Damit verbunden verschwindet eine der letzten Bauruinen in Bad Belzig, die immer wieder für Diskussionen gesorgt hatte. Auf der für das Vorhaben ins Auge gefassten Fläche hatte vor der Wende ein Getreidewirtschaftsbetrieb sein Domizil. Die noch vorhandene Bebauung ist teils einsturzgefährdet, das Areal teils mit Schadstoffen, aus der ursprünglichen Nutzung stammend, belastet.
Anders als in 2018, als die damaligen Stadtverordneten sich gegen die Ansiedlung eines REWE-Marktes an genanntem Standort aussprachen, votierten beim neuerlichen Anlauf elf Abgeordnete aus den Reihen der SPD, der CDU und der Wählergruppe "Wir vom Dorf" für das Projekt. Dagegen stimmten Parlamentarier der Grünen, der Linken und des Gewerbevereins. Drei Abgeordnete enthielten sich der Stimme.
Simone Lüdecke, Chefin des Gewerbevereins, fürchtet, dass der neue Markt eine "riesengroße Konkurrenz für die Innenstadthändler" wird. Den erneuten Anlauf der REWE-Gruppe bezeichnete sie als einen "Schlag ins Gesicht" der Gewerbetreibenden. Nach ihrer Aussage hätten derzeit einige Händler ohnehin schon um ihre Existenz zu kämpfen. Sie kritisierte, dass mit der Ansiedlung des REWE-Marktes der Weg für einen großflächigen Einzelhandel an der Brücker Landstraße frei gemacht wird. Konkret geht es, so erläuterte Expansions-Managerin Sandy Hiemann, jedoch um einen großflächigen Lebensmitteleinzelhandel. Im neuen Markt mit einer Gesamtgröße von 2.800 Quadratmetern wird die reine Verkaufsfläche 1.990 Quadratmeter betragen. Simone Lüdecke kritisierte ferner, dass in der Bad Belziger Innenstadt die Parkgebühren erhöht werden, während auf dem REWE-Parkplatz kostenlos geparkt werden kann.
Dass ein REWE-Markt in der Kur- und Kreisstadt sich förderlich auf das Mittelzentrum Bad Belzig auswirken kann, suchte Bernd Thannheißer zu vermitteln. Er ist für die REWE als Architekt tätig und verfolgte mit Sandy Hiemann die Entscheidung der Stadtverordneten.
Nach seiner Einschätzung kann mit dem modernen Markt an der Brücker Landstraße Kaufkraft von Berufspendlern gebunden werden - von der letztendlich auch die Innenstadthändler profitieren können.
Mit der Markteröffnung ist frühestens Ende 2022 zu rechnen. Damit verbunden sollen 35 bis 40 Arbeitsplätze geschaffen werden. Ein selbständiger Kaufmann wird das Objekt übernehmen, sodass die Stadt Bad Belzig wiederum von den Gewerbesteuern profitieren wird.
Michael Wipfli, er betreibt den neuen Edeka Markt am Busbahnhof, sieht die Konkurrenz indes mit Sorgen. Er fürchtet, dass die Neueröffnung des REWE-Marktes mit der dann noch nicht beendeten Sanierung der Brandenburger Straße zusammenfallen könnte und in dieser Folge, Umsatzeinbußen.