Seit einem Jahr ist die Corona-Pandemie das beherrschende Thema - in allen Bereichen des Lebens. Seit gut drei Monaten ist, infolge des zweiten harten Lockdowns, das öffentliche Leben wieder auf ein Minimum zurückgefahren. Unternehmer, die in kleinen Städten wie in Bad Belzig Handel treiben, trifft diese zweite verordnete Auszeit hart. Nachdem der erste Lockdown im Frühjahr bereits viele Geschäftsleute schwer traf, hat sich die Situation noch einmal deutlich verschärft.

Modehändlerin Ellen Ehle bleibt auf Winterkollektion sitzen

„Ich hatte gehofft, wenigsten Mitte Februar wieder öffnen zu dürfen“, sagt Modehändlerin Ellen Ehle. Eigentlich wäre jetzt die Zeit, in der Mützen, Mäntel, Schals und Pullover aus der Winterkollektion noch zu vergünstigten Preisen an die Frau beziehungsweise an den Mann gebracht werden könnten. Ihre Hoffnung, wenigstens noch etwas Ware aus dem Sortiment verkaufen zu können, hat sich zerschlagen. „Wer kauft Mitte März noch Wintermode.“ Während der verordneten Schließzeit auf den Onlinehandel umzustellen, ist für die Bad Belziger Geschäftsfrau keine Option gewesen. Sie erklärt, dass diese Form des Verkaufs für ein kleines Geschäft wie das ihre zu aufwendig wäre. Was bleibt ist eine leere Kasse, laufende Nebenkosten und Ware, die weiter auf kauffreudige Kundschaft warten muss.

Blumenhändlerin Anke Horn setzt auf Bestellung per Telefon und Einzelabholung

Auch für Anke Horn - Blumenhändlerin in Bad Belzigs Mitte - ist der Onlinehandel keine Alternative. „Blumenbestellung nehme ich ungern online entgegen“, sagt sie und erklärt, dass dabei zu oft hin und her geschrieben werden müsste. Als machbar hat sich hingegen die Telefonie in der Krise bewährt. Wer einen Blumengruß kaufen möchte, ruft im Geschäft an und bestellt den Strauß nach seinen Wünschen. Im Rahmen des Telefonats wird dann jeweils ein Abholtermin ausgemacht. Zur verabredeten Zeit darf der Kunde an der Ladentür klingeln. Die Tür öffnet sich und der Kunde kann, auf dem Gehweg vor dem Geschäft so lange wartend, dann seinen Blumenstrauß in Empfang nehmen. „Dieses Angebot wird von Blumenliebhabern gern angenommen. Wir bieten zusätzlich auch einen Lieferservice an“, sagt die Expertin für alles grünende und blühende und ergänzt: „Wir freuen uns über jede Bestellung“. Denn auch sie musste ihre Mitarbeiterinnen in Kurzarbeit schicken und der Blumenbestellservice hilft nur, die größte Not zu überbrücken. „Es ist schwer durchzuhalten“, so Anke Horn.

Schreibwarengeschäft von Carola Höhne überlebt dank Betriebskunden

Geschlossen ist auch das Schreibwarengeschäft von Carola Höhne. Sie sagt: „Ich hoffe, dass wir diese Zeit überstehen“ und erzählt, dass Betriebskunden - die durch das Fachgeschäft beliefert werden - derzeit der Rettungsanker für das Geschäft sind. Die daraus resultierenden Einnahmen sind zwar nur ein Tropfen auf den sprichwörtlichen heißen Stein, aber sie helfen, die schwierige Zeit zu überwinden. „Es muss ja weiter gehen“, so die Geschäftsfrau, die mit Waren handelt, die während des Lockdowns eigentlich dringend gebraucht werden. Dazu gehören beispielsweise Schreibhefte für Kinder in den unteren Klassen mit besonderer Lineatur, die es in Supermärkten nicht zu kaufen gibt. Denn auch im Homeschooling muss geschrieben werden. Damit der Nachwuchs mit derlei Materialien ausgestattet bleibt, können diese bei den Höhnes per Telefonanruf bestellt werden; genau wie Druckerpatronen und anderes, damit auch der Arbeitstag daheim funktionieren kann. Die Ware wird, nach telefonischer Bestellung wie abgesprochen, dann an der Ladentür übergeben.
So versuchen Geschäftsleute - jeder auf seine Weise - die schwierige Zeit der Pandemie, die das Leben in der Innenstadt nahezu lahm gelegt hat, irgendwie zu überbrücken. Schlaflose Nächte sind wohl für alle damit verbunden.
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