„Sie sind hier, weil Sie sich Sorgen machen“, begrüßte Superintendent Siegfried Thomas Wisch die etwa 50 Interessierten in der Bad Belziger Marienkirche.  Das Thema „Gemeinde und Körperschaft“ bewegt offenbar viele im Landkreis Potsdam-Mittelmark.

Anzahl von Kirchenmitgliedern

Wie viele Mitglieder braucht eine Kirchengemeinde, um weiterhin eine selbstständige Körperschaft öffentlichen Rechts zu sein? Zum Gespräch über diese Frage waren Pröpstin Dr. Christina-Maria Bammel und die Rechtsanwältin der Landeskirche Heike Koster in den Hohen Fläming gekommen.
Bammel fragte die Runde in ihrem Eingangsstatement u.a.: „Wann ist eine (Kirchen-)Gemeinde eine Gemeinde, in der man gern ist?“ Sie appellierte in warmen Worten, sich nicht daran festzuklammern, dass die Kirchenmitglieder immer weniger werden. „Wir werden nicht gezählt, sondern gewogen.“

Sinkende Zahl an Kirchenmitgliedern

Hintergrund ist, dass die Zahl der Kirchenmitglieder stetig sinkt, von 2018 zu 2019 zum Beispiel von 940.000 auf 914.000. Mit vielen Fragen übernahm Bammel es, die Teilnehmer für die Probleme der Organisation der Kirche zu öffnen: „Haben wir genügend Raum, Kraft und Ressourcen? Sind wir in den jetzigen Strukturen noch gut wirksam? Welche Struktur hilft uns?“ Sie und Koster sind überzeugt, dass es „Zeit für neue Wege“ sei, dass es Kooperation statt Abgrenzung, Öffnung statt Abgrenzung benötige.

Organisationsstrukturen ändern

Koster sah drei Möglichkeiten, auf die jetzige Situation zu reagieren: Zu verzweifeln, sie zu ignorieren oder sich zu professionalisieren? Für letzteres schlug sie unter anderem vor, die Organisationsstruktur zu ändern und rechtsfähige Körperschaften nur noch ab 300 Gliedern einzurichten. Damit sollen die Gemeinden von den zahlreichen bürokratischen Aufgaben entlastet werden. Diese sind immens. Immerhin sind 178 Kirchen und 111 Friedhöfe zu verwalten. Auch moderne Anforderungen wie der Datenschutz binden Ressourcen.

Niemegks Pfarrer Geißler

Viele Pfarrer bestätigten diesen zunehmenden Aufwand. Beispielsweise fand es der Niemegker Pfarrer Daniel Geißler durchaus verlockend, künftig nicht mehr elf Haushaltspläne aufstellen zu müssen, sondern nur noch einen. Gleichzeitig befürchtete er jedoch, dass sich zahlreiche Ehrenamtliche draußen fühlen würden und verloren gehen könnten, sollte ein Gesamtkirchenrat seine bisherigen neun Kirchenräte ersetzen. Sollte aber alles so bleiben und nur eine Ebene dazukommen, dann hätte er mehr statt weniger Verwaltungsarbeit. Auch Matthias Stephan, Pfarrer in Raben und Rädigke, sieht dieses Problem: „Je höher die Ebene, desto schwieriger ist es, Ehrenamtliche zu gewinnen.“

Große Verantwortung, trotz aller Probleme

Einig waren sich die Anwesenden in der großen, über die Kirche hinausweisenden Verantwortung, die trotz aller Probleme auf der Kirche lastet. In vielen Dörfern wurden die Post, die Gasthöfe und der Konsum längst geschlossen. Geblieben sind die Feuerwehren und die Kirchen. Eindringlich machte der Ortsvorsteher aus Lühnsdorf, Hellmut Theo Herbert, deutlich: „Wenn der ländliche Raum weiter aufgegeben wird, werden andere politische Kräfte das Feld besetzen.“

Gemeinsam in die Zukunft schauen

Insgesamt befindet sich die Evangelische Landeskirche auf dem Weg. Bammel bekannte zum Schluss jedoch noch einmal: „Es gibt keinen fertigen Plan. Wir müssen vielmehr gemeinsam herausfinden, wie wir uns aufstellen wollen.“ Auf eine ihrer letzten Fragen nach dem, was auf keinen Fall auf diesem Weg passieren solle, gab es aus dem Auditorium eine klare Antwort: „Selbstbeschäftigung.“ Das Thema darf nicht zu groß werden.