Am Ortseingang von Cammer wirbt ein großes Banner an der Bockwindmühle für das weit über die Region hinaus bekannte Oldtimertreffen - jeweils am zweiten Sonntag im Juli.
Obwohl das Treffen pandemiebedingt abgesagt worden war, hatte sich eine Reihe von Liebhabern betagter Automobile und Zweiräder auf den Weg dorthin gemacht. Ganz privat. In zwangloser Runde ging es Richtung Gutspark, wo gefachsimpelt, geschwärmt und immer wieder der Wunsch geäußert wurde, dass das Treffen nach der Pandemie hoffentlich wieder in gewohnter Art und Weise stattfinden möge.

Thomas Schmidt aus Wollin mit Lanz Bulldog von 1929 in Cammer

Thomas Schmidt aus Wollin gehörte zu denen, die sich auf den Weg nach Cammer gemacht hatten. Mit einem Lanz Bulldog, Baujahr 1929, fuhr er in den Gutspark ein - wo der Schlepper, im Rampenlicht, ordentlich Aufmerksamkeit auf sich zog. Früher landwirtschaftlich genutzte Technik wurde dort neben edlen Nobelkarossen geparkt.
„Wir kommen schon seit dem ersten Treffen nach Cammer“, berichten Hannelore und Peter Fröhlich. Angereist sind die beiden mit einem Ford, Baujahr 1930, der Anfang der 1990er Jahren aus den Staaten nach Deutschland überführt wurde. Kurze Zeit danach erwarben die Eheleute aus Brandenburg/Havel das Auto, welches ihre Herzen zum Glühen brachte und in ihnen eine neue Leidenschaft entfachte - für Oldtimertreffen.

Fritz Baumgarten machte sich mit seiner Ente aus Werder auf den Weg

Fritz Baumgarten machte sich aus Werder auf, um im Gutspark von Cammer dem beliebten Treffen in Gedanken nachzuhängen. An einen Citroen 2CV - Liebhaber des Modells nennen das Fahrzeug liebevoll Ente - hat der 83-Jährige vor einigen Jahren sein Herz verloren.
Erwin Winkelmann aus Freienthal erzählte, dass er sich zu seinem 60. Geburtstag einen besonderen Wunsch erfüllte - den nach einem neuen (alten) Traktor. Damit verbunden war der Abschied von seinem RS09. Liebhaber dieser zu DDR-Zeiten gebauten Schleppermarke haben für den RS09 sofort den Beinamen Molli parat. Auf Winkelmanns Molli folgte ein Deutz, der seinen Besitzer mit Stolz erfüllt. Schließlich hat er seitdem schon mit seinem 28 PS starken Gefährt auf so manchem Wettbewerbsparcours erfolgreich seine Runden gedreht.

Dietmar Lucke aus Cammer liebt seinen Trabant 601

Für nichts in der Welt würde Dietmar Lucke seinen Trabant 601 hergeben. In Cammer zuhause, hatte er es nicht weit bis in den Gutspark, wo sich wieder einmal zeigte, dass die „Rennpappe“ auf Oldtimertreffen längst ihren Platz neben Chrom und lackglänzenden Modellen namhafter Marken gefunden hat.
Bewundernde und verzückte Blicke wurden seinem und anderen Trabants aus DDR-Produktion zuteil. Mit jedem ist eine Geschichte verbunden. Wie viele andere hatte auch Dietmar Lucke seinen vor der Wende für 13.000 DDR-Mark teuer erkauften Trabant nach der Wende recht bald verkauft - für 400 D-Mark - und ihn schon wenig später bitter vermisst. Als sich einige Jahre danach die Gelegenheit bot, wieder in den Besitz eines Trabis zu kommen, griff er zu. Heute steht die Rennpappe in der Garage. „Auf einem Teppich“, so Lebensgefährtin Britta Franz lachend. Während die anderen Autos unter dem Carport abgestellt werden.