Was geschah vor 100 Jahren in der Region? Das „Zauch-Belziger Kreisblatt“ berichtet im Oktober 1920 von einem schweren Unfall in Grüneiche bei Golzow. Dort war der Büdner Krüger damit beschäftigt, auf dem Acker des Gemeindevorstehers einen großen Feldstein zu sprengen. „Dabei verunglückte Krüger schwer. Die Sprengladung flog ihm gegen beide Hände, sodass diese zerrissen wurden. Man schaffte Krüger nach dem Brandenburger Krankenhaus.“

Hebamme Bertha Müller übernimmt Bezirk 2

Landrat Freund ließ die Kreiseingesessenen wissen: „Der Hebamme Bertha Müller in Belzig habe ich den durch Verzug der Hebamme Frau Haase freigewordenen Hebammenbezirk Nr. 2 Belzig, bestehend aus der Stadt Belzig mit Heilstätte und den Ortschaften Lübnitz, Klein Glien, Hagelberg, Preußnitz, Kuhlowitz, Lüsse, Weitzgrund mit Steindorf und Grützdorf vom 1. Oktober 1920 ab übertragen.“

Geschäftseröffnungen in Niemegk

Aus Niemegk wurden zwei Geschäftseröffnungen gemeldet. Martin Niendorf inserierte: „Einer geehrten Einwohnerschaft des Kreises Zauch-Belzig hierdurch zur Kenntnis, dass ich mich in Niemegk, Großstraße 51, als Uhrmacher und Goldarbeiter niedergelassen habe. Durch längere Tätigkeit in ersten Geschäften der Großstädte bin ich in der Lage, sämtliche in das Fach schlagenden Reparaturen, sowie Graveur-, Vergoldungs- und Versilberungsarbeiten auszuführen.“

Kolonialwaren- und Delikatessengeschäft in Niemegk

Gustav Pflug, wohnhaft in der Grünstraße 34, annoncierte: „Den geehrten ‚Einwohnern aus Niemegk und Umgebung hierdurch zur gefälligen Kenntnis, dass ich auf vielseitigen Wunsch ein Kolonialwaren- und Delikatessengeschäft errichtet habe.  Ich werde stets bemüht sein, gute und frische Ware zu billigsten Tagespreisen zu liefern. Für bisher genossenes Vertrauen bestens dankend, bitte ich auch um gütige Unterstützung meines neuen Unternehmens. Die Schuhmacherei wird in derselben Weise wie bisher weitergeführt.“

Ferkelmarkt in Belzig fiel wegen Klauenseuche aus

Berichtet wurde auch über den Michaelismarkt in Belzig. „Der dem Krammarkt stets vorausgehende Ferkelmarkt am frühen Morgen fiel aus, weil in der Stadt und auf den umliegenden Dörfern die Maul- und Klausenseuche herrscht. Der Krammarkt begann wie immer um 9 Uhr. Der Marktplatz war dieses Mal außerordentlich stark mit Buden und Verkaufsständen bestellt. Schon am Sonntag war an dem Budenaufbau gearbeitet worden. Die Platzfrage bildete oftmals den Grund für kleine Streitigkeiten unter den Gewerbetreibenden. Im Laufe des Vormittags strömten die Landleute von allen Seiten in die Stadt und die Züge von Staatsbahn und Brandenburger Städtebahn brachten große Menschenmengen heran. Insbesondere war die Dorfjugend stark vertreten. Bis um 1 Uhr mittags herrschte auf dem Marktplatz reges Gedränge, sodass nur mühsam durchzukommen war. Alsdann suchte die Jugend die Tanzsäle auf. Diese füllten sich bald derart an, dass nur wenig Platz zum tanzen war. Es wurde viel gekauft, namentlich Wintersachen gingen trotz der hohen Preise recht flott. Reichlich gab es Konfitüren, die Knobländer und Bockwürste waren endlich wieder da, wenn auch zu gepfefferten Preisen. Neu waren diesmal die Glücksspielunternehmer, die mit ihren Glücksrädern, Spielautomaten und Bolzenschießapparaten viel Geld umsetzten.“

Viele Besucher des Michaelismarktes in Belzig aus der Brandtsheide

Wenige Tage danach heißt es aus Wiesenburg: „Groß war die Zahl der Besucher des Michaelismarktes in Belzig aus der Brandtsheide. Allein auf der Station Wiesenburg wurden über 1000 Fahrkarten verkauft. Nachhause mussten viele den Weg zu Fuß zurücklegen, weil der Nachmittagszug nicht alle Fahrgäste befördern konnte.“

Einbruch ins Kreiskrankenhaus

Zum wiederholten Mal wurde in das Kreishaus eingebrochen. „Ein Einbrecher drang durch ein Fenster durch die im Erdgeschoss des Hauses gelegene Registratur des Landratsamtes und stahl zwei Schreibmaschinen, nämlich eine Ideal- und eine Torpedoschreibmaschine.“

Gemeindeversammlung in Reetz

Aus Reetz wird berichtet, dass im Mehlitzschen Gasthof eine Gemeindeversammlung stattfand. Der Gemeindevorsteher informierte, dass gewünscht wird, das jeder Kartoffelerzeuger vom Morgen zwei Zentner zum Vorzugspreis von je 25 Mark für die minderbemittelte Bevölkerung zur Verfügung stelle. „Dieses bescheidene Ansinnen fand wenig Gehör, desto lebhafter interessierte aber die Frage, wer noch Acker brauche. Die Mehrzahl der Versammlungsbesucher bejahte sie. Es wurden im ganzen 660 Morgen verlangt, welche von den Gütern Mahlsdorf und Schmerwitz gefordert werden sollen.“ Weiter heißt es:
„Die Stromlieferung unseres Gemeinde-Elektrizitätswerks, welche ab 15. Oktober erfolgen sollte, ist bis heute unmöglich, weil infolge von Streiks der Dynamo nicht hat geliefert werden können. Um aus dieser unangenehmen Lage herauszukommen, soll jetzt ein Ersatz-Dynamo aufgestellt werden.“

Bestandene Meisterprüfungen

Vor der Meisterprüfungskommission der Handwerkskammer zu Berlin bestanden die Meisterprüfung für das Fleischergewerbe die Fleischer Karl Heinrich, Hermann Knorr, Karl Schmidt jun., Fritz Hennig jun., Otto Lucke jun. (alle Belzig) Willi Baade aus Medewitz und Thiele aus Dahnsdorf.