mit der Kamera begleitet. Entstanden ist dabei ein Fundus an Fotomaterial, der die Entwicklung der Region offenbart und der teilweise bereits in viele andere Schriften einfloss.

Eintrag in das Ehrenbuch der Stadt wird nachgeholt

Der zur Übergabe der Ehrenbürgerwürde gehörige Eintrag in das Ehrenbuch der Stadt muss - infolge der Pandemie - jedoch nachgeholt werden. Wenn wieder mehr Kontakte zugelassen sind, erfolgt er in gebührendem Rahmen.
2013, als beide mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet wurden, haben sie sich bereits einmal in das Ehrenbuch der Stadt eintragen dürfen. Helga Kästner notierte, dass Landrat Bernhardt von Tschirschky im Jahr 1913 forderte, jeder Ort soll eine Chronik bekommen. „Nach 100 Jahren dürfen wir noch immer seinen Wunsch erfüllen“, schrieb die 85-Jährige damals.
Heute wie damals ist dies für beide eine Herzensangelegenheit. Für all jene, die sich für die Vergangenheit interessieren oder auf der Suche nach Vorfahren sind, ist dies zugleich ein Glücksfall. Und so wird es, wenn jemand auf der Suche nach Informationen ist, wohl auch künftig heißen: Fragt doch mal bei Kästners nach!

Die Ehrenbürgerschaft ist das höchste Gut, welches eine Stadt zu vergeben hat. Verliehen wird sie an Personen, die sich in besonderer Weise um die Entwicklung, das Wohl und das Ansehen der Stadt und ihrer Bürger verdient gemacht haben. Die Ehrenbürgerwürde wurde bereits verliehen an den Lehrer Arthur Krause und den katholischen Pfarrer Erich Tschetschog (beide 1965), die tschechische Widerstandskämpferin Vera Koldawa, die im KZ-Außenlager Roederhof inhaftiert war (1985), die frühere Direktorin und Chefärztin der Chirurgie des Belziger Kreiskrankenhauses Helga Kroening (1990), den früheren Bürgermeister der Stadt Gerhard Dorbritz (2006) und die frühere Kantorin der Belziger Marienkirche Thea Labes (2007).