Schauspieler, Zeichner, Sammler, kreativer Geist, Ehemann, Vater - und Pfarrer! Wahrlich zahlreiche Talente stecken im Niemegker Geistlichen Daniel Geißler. An seinem schauspielerischen Talent,  den Wortschöpfungen, den Reinem und Zeichnung lässt er die Niemegker in regelmäßigen Abständen teilhaben.
Was aber viele derer nicht wissen werden, ist die Sammelleidenschaft, der Geißler seit seiner frühesten Kindheit frönt. Comics haben es dem 43-Jährigen angetan. Und das seit 38 Jahren!

Erstes Mosaik-Heft mit fünf Jahren

„Im Juli 1982 fuhren meine Eltern, meine Schwester und ich mit dem Trabbi in den Urlaub“, erinnert sich Daniel Geißler, als wäre es gestern gewesen. Um Streitereien unter den Geschwistern zu vermeiden, kauften die Eltern dem Fünfjährigen ein Mosaik-Heft. „Ich konnte noch nicht lesen, aber die Bilder haben mich fasziniert.“ Nach dem Schuleintritt ließ sich der ABC-Schütze in unregelmäßigen Abständen Mosaik-Hefte kaufen. Monatlich ein Heft, akkurat zum Schutz vor der Schwester in Mappen aufbewahrt.

Donald Duck-Hefte für das DDR-Kind in weiter Ferne

Die Leidenschaft für Comics war erwacht, ließ sich allerdings fern ab der DDR-konformen Hefte schlecht ausüben. Auf die Frage einer Lehrkraft in der Schule, was er denn machen möchte, wenn er erwachsen ist, antwortete Daniel Geißler, dass er in den Westen fahren, dort Donald Duck-Hefte kaufen möchte, um sie in der DDR zu verkaufen. Was zu einigen Irritationen führen sollte. „Beim Elternabend wurde meinen ahnungslosen Eltern die DDR-Flucht vorgeworfen. Ich sorgte dann für Aufklärung.“

Comic Salon Erlangen erweiterte seinen Horizont

„Als Jugendlicher bin ich in den Apoldaer Mosaik-Fanclub eingetreten. Im Jahr 1996 las ich vom Comic Salon in Erlangen und machte mich auf den Weg. Comiczeichnerin Lona Rietschel, die die Abrafaxe erfand und damit die DDR-Kult-Comic-Serie Mosaik, wollte ich treffen. Am Bahnhof erwischte ich sie und ließ mir die mitgeführten Hefte signieren. Der Comic Salon erweiterte meinen Horizont, öffnete den Blick auch für andere Comics.“

Zeichnen und schauspielern sind noch heute des Pfarrers Hobbys

Und so war Geißler Gründungsmitglied des Leipziger Comic Stammtisches, besuchte Messen, lernte Zeichner kennen, knüpfte Kontakte zu Verlagen. Die Leidenschaft für Comics, fürs Zeichnen ist heute noch groß, auch wenn dem voll berufstätigen Pfarrer, Ehemann und dreifachem Vater wenig Zeit dafür bleibt. „Zeichnen und schauspielern sind noch heute meine Hobbys“, so der Pfarrer, der als Student 2003 und 2004 für die Kirchenzeitung kreativ wurde. „Seit 2006 bin ich nicht mehr zu Messen gefahren. Dennoch bin ich in dem Metier auf dem neuesten Stand. Ich schließe Lücken in meinen Reihen und erwerbe Neuerscheinungen. Die Sammlung wächst weiter.“

Sammlung Geißlers im Niemegker Pfarrhaus

Nach Niemegk zog Familie Geißler 2011. Bisher sind im Pfarrhaus 14 große Regale und zwei Schränke voller Comics untergekommen - die weiteren Sammelleidenschaften nicht aufgezählt. Stolz ist der Pfarrer auf die Werke. Beginnend beim ersten Heft, welches er mit fünf Jahren erhielt, über von Floyd Gottfredson und Carl Barks signierte Werke, bis hin zum ältesten Comic der Sammlung aus dem Jahr 1910. Das liebste Comic der umfangreichen Sammlung? „Cerebus. Die Geschichte eines Erdferkels des kanadischen Karikaturisten Dave Sim.“
Zum Lesen der neuen Comics kommt Geißler im Alltag selten. Meist nimmt er mehrere Ausgaben mit in den Urlaub.