Damit ist es in Bad Belzigs Ortsteil Lüsse aber auch mit der Ruhe vorbei. "Die Lüsser werden sich jetzt wieder daran gewöhnen müssen, nicht mehr überall parken zu können", so Bad Belzigs Bürgermeister Roland Leisegang (parteilos) vor der offiziellen Freigabe der Straße.
Die Gesamtkosten des Bauprojekts in Höhe von etwa 7,9 Millionen Euro wurden vom Bund und der Deutschen Bahn (DB) AG getragen.
Der Anteil der DB AG für den Brückenneubau lag bei 3 Millionen Euro, der des Bundes bei 3,6 Millionen Euro. "Grundlage für die Finanzierung ist eine sogenannte Kreuzungsvereinbarung zwischen Bund und Bahn, wonach die Kosten für Brückenbauwerke oder Tunnel an Bahnlinien und Straßen etwa hälftig übernommen werden", erklärte Egbert Neumann, der in Vertretung von Brandenburgs Infrastrukturministerin Kathrin Schneider (SPD) zur Freigabe der neuen Straße nach Bad Belzig gekommen war.
Das alte Brückenbauwerk, dass von Kraftfahrzeugen nur noch mit einer Höchstgeschwindigkeit von 30 Kilometern je Stunde überquert werden durfte, war marode und musste für den Neubau weichen. Im Zusammenhang mit dem Abriss der alten Brückenkonstruktion und dem Ersatzneubau kam es vorübergehend zu Einschränkungen auf der Eisenbahnlinie Berlin-Dessau.
Die Kosten für die Arbeiten an der gut 2,2 Kilometer langen Straße vom Knotenpunkt B 246/B 102 in Bad Belzig bis zum Ortseingang Lüsse lagen bei einer Million Euro. Die für den Bau des straßenbegleitenden Radwegs bei 300.000 Euro.
Worauf bei der feierlichen Freigabe besonders hingewiesen wurde: Sowohl der Kosten- als auch der Zeitplan für das umfangreiche Gemeinschaftswerk wurden eingehalten.
Mit Blick auf Straße, Radweg und Brückenkörper betonte Neumann, dass die in die Baumaßnahme investierten 7,9 Millionen "gut angelegtes Geld" sind. Dem konnte Bad Belzigs Verwaltungschef nur beipflichten. Er sagte: "Die neue Straße ist verdammt schön geworden".
Baubegleitend waren im Winter 2017/18 archäologische Untersuchungen erfolgt, bei denen insbesondere westlich der Brücke Grabbeigaben aus bronzezeitlichen Hügelgräbern geborgen wurden. Konkret handelte es sich um 50 Urnen aus der späten Bronze- und frühen Eisenzeit, die dokumentiert und geborgen wurden. Der Fundplatz war Archäologen vorab bekannt gewesen. Schon während der Zeit des Eisenbahnbaus Ende des 19. Jahrhunderts, in der Mitte der 1950er Jahre und zu Beginn der 1960er Jahre hatte das Hügelgräberfeld bei Lüsse im Fokus der Forscher gestanden. In den nahezu 200 kleinen Hügeln, die sich entlang der Straße rechts und links im Wald erheben, sind die sterblichen Überreste einer Gemeinschaft bestattet, die in grauer Vorzeit bei Lüsse lebte. Während Grabhügel auf Ackerflächen im Verlauf der Jahrhunderte eingeebnet wurden, hatte das Waldstück beidseits der Straße die Begräbnisplätze bewahrt. Es war im Jahre 1959 unter Denkmalschutz gestellt worden.