„Chronikarbeit ist wie Amerika entdecken“, sagt die Bad Belzigerin Helga Kästner. Für einen kurzen Moment schaut sie von ihrem Schreibtisch auf. Es ist der Ort, an dem die 85-Jährige einen großen Teil ihrer Zeit verbringt. „Es sind noch so viele Mosaiksteine zusammenzufügen“, so Helga Kästner weiter.

130 Bücher sind bereits entstanden

Millionen von Mosaiksteinen hat sie bereits zur Geschichte der Stadt Bad Belzig und der Region zusammengefügt oder andere Chronisten bei der Erstellung von Druckschriften unterstützt. Mittlerweile sind so mehr als 130 Bücher entstanden.
Ehemann Günter, seine Leidenschaft ist die Fotografie, hat für viele Bücher Bilder beigesteuert und über Jahre diverse Veranstaltungen und Höhepunkte in der Stadt und der Umgebung mit der Kamera begleitet. Entstanden ist ein Fundus an Fotomaterial, der die Entwicklung der Region offenbart.

Ehrenbürgerwürde der Stadt Bad Belzig

Für ihr Engagement werden die Eheleute Kästner jetzt mit der Ehrenbürgerwürde der Stadt Bad Belzig bedacht. Der entsprechende Beschluss durch die Stadtverordnetenversammlung liegt erst wenige Tage zurück. Genau wie der darauf folgende Anruf von Bürgermeister Roland Leisegang (parteilos), der Helga und Günter Kästner die Botschaft überbrachte. „Es war 17.45 Uhr, ich saß am Schreibtisch“, erzählt die 85-Jährige. Nach dem Telefonat berichtete sie ihrem Ehemann von der Nachricht.

Urkunde und Blumengruß im kleinen Rahmen

Am 14. Dezember, im Rahmen der nächsten Stadtverordnetenversammlung, soll die Ehrenbürgerwürde via Urkunde und Blumengruß übergeben werden. „Bedingt durch die Corona Pandemie müssen wir den kleinen Rahmen wählen“, so der Rathauschef. Wenn wieder mehr Kontakte zugelassen sind, wird in gebührendem Rahmen der Eintrag der Eheleute in das Ehrenbuch der Stadt nachgeholt.
„Wenn ich es wegdrehen könnte, würde ich es tun“, sagt Helga Kästner bescheiden und erinnert an all die Menschen, die sie bei ihrer Arbeit unterstützt haben. Jetzt selbst im Rampenlicht zu stehen, die größte Ehrung die eine Stadt verleihen kann entgegennehmen zu können - muss wohl noch einige Tage verdaut werden.

Bei vorherigen Ehrungen waren Kästners dabei

Dann erinnern sich die beiden an Gerhardt Dorbritz und Thea Labes. Als ihnen die Ehrenbürgerwürde verliehen wurde, hat der mittlerweile 88-jährige Günter Kästner diese Augenblicke mit der Kamera begleitet und für nachfolgende Generationen im Bild festgehalten. Jetzt werden am großen Tag, der den Eheleuten Kästner gebührt, andere auf die Auslöser der Kameras drücken und den besonderem Augenblick festhalten.

„Es gibt noch viel zu tun“

Bis dahin wird sich am „Alltag“ der Eheleute nicht viel ändern. Helga Kästner wird wie jeden morgen nach dem Frühstück ihren Platz am Schreibtisch einnehmen, um Mosaiksteine der Geschichte zusammenzufügen. Günter Kästner wird sein Fotoarchiv öffnen, um die Worte, die seine Frau auf das Papier bringt, mit Bildern lebendig werden zu lassen.
„Es gibt noch so viel zu tun“, sagen beide und erzählen von in Arbeit befindlichen Projekten. So können sich die Bad Belziger pünktlich zu Weihnachten auf einen Fortsetzungsband der Bad Belziger Zeitungschronik freuen. „Sie umfasst die Jahre von 1945 bis 1960. „Ein schweres Buch, weil es erst nach 1950 wieder Zeitungen gab“, erklärt die 85-Jährige. Und auch berühmten Belzigern ist sie weiter auf der Spur. „Ich finde immer wieder neue“, so Helga Kästner. Ehemann Günter nickt bestätigend. Längst gehören die beiden selbst dazu.

Ehrenbürger


Die Ehrenbürgerschaft ist das höchste Gut, welches eine Stadt zu vergeben hat. Verliehen wird sie an Personen, die sich in besonderer Weise um die Entwicklung, das Wohl und das Ansehen der Stadt und ihrer Bürger verdient gemacht haben. Die Ehrenbürgerwürde wurde bereits übergeben an: den Lehrer Arthur Krause und den katholischen Pfarrer Erich Tschetschog (beide 1965), die tschechische Widerstandskämpferin Vera Koldawa, die im KZ-Außenlager Roederhof inhaftiert war (1985), die frühere Direktorin und Chefärztin der Chirurgie des Belziger Kreiskrankenhauses Helga Kroening (1990), den früheren Bürgermeister der Stadt Gerhard Dorbritz (2006) und die frühere Kantorin der Belziger Marienkirche Thea Labes (2007).