Das „Zauch-Belziger Kreisblatt“ berichtete nicht nur über aktuelle Geschehnisse in Stadt und Land. Die gedruckten Meldungen umfassten auch diverse Neuigkeiten und gute Ratschläge.
Im April des Jahres 1911 erging sogar eine Ermunterung zum Sparen. Es heißt: „Eine schöne Sitte kommt mehr und mehr in Aufnahme, nämlich die, Sparkassenbücher mit Denksprüchen zu versehen. Sparkassenbücher, die zu Geburtsfesten, zu Weihnachten oder zu sonstigen Gelegenheiten gestiftet werden, erhalten durch solche Widmungen für ihre Inhaber natürlich besonderen Wert.“

Denksprüche für den Sparwillen

Die Sparkassenbücher jener Zeit zierten Denksprüche wie diese: Wer spart, der hat.
Spare vor der Neige. Spare, lerne, leiste was / so hast Du, kannst Du, giltst Du was. Mit Not etwas ersparen / für Tage größerer Not / ist besser, als erbetteln / mit Not ein Stückchen Brot.
Junges Blut, spar’ dein Gut / Armut im Alter wehe tut.
Letztgenannter Vers „Junges Blut, spar’ dein Gut / Armut im Alter wehe tut“, könnte Pate gestanden haben, als das Schulsparen aus der Taufe gehoben wurde.
Die ersten Schulsparkassen entstanden fast zeitgleich mit der Gründung der Sparkassen in der Mitte des 19. Jahrhunderts.

Kinder zum sparen animieren

Die Gründe, die dafür ausschlaggebend waren, liegen auf der Hand. Der Nachwuchs sollte zur Sparsamkeit erzogen werden. Praktische Erwägungen haben sicher auch eine Rolle gespielt. Vom Spargroschen konnten Anschaffungen zur Konfirmation finanziert - die mit dem Wechsel in das Erwachsenenleben verbunden war - oder die Aussteuer vervollkommnet werden.
Der gute Gedanke des Schulsparens hatte es jedoch anfangs schwer. Erst nachdem Pfarrer und Lehrer die Idee für gut befanden und zu unterstützen versuchten, begann sich das Schulsparen auch im ländlichen Raum durchzusetzen. 1937 wurde der bislang freiwillige Schulspargedanke durch ministeriellen Erlass verordnet. Die öffentlichen Sparkassen - auch die vier Geldinstitute des Kreises Zauch-Belzig (Kreissparkasse in Belzig mit ihren Zweigstellen und die Stadtsparkassen in Beelitz, Treuenbrietzen, Werder) - mussten ihr Schulsparwesen einer Neuorganisation unterziehen.

Vorher nur wenig Schulen mit Sparmöglichkeiten

Bis zu diesem Zeitpunkt bestanden im damaligen Zauch-Belziger Kreis nur zirka 25 Schulen mit Schulsparmöglichkeit. Das Markensystem, welches sich in der Vergangenheit bereits als zweckmäßig erwiesen hatte, wurde beibehalten. Die Lehrer übergaben den sparwilligen Kindern dafür ein so genanntes Sparmarkenbuch, für welches die Schüler Sparmarken im Wert von 10 Pfennigen erwerben und einkleben konnten. War ein Blatt voll wurde es durch den Schulsparkassenverwalter der Kreissparkasse übergeben, die daraufhin ein Sparbuch ausstellte, alle weiteren Zahlungen buchte und in üblicher Weise verzinste.

‚Viele wenig machen ein viel!‘

In dieser Folge erhöhte sich die Zahl der von den öffentlichen Sparkassen des Kreises Zauch-Belzig eingerichteten Schulsparkassen bis Mai 1938 auf 89. In einer Aufzeichnung aus jener Zeit heißt es: „Die von den Kindern ersparten Beträge haben die Erwartungen erheblich übertroffen. Es gilt also auch hier das Sprichwort ‚Viele wenig machen ein viel!‘ Mit den zahlreichen 10-Pfennig-Beträgen der sparenden Kinder war es den beteiligten Sparkassen bereits im Jahre 1937 möglich, Hypothekendarlehen zur Errichtung von mehreren Einfamilienhäusern zu gewähren.“

Schulsparen sorgte für viel Geld

Im Heimatkalender für den Kreis Zauch-Belzig (1939) wird diesbezüglich erwähnt, dass die Spargroschen der Kinder zur Finanzierung der Hypothekendarlehen von fünf Einfamilienhäusern verwendet wurden. Ferner wurden die Spareinlagen beziffert. Demnach kamen durch das Schulsparen der Kinder von August bis zum 31. Dezember 1937 exakt 11.961,50 Reichsmark zusammen. In den Monaten Januar bis April 1938 weitere 10.831,30 Reichsmark.

Schulsparkassen überall in der Region

In hiesiger Region waren zu diesem Zeitpunkt durch die öffentlichen Sparkassen an den Schulen in Niemegk, Treuenbrietzen, Benken, Borne, Buchholz bei Niemegk, Deutsch Bork, Fichtenwalde, Fredersdorf, Garrey, Groß Briesen, Grubo, Hagelberg, Haseloff, Hohenwerbig, Jeserig bei Wiesenburg, Jeserigerhütten, Klein Marzehns, Klepzig, Krahne, Lehnin, Lobbese, Lehnsdorf, Lübnitz, Medewitz, Mörz, Mützdorf, Neuendorf bei Niemegk, Nichel, Preußnitz, Raben, Rädigke, Ragösen, Reckahn, Reetzerhütten, Rietz bei Treuenbrietzen, Schlamau, Schwanebeck und Wiesenburg bereits Schulsparkassen eingerichtet.