Die Entwicklung der Postverhältnisse auf dem Land ist eine spannende Angelegenheit. Mit dem Jahr 1854 trat eine bedeutende Verbesserung ein. Am 1. Januar jenen Jahres begann die tägliche Zustellung von Briefen und anderen Posterzeugnissen wie Zeitungen. Fortan gingen so genannte Land-Briefbesteller zu Fuß von den in den Städten bereits existierenden Postexpeditionen aus in die Dörfer. Dieser neue Service der Post wurde unter anderem im "Belziger Stadt- und Landboten" bekannt gemacht.

Königliche Postexpedition in Niemegk

In die Zuständigkeit der Königlichen Postexpedition in Niemegk fiel beispielsweise die postalische Versorgung der Ortschaften Locktow, Dahnsdorf, Lühnsdorf, Buchholz, Rädigke, Raben, Rabenstein, Zehrensdorf, Klepzig, Wendemark, Groß Marzehns, Klein Marzehns, Garrey, Neuendorf, Zixdorf, Lobbese, Zeuden, Hohenwerbig, Pflügkuff, Neu Rietz, Haseloff und Grabo. Von dort aus ging es zurück an den Ausgangsort Niemegk.
Täglich, mit Ausnahme des Sonntags, ging der Land-Briefbesteller in genannter Reihenfolge in die angeführten Dörfer. In der Bekanntmachung heißt es, dass derselbe um 8 Uhr morgens im Niemegker Postamt "abgefertigt" wird, um die Posterzeugnisse den Adressaten in der angegebenen Reihenfolge auszuhändigen.

Wer einen Brief aufgeben wollte, musste den Postboten erwischen

Weiter heißt es: "Es kann danach ungefähr ermessen werden, zu welcher Tageszeit die Boten eintreffen, um ihnen etwa abzusendende Briefe mitzugeben." Das heißt, wer selbst einen Brief oder eine Karte aufgeben wollte, musste ordentlich aufpassen, um den Land-Briefbesteller auf seinem Rundgang durch das Dorf nicht zu verpassen.
Um sich daraus ergebene Probleme zu vermeiden, wurde den Dorfschulzen nahe gelegt, zwei bis dahin unvorstellbare Neuerungen einzuführen: Den Briefkasten und kleine Poststellen in den Orten!

Gemeinden wünschten die Aufstellung von Briefkästen

"Insofern die resp. Gemeinden es wünschen sollten, dass in ihren Ortschaften Briefkästen aufgestellt werden, um zu jeder Zeit die zur Absendung bestimmten Briefe da hineinstecken zu können, wollen dieselben sich deswegen besonders an die unterzeichnete Postexpedition wenden; ebenso wird einem besonderen Antrage entgegen gesehen, wenn einzelne Correspondenten geneigt wären, mit der Postverwaltung ein Abkommen über eine bestimmte Aversional-Summe für die Bestellung der Briefe und Zeitungen sc. zu treffen. Niemegk 2. Januar 1854, Königliche Postexpedition. Jänichen."
Inwieweit die neuen Angebote von der Landbevölkerung angenommen wurden, ist Thema weiterer Aufsätze zur Postgeschichte. Denn einen Wermutstropfen hatte die Einführung der Postzustellung in die Dörfer. Durch die tägliche Bestellung wurde die Vergütung für die Zusendung von Zeitungen von 6 auf 10 Silbergroschen im Quartal erhöht.