Was bürgerschaftliches Engagement zu leisten vermag, lässt sich am Beispiel der Dorfkirche von Garrey wunderbar zeigen. Dorthin führte Wolfgang Lubitsch, er gehört zu den Gründungsmitgliedern des Netzwerks „Dorfbewegung Hoher Fläming“, die mehr als 35 Teilnehmer des Dörfertreffens am Sonnabend im Garreyer Gemeindehaus.

Engagierte Dorfbewohner retteten Gotteshaus

Unter ihnen waren Kreistagsmitglieder und Vertreter aus Ortsbeiräten, Vereinen und anderen Institutionen. Ihnen berichtete Lubitsch, dass es 2011 schlecht um die Garreyer Dorfkirche stand - sie war einsturzgefährdet. In dieser Folge fand sich eine Gruppe engagierter Dorfbewohner zusammen, die sich der Rettung des denkmalgeschützten Bauwerks annahm. Der Initiative gehörten Christen und Atheisten gleichermaßen an. Sie stellten sich der Herausforderung und machten anfangs unmöglich erscheinendes möglich. 2017, zum Reformationsjubiläum, konnte die Kirche nach aufwendiger Sanierung wieder geweiht werden. Heute ist sie ein lebendiger Ort, an dem nicht nur Gottesdienste gefeiert werden, sondern auch Ausstellungen und andere kulturelle Veranstaltungen stattfinden.

Treffen in Corona-Zeiten

Dass das Dörfertreffen in Garrey stattfand, hatte jedoch nicht mit der erfolgreich sanierten Kirche zu tun. Vielmehr war diese Entscheidung den geltenden Corona-Beschränkungen geschuldet. Im Garreyer Gemeindehaus war mehr Platz als am ursprünglich vorgesehenen Veranstaltungsort in Wittbrietzen.
Zu Beginn des Dörfertreffens ließ Siegfried Frenzel, Bürgermeister der Gemeinde Rabenstein/Fläming und zugleich Mitglied im Sprecherrat des Netzwerks „Dorfbewegung Hoher Fläming“ die Entwicklung desselben Revue passieren. Vom Start im Oktober 2016 über die Gründungsveranstaltung im März 2017 bis hin zur Erarbeitung eines Leitbildes.

„Parlament der Dörfer“ in Vorbereitung

Ralf Rafelt, er gehört ebenfalls zu den Gründungsmitgliedern des Dörfernetzwerks im Hohen Fläming und arbeitet mittlerweile auch im Vorstand des Vereins Dorfbewegung Brandenburg mit, stellte den Verein und dessen Ziele vor. Aktuell wird unter anderem das „Parlament der Dörfer“ vorbereitet. Es ist im Koalitionsvertrag der Brandenburger Landesregierung verankert und soll im Juni 2021 in der Heimvolkshochschule Seddiner See stattfinden.

Solide Finanzausstattung der Dörfer gefordert

Eine der zentralen Forderungen die die Dorfbewegung Brandenburg formuliert hat, ist eine solide Finanzausstattung der Dörfer zur Erfüllung ihrer gesetzlichen Aufgaben. Für die erfolgreiche Durchsetzung dieser und weiterer Forderungen braucht es laut Rafelt jedoch noch mehr Dörfer, die sich in der Bewegung engagieren. Aktuell hat der Verein 23 Mitglieder und mehr als 70 Sympathie bekundende Mitstreiter. Ziel ist, ein landesweites Dörfernetzwerk aufzubauen. Konkret sollen elf weitere Netzwerke gebildet und regionale Dörfertreffen im gesamten Land Brandenburg etabliert werden.

Brandenburger Dörfer arbeiten zusammen

„Dörfer setzen Impulse“, betonte Ralf Rafelt. Er betonte zudem, dass in Brandenburg als einzigem Bundesland eine Dorfbewegung ins Leben gerufen wurde und man in dieser Folge Deutschland auch auf internationalen Treffen vertrete.
Auf die Informationsrunden sowie dem Spaziergang zur Dorfkirche folgten Gespräche in Arbeitsgruppen. Themen, die den Menschen in den Dörfern „unter den Nägeln brennen“, wurden dabei konkretisiert, um sie im „Parlament der Dörfer“ im kommenden Jahr einbringen zu können.

Örtliche Lösungen statt starrer Landesvorgaben

Dabei wurde deutlich, dass man sich im Hohen Fläming örtliche Lösungen statt starrer Landesvorgaben wünscht. Diesen Wunsch erläuterte Rafelt am Beispiel von Radwegen. „Die müssten auf dem Land nicht genau so breit sein wie in den Städten, wo viel mehr Menschen unterwegs sind“. Der weitere Ausbau des öffentlichen Personennahverkehrs, mehr Selbstverwaltung für die Dörfer, eine Korrektur des Finanzausgleichsgesetzes sowie die weitere Anbindung an das schnelle Internet und eine bessere medizinische Versorgung auf dem Land wurden als weitere Eckpunkte thematisiert, die in das „Parlament der Dörfer“ eingebracht werden sollen. Am Ende der Veranstaltung zog Mitorganisator Ralf Rafelt eine rundum positive Bilanz. Er sagte: „Dass Vertreter mehrerer Fraktionen des Kreistages dabei waren, hat mich ganz besonders gefreut. Dieser Kontakt hatte uns bislang noch gefehlt“.