Vorsichtig zog Drittklässlerin Melisa Akinci an der roten Schleife und packte so ein ganz besonderes Geschenk aus. Für die Wiesenburger Grundschule am Schlosspark war nämlich schon Bescherung. Sie durfte die ersten fünf interaktiven Schultafeln in Empfang nehmen.

„Digitalpakt Schule 2019-2024“

Die Anschaffung war durch die Antragstellung des Förderprogramms des Bundes „Digitalpakt Schule 2019-2024“ möglich geworden. Um die Kommunen im Landkreis Potsdam-Mittelmark in der Umsetzung des Programms zu unterstützen, hat der Kreistag am 4. März 2021 das „Infrastrukturpaket 2021 – 2024 Digitalisierung der Bildungssysteme“ beschlossen. Die entsprechende Richtlinie wurde von der Wirtschaftsförderung des Landkreises erarbeitet und konnte am 1. Juli mit den Unterlagen zum Antragsverfahren allen Kommunen zur Verfügung gestellt werden. Antragsfrist war der 31. August, verbunden damit, dass die Mittel noch im Jahr 2021 ausgeben werden müssen.

Beantragt wurden Active Panels, Tablets, Ladewagen, Accesspoints und Zubehör

„75.000 Euro konnten maximal über eine Festbetragsfinanzierung abgerufen werden. Für Wiesenburg/Mark sind das in Zahlen rund 89 % der beantragten Summe aus dem eigentlichen Digitalpakt. Also fast ein Geschenk, wenn man die Relationen von Aufwand und Nutzen sieht und wenn man natürlich bereits einen Plan in der Schublade hat. Da Schulleitung und der Schulträger in engem Austausch zur Digitalisierung der Schule stehen, war eigentlich klar, welches Equipment für zukünftige Lehr- und Lernstrukturen in der pädagogischen Arbeit zuerst Priorität haben. Beantragt wurden fünf Active Panels, ein Klassensatz Tablets, zwei Ladewagen, zahlreiche Accesspoints und entsprechendes Zubehör für die Endgeräte“, erklärt Anne Eilzer von der Gemeinde Wiesenburg/Mark.

Bund stellt 15,1 Millionen Euro zur Verfügung

Es könnte alles auch viel schneller gehen, wie auch Karsten Gericke von der Abteilung Wirtschaftsförderung des Landkreises Potsdam-Mittelmark feststellt. Aber das Land tut sich schwer mit den notwendigen Richtlinien und Vereinbarungen. Das ist, wie oft, Bürokratie in Vollendung, denn das Geld ist eigentlich schon seit Anfang des Jahres da. Es stehen 15,1 Millionen Euro vom Bund für digitale Endgeräte zur Verfügung. Dazu muss das Land ermitteln, wie viele Pädagogen es gibt. Und vor allem feststellen, welche Schulen eine Grundausstattung benötigen. Das sind im Moment vorrangig die Schulen in ländlichen Gebieten, stellt Karsten Gericke fest, in Städten und im Berliner Speckgürtel sind die Schulen meist gut ausgestattet. Warum das alles so lange dauert, kann Gericke nicht nachvollziehen. Deshalb freut er sich, dass der Landkreis so schnell Fördermittel freigegeben hat, um die Schulen zu unterstützen.

Schulleiterin Susan Lodge ist erfreut über Fördermittel

Auch Schulleiterin Susan Lodge freut sich über die Unterstützung. „Die Mittel aus dem Digitalpakt sind nur ein Tropfen auf den heißen Stein“, sagt sie und ist froh, dass nun auch von anderen Seiten Geld fließt. Gerade die Corona Lage hat gezeigt, wie wichtig Arbeiten auf digitaler Ebene ist. Der Anfang ist mit den ersten fünf Tafeln gemacht. Eine kostet mit Installation, Garantie und Schulung 9.000 Euro. Dazu kommt vorerst ein Klassensatz Tablets. Weitere werden Stück für Stück beschafft, ebenso wie Notebooks, Tafeln, Sicherheitstechnik und Software. Der gesamte Maßnahmeplan geht bis 2027.

Infrastruktur in der Grundschule wird geschaffen

Jetzt heißt es, in der Grundschule die notwendige Infrastruktur zu schaffen. Das bedeutet Kabel zu verlegen, Access Points anzubringen und die IPads einzurichten. All das soll im Sommer abgeschlossen werden und etwa 260.000 Euro kosten. Alles, was bisher angeschafft wurde, ist über das jetzige, wenn auch rudimentäre, Netz bereits nutzbar. Die Tafeln sind mit W-LAN verbunden, können aber auch offline genutzt werden.

Schule und Gemeinde stellen Steuerungsgruppe zusammen

Um die Technik kümmert sich eine Steuerungsgruppe, bestehend aus Annemarie Zipfel und Riccardo Krenzel vom Lehrerkollegium sowie Anne Eilzer und Ricardo Krippner von der Gemeinde. Annemarie Zipfel hat sich schon intensiv mit allem beschäftigt. Einige Erfahrungen hat sie bereits während ihres Studiums und ihrer Tätigkeit am Gymnasium in Bad Belzig gesammelt. So konnte sie während der Zeit des Homeschoolings den Eltern bereits große Unterstützung geben. Sie wird als Administrator in der Schule bei Problemen direkt helfen können. Ungeduldig wartet das Kollegium aber auch auf die eigenen Endgeräte. Mit diesen können sie Tafelbilder zu Hause vorbereiten und diese dann auf die großen Tafeln übertragen. Mit den Tafeln ist vieles möglich. Die Ängste, dass die Kinder das Schreiben verlernen, sind unbegründet, denn man kann auf den Tafeln richtig schreiben. Dazu kann eine entsprechende Lineatur hinterlegt werden. Auch Hintergrundfarben können verändert werden, was die Klasse 3c auch gleich ausprobierte – passend zur Weihnachtszeit wurde die Tafel rot.

Erste Kosten konnten mit der Förderung fast komplett abgedeckt werden

Wiesenburgs Bürgermeister Marco Beckendorf dankte dem Landkreis für den Vertrauensvorschuss und begrüßte die neue Art des Lernens. „Bald wird das alles Standard sein“, so Beckendorf und freut sich über die einfache und gute Richtlinie des Landkreises Potsdam-Mittelmark. Zumal die ersten Kosten mit der Förderung fast komplett abgedeckt werden konnten. Lediglich wenige Cent müssen aus dem Haushalt beglichen werden. „Wenn das jetzt jedes Jahr kommt, wäre es perfekt“, schmunzelt der Rathauschef. Das kann Karsten Gericke nicht versprechen, wohl aber, dass es wieder 750.000 Euro vom Landkreis geben wird. Da muss sich nun aber Wiesenburg hinten anstellen, denn auch andere ländliche Schulen wollen ein wenig Unterstützung aus dem Fördertopf haben. „Die Aktion des Landkreises Potsdam-Mittelmark kann als Beispiel für ganz Deutschland dienen“, sagt Karsten Gericke. So könne man den Schulen schnell und unbürokratisch helfen. Im März wurde darüber im Kreistag diskutiert und jetzt ist die Sache schon abgeschlossen, das ist wohl eine der schnellsten Fördermittelvergaben, die je stattgefunden hat.
So ist ein erster kleiner Meilenstein für digitales Lernen geschafft und der Startschuss in Wiesenburg an der Grundschule „Am Schlosspark“ erfolgt. Im Frühjahr 2022 kann die digitale Schule Fahrt aufnehmen und in die Zukunft weisen.