Laut Beschlussvorlage für den Kreistag Potsdam-Mittelmark plant die Kreisverwaltung zum 1. April 2021 die Einrichtung einer Gemeinschaftsunterkunft für Geflüchtete in Schmerwitz, genauer im Gebäude des ehemaligen Seniorenheims und Nebengebäuden auf dem Gelände von Schloss Schmerwitz.
Die Gemeinschaftsunterkunft soll mindestens fünf Jahre bestehen und insgesamt 224 Unterbringungsplätze bieten. Der Sozialausschuss des Kreistags soll am 21. Januar ein Votum abgeben, bevor der Kreisausschuss am 18. Februar die Anmietung des Objekts durch den Landkreis beschließen soll.

Bürgermeister Marco Beckendorf äußert Bedenken

 In einem Videostatement äußert sich Wiesenburgs Bürgermeister Marco Beckendorf zum Thema. Die Gemeinde hat innerhalb der vergangenen Monate drei Familien mit insgesamt acht Kindern aufgenommen, mit Hilfe des Familienzentrums und engagierter Bürger aufgefangen. Die Gemeinde steht der Unterbringung  und Integration Geflüchteter stets positiv gegenüber, aber „...nicht in diesem Umfang“, wie der Bürgermeister verlauten ließ. Es sei keine gute Idee, in diesem Umfang in Schmerwitz Geflüchtete aufzunehmen.

Schmerwitz liegt nicht zentral

Der Ort liegt nicht zentral genug, verfügt nicht über die nötige Infrastruktur, die Einwohnerzahl würde sich auf einen Schlag verdoppeln. Die Erfahrung zeigt, dass eine Unterbringung in dieser Zahl in der ländlichen Peripherie keine Option mehr sein sollte. Da Wiesenburg über einige freie Kita- und Grundschulplätze verfügt, zeigt sich die Gemeinde stets offen und gesprächsbereit.

Gemeindevertreter Dr. Johannes Blatt lehnt Massenunterkünfte ab

Dr. Johannes Blatt, Gemeindevertreter in der Gemeinde Wiesenburg/Mark, Bündnis 90/Die GRÜNEN präzisiert: „Als Gemeindevertreter in der Gemeinde Wiesenburg/Mark und als Schmerwitzer Bürger, der sich 2015 für die Aufnahme und Begleitung von Geflüchteten in Schmerwitz engagiert hat, lehne ich die vom Landkreis geplante Einrichtung einer Gemeinschaftsunterkunft in Schmerwitz entschieden ab. Massenunterkünfte mit sechs Quadratmetern Wohnraum pro Person in Mehrbettzimmern sind grundsätzlich keine gute Unterbringungsform für schutzbedürftige Menschen. Sie befördern Konflikte und psychische Beschwerden. Sie behindern die Integration der untergebrachten Menschen und erschweren ein autonomes Leben. Sie gefährden die gesunde Entwicklung von Kindern - und sind in Corona-Zeiten besonders problematisch.

Schmerwitz völlig ungeeignet für eine Gemeinschaftsunterkunft

Schmerwitz ist aufgrund der schlechten Bus-Anbindung (kein Busverkehr nach 18 Uhr, wochenends nur Bürgerbus) und Versorgungsinfrastruktur völlig ungeeignet für eine Gemeinschaftsunterkunft. 2015 haben zahlreiche Schmerwitzer Bürger die Aufnahme von zirka 40 Menschen aus Syrien in Wohnungen im Dorf initiiert und begleitet. Heute leben in Schmerwitz 246 Menschen, davon 25 Geflüchtete. Ein weltoffenes Dorf wie Schmerwitz kann weitere Geflüchtete aufnehmen, in überschaubarer Zahl und in Wohnungen dezentral untergebracht. Die vom Landkreis geplante Gemeinschaftsunterkunft mit 224 Plätzen würde die Integrationskapazitäten des Dorfes komplett sprengen.

Integration kann so nicht gelingen

Ich appelliere an die Kreistagsabgeordneten, die Beschlussvorlage der Kreisverwaltung abzulehnen. Als Landkreis, als Gemeinde, als Dorf und als individuelle Menschen sollten wir unserer Verantwortung zur Aufnahme von Geflüchteten nachkommen - in Würde und so, dass Integration gelingen kann. Das Projekt „Gemeinschaftsunterkunft Schmerwitz“ steht für Isolation statt Integration.“